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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-06 · Heft 19 (6.5.1850) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 19 (6.5.1850)
Date
1850-05-06
Page
Seite 260 (sequence 12)
Language
German
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260 Mai wieder erscheinen? Noch zeigen sich nicht einmal Schneeglöckchen und Primeln, um wie viel weniger stehen die Baume Deines Gartens in Blüte. Wie ist doch Alles so still und lautlos geworden vor den großen Stürmen, die über die Haide fuhren? Der Sturm ist zu Ruhe gegangen; Aeolus hat seine gigantischen Geister in seinej Holen geschlossen; aber bei uns ist noch Alles todt geblieben, und Niemand waget die Friedhofsruhe zu stören, und die Trümmerstätte abzuräumen. Wenn sonst das Wochenpacket bei uns anlangte, selten, daß nicht einige Novitäten darin lagen, die bald von hier, bald von dort einen Geistesgruß brachten. Jetzt vergehen Monde, und außer den gewöhnlichen Gaben der zusammengeschmolzenen Journalistik, erscheint Nichts, was mit Interesse in die Hand genommen werde. Selbst die Fluth der Predigten, Religionsbücher, Lesebücher und biblischen Geschichten hat sich verlaufen. Wir zehren von der Vergangenheit. Solche Stimmung führt uns in die Vergangenheit. Da erscheinen alte Gedanken wieder, die wir gehegt, gepflegt, dem jüdischen Publikum an's Herz gelegt, Literaten, Rabbinen, Lehrern empfohlen und wieder empfohlen. Aber man hörte auf uns nicht, man förderte und betrieb Nichts. Jetzt kommt die Frucht. Als wir einstens die Bildung eines israelitischen Literaturvereins vorschlugen, und den Plan mittheilten... Es war mit Händen zu greifen. Es war der Erfolg so sicher und einfach, daß Nichts leichter auszuführen war. Nun, ihr jüdischen Literaten, was gäbet Ihr jetzt um einen Solchen? Der wäre jetzt so sicher sundirt, daß ihm die Zeit Nichts hätte anhaben können. Ihr hättet geistig und leiblich davon zehren können. Ihr brauchtet jetzt nicht Eure Manuskripte zu einem widerwilligen nonum preinatur in annum in das Pult zu legen, oder gar keine zu schreiben. Aber Eure Eifersüchtelei und Zerfahrenheit ließ es ja nicht zu, sich anzunehmen des Kindes, das einen Andern Vater nannte, und so konnte es nicht anders kommen.. . . Doch darum haben wir nicht angefangen, sondern weil in der That uns ein Schriftchen wieder einmal vorliegt, nämlich: Moses den Maimon. Studien von vr. Abraham Geiger, Rabbiner in Breslau. Erstes Heft. Herausgegeben von M. Breslauer. Rosenberg und Breslau. Das Heft enthält den ersten Theil einer Lebensbeschreibung Maimons, die allerdings mehr die Schriften des großen Mannes als seine äußeren Verhältnisse bespricht; dann reichliche Anmerkungen; endlich D'hE'-iinb und drei andere kleine. Also des Interessanten genug. Blicken wir auf die Darstellungsweise der Schrift, so können wir uns nicht enthalten, in ihr den Einfluß der Zeit wahrzunehmen. Es ist keine Freudigkeit im Tone, kein Schwung, keine Erhebung des Geistes, kein strenges Zusammenfaffen im Bearbeiten, keine Eleganz und kein Glanz. Es ist einfache Wiedergabe des Gegebenen, ein Todtesliegendes. Wir machen daraus keinen Vorwurf. Es ist am Ende nicht Jedermanns Sache, die niederdrückende Bürde der Zeit abzuschütteln, und die Frische von innen heraus wieder zu schaffen, die das Leben von außen abgegriffen. Wie viel ist in der jüngsten Periode geknickt worden! Und wie viele Geister haben sich in die Katakomben des Servilismus geflüchtet, weil die freie Lust schneidend geworden! Sie wühlen sich jetzt da hinein, woraus sie sich stolz erhoben, und daraus sie verachtend ihren Fuß gesetzt! — Wir sagen dies ganz ohne alle persönlichen Bezüge. Es stößt sich uns nur so auf. Wir gestatten uns einige Auszüge, indem wir hier gleich anfügen, daß die Noten eine Menge interessanter literaturhistorischec Bemerkungen enthalten. Die Schrift beginnt mit dem Satze: „Moses den Maimon oder Maimonides war der Endpunkt einer großen, reichen, geistigen Entwickelung unter den arabischen Juden, und seine einflußreiche Thätigkeit war durch Jahrhunderte von großen Männern vorbereitet." Hierauf geht der Verf. nun näher ein. Er beschreibt dann, wie in allen Städten, welche seit 1150 erobert wurden, alsbald der Befehl gegen Juden und Christen folgte, entweder den Islam anzunehmen, oder auszuwandern; wer dem Befehle nicht gehorchte, wurde hingerichtet." „Unter diesen Umständen lebte Maimon ben Josef in Kordova. Ec war ein Schüler des berühmten Talmudisten Josef ha-Levi aben Migasch, welcher der hohen Schule in Lucena bis zu seinem Tode (1141) Vorstand, und ward, wie seine Vorfahren, Rabbi in seiner Vaterstadt, zugleich aber auch Kenner der Wissenschaften, in welchen er auch schriftstellerisch durch einen Kommentar zu Alfergani's Astronomie auftrat. Noch waren die Verfolgungen nicht eingetreten, als ihm ein Sohn geboren wurde, den er Moses nannte. Am 30. März 1135, welcher damals auf einen Sabbat und auf den Rüsttag des Peßachfestes traf, kurz nach 1 Uhr Mittags, erblickte dieser das Licht der Welt; daß wir über seine Geburtszeit ein so bestimmtes Datum besitzen, eine Erscheinung,

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