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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-05-06 · Heft 19 (6.5.1850) · p. Seite 254

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 19 (6.5.1850)
Date
1850-05-06
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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m Vor Allem aber herrscht eine gewisse Aengstlichkeit, daß eine andere Behörde im Hintergründe— wenn auch nicht gerade die Faden hierzu leitet, dafür bürgt die Ehrenhaftigkeit des Vorstandes — darauf einwirken will und vielleicht schon mag. Ganz ohne jeden Grund ist diese Befürchtung nicht und kann man sich eines gewissen Verdachtes nicht erwehren, wenn man z. B. die vielfachen Mittheilungen über diese Aufforderung in den politischen Blättern, oder gar darüber liest (Breslauer Zeitung No. 101, Freitag den 12. April): „Die projektirte jüdische Zentralbehörde findet bei vielen Gemeinden die freudigste Theilnahme.-Es liegt ferner im Plan, die Zentralstelle (hier wird also der Staatsbehörde gegenüber nur von einer Stelle, nicht von einer Behörde gesprochen — Anmerkung des Berichterstatters) als technisch-rathgebende den Staatsbehörden darzubieten, damit diese — — und nicht wie früher über das Wohl und Wehe dieser Glaubensgenossenschaft entschieden werde, ohne vorher die von der Gemeinde selbst bestellten Vertreter gehört zu haben. Die Gründung einer Hierarchie ist sicher ausgeschlossen." Was soll das heißen: „Ueber das Wohl und Wehe dieser Glaubensgenossenschaft entschieden werden?!" Leben wir denn nicht in einem Verfassungsstaate? oder sollte die A. Gewerbezeitung wirklich mit ihrer Auffrischung der bereits früher, unter dem Ministerium Eichhorn beliebten Erklärung, daß die Juden keine andere Konfession sondern eine andre Religion haben, mithin bei der gewährten Gleichstellung aller Konfessionen nicht inbegriffen sind — Recht haben? — Und sollte es wirklich im Plane der Zentralstelle auch liegen, sich der Staatsbehörde als technisch-rathgebende darzubieten? Wir glauben nicht, daß dies im Plane der Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Berlin liegen kann; wir hegen das Vertrauen zu Ihnen, meine Herren, daß Sie Juden und Judenthum nicht, wie schlechte Waare, der Staatsbehörde darbicten werden, ohne dazu aufgefordert worden zu sein; — sollte die Staatsbehörde wirklich über unser Wohl und Wehe entscheiden wollen ohne uns zu fragen — nun, so haben wir wenigstens kein anderes Unrecht dabei, als höchstens es zu erdulden — aber Sie sehen, wie auch von anderer Seite Ihr Plan aufgefaßt wird. Die Garantie: „die Gründung einer Hierarchie ist sicher ausgeschlossen" — ist nicht genügend, da man dafür eine um so schlimmre Büreaukratie zu fürchten hat. Die Furcht vor Hierarchie war im Judenthume — so oft und viel auch die Juden von hierarchischen Umtrieben außerhalb zu leiden hatten — nie sehr groß und wurde man noch zu jeder Zeit mit ihr fertig; — beiläufig gesagt, scheint auch die Rabbinerversammlung deshalb bei den Gemeinden so wenig Anklang gefunden zu haben, weil man in dem Ausschluß der Laien hierarchische Gelüste wahrzunehmen glaubte — was aber könnten die Gemeinden gegen eine, auf die Staatsbehörde sich stützende Büreaukratie, von der gewiß nicht viel Gutes zu erwarten, ausrichten? Dies sind so einige Bedenken, die ich von Vielen aussprechen gehört, und die ich keineswegs als Anklage, sondern zur reiflichen Erwägung und Beseitigung niederschreibe. Um so mehr hegt man zum Vorstande der jüdischen Gemeinde zu Berlin das Vertrauen, daß er sich nicht, wie es heißt: „Wird ihm die gehoffte Theilnahme entzogen, so wird ihn die Lauterkeit des Gewollten und die Würde des Zweckes, für den er gestrebt, auch über den gescheiterten Versuch trösten" — sondern mit derselben Lauterkeit es auf anderm Wege erstreben wird. Schon der Talmud warnt vor dem zuviel rivvn nosn Nb irma! Könnte man nicht zum Beginn einen jüdischen Verein zur Wahrung der Rechte gegen Angriffe jeder Art — sie mögen kommen woher sie wollen — begründen und nebenbei der Plan, den Gemeinden auf Verlangen in jeder Beziehung berathend zur Seite zu stehen, damit verbinden? Aber nur berathend, ja nicht entscheidend; nur um Gotteswillen keine Jekum-Purkan-Heilige und Ab-ha- Rachmim-Märtyrer gemacht! In Schlesien haben wir schon den Segen einer gewaltsamen Union bei einer andern Konfession kennen gelernt. — Dann, nach einigen Jahren guten Wirkens und Erfolges dürfte man daran denken, den ganzen Verein einer genauen Revision zu unterwerfen und auf festen Statuten nach allen Seiten zu basiren. Ohne diesen meinen Vorschlag für irgend unmaßgeblich zu halten, hoffe ich, daß er auch schon der Lauterkeit des Gewollten wegen, nicht ganz ungeprüft und unberücksichtigt bleiben wird. E—n.

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