Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1850)
- Date
- 1850-05-06
- Page
- Seite 256 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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356 finden aus dieser Ursache bei den einzelnen Bezirkshauptmannschaften eigene Berathungen statt, zu welchen Vertrauensmänner aus den Jsraelitengemeinden berufen werden. — Die Lösung dieser Aufgabe ist schwer. So viel ist Jeder durch langjährige Erfahrung überzeugt, daß gerade unsere Rabbiner in der Mehrzahl selbstsüchtige Tendenzen verfolgten, den Druck sanktionirten, Kultus- und Unterrichtswesen aber nicht förderten. Es herrscht daher im Allgemeinen Mißtrauen gegen sie. Prag kann hier nicht zum Typus dienen, der dortigen Lokalverhältnissen gehen der orthodoxe Theil und die neuen Kultusgemeinden ihren eigenen Weg. Die Zuschläge auf den Vermögenssteuergulden bestanden erst auf Antrieb der Kreisrabbinen seit 16 Jahren; ob und was dafür geleistet worden, ist schwerlich zu sagen; aber die Statthalterei ist völlig unrecht berichtet, wenn sie durch Aufhebung der Judensteuer den Schlüssel zur Bestreitung religiöser Schulbedürfniffe verloren, und die bisherigen Einrichtungen ihrem Verfalle zugeführt" glaubt. Beides beruht wieder auf falschen Angaben, deren Urheber man zu kennen glaubt. Aus Ungarn, 26. April. Das „Magyar Hirlap" meldet, daß die ungarischen Israeliten, da ihre Kontributionsfrage eine so günstige Wendung genommen, zu den Landesausgaben 666,66.6 fl. freiwillig beisteuern wollen. —. Das „Pesther Morgenblatt" meldet: Unter den israelitischen Kaufleuten herrscht in Pesth eine große Aufregung; während nämlich die christlichen Kausleute für ihre hier anlangenden Maaren keine Akzise zu bezahlen haben, wird dieselbe vom Magistrate von den Israeliten strenge gefordert. Wie wir hören, wollen die Letzteren mit einem Bittgesuche in der bezüglichen Angelegenheit bei Sr. Exzellenz dem Baron Geringer einkommen. —. In Folge der geschlossenen Untersuchung über die im Jahre 1848 stattgehabte kommunistische Judenplünderung in Neustadtl an der Waag und um Szered, werden nun die dabei Bethciligten im Exekutionswege zum Schadenersatz verhalten. Es giebt Ortschaften, die über 16,066 Gulden zahlen müssen. Preßburg, 17. April. (Privatmitth.) Sie werden das hohe Ministerialreskript über die Schulinspektoren in Ungarn bereits mitgetheilt haben. So erfreulich es im Ganzen ist, daß unsere Schulen und unsere inneren Angelegenheiten das Auge des Ministeriums auf sich ziehen, muß uns doch im vorliegenden Dekret Manches betrüben. 1) Wird hierin ausgesprochen, daß nur Katholiken oder Protestanten Schulinspektoren werden können, aber durchaus kein Jude, und wenn er auch mehr Schulmann als Alle zusammen wäre, und wenn er auch ein Mendelssohn wäre. Man wird vielleicht vorschützen: der Jude kann ja über die christliche Religion Nichts anordnen! Aber, fragen wir, kann denn der Katholik über die protestantische oder der Protestant über die katholische Religion oder Beide zusammen über die israelitische Anordnung treffen? wir müßten also annehmen, die ernannten Schulräthe jedweder Konfession werden den Inspektoren zur Seite stehen. Nun so könnte ja ein Jude auch Inspektor sein! Wol wissen wir, daß bei dem Sinne der christlichen Bevölkerung allhier dies noch lange unausführbar bleiben werde; aber man hätte wenigstens die theoretisch ausgesprochene Gleichberechtigung nicht theoretisch geradezu widersprechen sollen. 2) Giebt man uns Hoffnung, vielleicht die untergeordneten Schulaufseher selbst wählen zu können. Vielleicht nur? Warum nur vielleicht? Sollen auch diese von oben aus ernannt werden? Wird die Gemeinde die in ihr lebenden Männer nicht besser kennen und zu würdigen wissen, als die entfernte Behörde? Sollte bei diesen sowol als auch bei den zu ernennenden Schulräthen nicht der Gemeinde das Wahl¬ oder wenigstens das Vorschlagrecht gelassen werden? Einen Beweis für unsere Behauptung liefert die vom Ministerium für Preßburg und dessen Distrikt unglücklich ausgefallene Ernennung eines israelitischen Schulrathes, in der Person des Herrn Herrmann Pappenheim. Warum unglücklich? Weil (nach unserer schlichten Meinung) nur solche Männer zu Schulrächen ernannt werden sollten, die entweder Männer vom Fache oder wenigstens von bedeutender pädagogischer Kenntniß sind. Nun ist Herr Pappenheim wol ein reicher Bankier und hat wol etwas mehr als gewöhnliche kaufmännische Bildung, aber deswegen kann er doch nicht Schulrath sein, und dem Lehrer rächen, nach welcher Methode er zu unterrichten habe rc. Ein Mann, der mit Pädagogik sich so wenig befaßt hat wie überhaupt ein geborner Bankier, der in seinem Leben keine einzige Stunde noch Unterricht ertheilt