Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1850)
- Date
- 1850-05-06
- Page
- Seite 261 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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261 welche in der Geschichte der Juden fast allein steht, beweist schon, welch eine Bedeutung Mit- und Nachwelt an sein Auftreten knüpften. Still und ruhig wuchs Moses im Vaterhause heran und genoß er, soviel wir wissen, nur den Unterricht seines Vaters, der ihn nicht nur im Talmud, sondern auch in den Wissenschaften genügend zu einem gründlichen Selbststudium vorbereitete. Die damals reiche arabisch-philosophische Literatur, die bedeutendsten astronomischen, überhaupt mathematischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Werke studirte er mit emsigem Fleiße, so daß er auch den Beruf des praktischen Arztes zu übernehmen vermochte und sich spater in demselben auszeichnete." „In Mitten dieser stillen ernsten Vorbereitung unsers Moses traf das große Ereigniß ein, welches die jüdische Gemeinde in Kordova so tief beugte. Maimon konnte sich mit seiner Familie nicht so rasch dem Drucke und der Verfolgung durch die Flucht entziehen, er mußte eine längere Zeit ausharren und sich dem Schemübertritte fügen. Maimonides hat dieser unglücklichen Thatsache kein Hehl, und warum sollte er ein zu seiner Zeit allbekanntes Ereigniß, das eine große Anzahl frommer Gemeinden betroffen, verhüllen wollen? Nicht gewohnt, blos Geschichtliches zu erzählen, erwähnt er allerdings in seinen Hauptwerken Nichts davon, aber dennoch hat sich eine Notiz von ihm erhalten, in welcher er den Tag, an welchem er diesen Gegenden entkam, einen sichern Boden betrat und dadurch vom „Religionsdrucke (toiö)" gerettet ward, zum ewigen Festtage für sich und die Seinigen einsetzt, und sein Vertheidigungsschreiben, welches wir noch später besprechen werden, bestätigt uns die Richtigkeit der Thatsache, und giebt die näheren Umstände an, unter welchen die zum Scheine Uebergetretenen lebten, und zugleich den Standpunkt, von welchem aus Maimon. diese Noth beurtheilt. Sie mußten ihren Uebertritt durch das Bekenntniß, daß Mohammed von Gott abgesandt und wahrer Prophet sei, beglaubigen, nämlich durch die bekannte arabische Formel: „Es giebt keinen Gott als Allah, und Mohammed ist sein Abgesandter;" sie mußten zuweilen die Moscheen besuchen, durften einen eignen Gottesdienst aber öffentlich durchaus nicht abhalten, so wie überhaupt den jüdischen religiösen Satzungen öffentlich keine Folge geben. Sie kamen dadurch natürlich häufig in die Nothwendigkeit, den jüdischen Geboten öffentlich geradezu zuwider zu handeln, und sie begnügten sich damit, insgeheim mit aller Gewissenhaftigkeit ihrem Gesetze treu zu leben. — Diese traurige Aenderung im äußern Leben der Familie Maimon gab jedoch der innern Entwickelung des Sohnes keine andere Richtung. Mit unausgesetztem Fleiße verfolgte er seine talmudischen und wissenschaftlichen Studien. Schon in seinem 23. Jahre (1158) sehen wir ihn daher auch schriftstellerisch thatig, eine handschriftlich gebliebene Schrift astronomischen Inhaltes mit Beziehung auf das Judenthum, nämlich über wissenschaftliche Begründung und praktische Feststellung des jüdischen Kalenders verfaßte er in diesem Jahre, und gewiß hatte er auch um diese Zeit bereits eine größere streng talmudische Arbeit, nämlich einen arabischen Kommentar zu denjenigen Gemaratraktaten, deren Inhalt noch gesetzliche Anwendung hat, und ebenso einen Auszug aus den praktischen Resultaten der jerusalemischen Gemara zu liefern begonnen, eine Arbeit, auf welche er sich in einem andern Werke, dem Mischnakommentar, der in demselben Jahre begonnen, aber erst spater beendigt worden, begeht." „Unterdessen wurde jedoch für Maimon und seine Familie der Aufenthalt in Kordova je langer, je unerträglicher, und sie dachten nun ernstlich, das geliebte Vaterland, an dem Spaniens Juden so innig hingen und das sie auch in der Ferne nie vergaßen, zu verlassen und eine andere Heimath aufzusuchen. Nur wo arabische Bildung die Geister erfüllte, fühlten sie sich wohl; Frankreichs Gelehrte und deren Sitten waren unserm Maimonides zuwider, wenn er auch ihr talmudisches Wissen achtete, wie er dies später in einem Schreiben an seinen Sohn Abraham deutlich sagt, und selbst der Provence traute er nicht viel zu, wie er denn seinem Uebersetzer Samuel Thibbon seine Verwunderung darüber ausdrückt, daß unter den Nichtarabern ein solch tüchtiger Mann sich fände. Darum zogen sie es vor, zuerst nach dem Magreb, den Barbareskenstaaten, auszuwandern, wo sie sich zwar gleichem Drucke zu fügen hatten, wo ihnen jedoch die Aussicht leichter sich darbot, zu Schiffe Gegenden zu erreichen, die ihnen eine freie Religionsübung gestatteten. Schon im Jahre 1159 oder im folgenden Jahre begegnen wir ihnen daher in Fez. Dort scheint auch Moses (vielleicht in Verbindung mit seinem Vater) um diese Zeit sein Vertheidigungsschreiben wegen des scheinbaren Abfalls vom Glauben geschrieben zu haben. Einer seiner Zeitgenossen nämlich richtete an einen Gelehrten, welcher der Religionsverfolgung nicht unterlag, die Frage, wie man sich bei derselben zu benehmen habe, ob man, um sein Leben zu retten, das Bekenntniß von Mohammeds Sendung und wahrem Prophetenthume ablegen oder ob man, selbst auf die Gefahr hin