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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-29 · Heft 18 (29.4.1850) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 18 (29.4.1850)
Date
1850-04-29
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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245 Rabbinerversammlung in Breslau zusammenkam, werden Sie, Herr Redakteur, sich wol auch erinnern, wie viel Rabbinen aus Oberschlesien dabei gewesen? Daß sie mit den von der Rabbinervcrsammlung bereits früher ausgesprochenen Ansichten nicht übereinstimmten, hätte sie um so mehr bewegen sollen, der in Breslau beizuwohnen — was sie obendrein mit geringen Kosten konnten, da der damalige Vorstand daselbst zuvorkommend für die Aufnahme gesorgt hatte — um mit aller Macht der geistigen Waffen, die sie durch ein ganzes Fahr noch schärfen konnten, gegen das Irrige oder ihnen hierbei irrig Scheinende aufzutreten, und so die ihnen anvertraute — oder vertäuende — Gemeinde gegen die ganz nahe rückende Seuche der Aufklärung zu sichern; die Herren Rabbiner dachten aber: y'is nwsri und blieben zu Hause. Im Jahre 1847 forderte das breslauer „Obervorsteherkollegium" (der jüdischen Gemeinde nämlich) in llnfrankirten Briefen unterm 11. August sämmtliche Gemeinden in der Provinz zur Berathung über das — wie wir hoffen, ebenfalls entschlafene, oder als Mißgeburt gar nicht in's Leben getretene — Gesetz über die Verhältnisse der Juden auf den 24. August auf, und fast sämmtliche Gemeinden Oberschlesiens waren, wiewol sie von Empfang des Zirkulars bis zum angesetzten Termine kaum acht Tage Zeit hatten, durch 25 Deputirte vertreten. Anwesend waren im Ganzen 44 Deputirte, also 19 aus Niederschlesien und der Grafschaft Glatz. Hieraus kann man denn wol entnehmen, wie die Gemeinden, oder ihre Mitglieder, sobald sie nur angeregt werden, weder Mühe noch Kosten scheuen um Besseres anzustreben; denn mit Kosten war diese Angelegenheit für die Betheiligten verbunden, da das breslauer Obervorsteherkollegium sogar die geringen Auslagen der Autographie des Protokolls, die jedem Deputirtcn spater zugeschickt wurde, vermittelst Postvorschusses einzog. Man wende mir nicht ein, daß es sich bei dieser Versammlung um eine Lebensfrage für die jüdische Gemeinde handelte, und deshalb ihre Theilnahme so lebendig anregte; — war doch die Rabbinerversammlung ebenfalls in ihrem Verlauf von großer Bedeutsamkeit für die Rabbinen überhaupt geworden — wie Viele hörte man nicht nach dem Durchlesen der Protokolle äußern: die Rabbinerverfammlung erklärt ja alle Rabbiner für überflüssig und unnütz — und dennoch konnte sie viele Rabbinen nicht einmal zum Besuche, gleichviel ob beizustimmen oder zu widerlegen, veranlassen, doch wol nur, weil es ihnen bequem war, „sich im alten Schlendrian zu gefallen". (Schluß folgt.) Warmbrunn, im April. (Privatmitth.) Aus dem fünften Rechnungsbericht der jüdischen Badearmenkasse allhier für 1849 ergiebt sich, daß 183 Thlr. eingenommen, 140 Thlr. verausgabt sind, so daß wieder 50 Thlr. zu einem Pfandbrief verwandelt werden konnten. In dem Berichte heißt es: „Zwei und zwanzig arme, jüdische Badegaste sind im Jahre 1849 durch die verausgabten 140 Thlr. 12 Sgr. 3 Pf. während ihrer Kurzeit versorgt worden in natura (anständige durch Geld) mit den nöthigsten Bedürfnissen, sowol Hinsichts der Kur, als auch des Lebensunterhalts; und indem wir die angenehme und heilige Pflicht erfüllen Allen, die die Badearmenkasse mit milden Gaben unterstützt, im Namen der Armen den aufrichtigsten Dank zu erstatten, bemerken wir, daß der Ueberschuß von 150 Thlr. 4°/o posener Pfandbriefen, welchen der diesjährige Rechnungsbericht nachweist, so wie alle künftig sich herausstellenden Ueberschüffe dieser Kasse, sofern nicht künftighin Zuschüsse zu den laufenden Ausgaben derselben nöthig werden, der von uns gegründeten Hospitalkaffe zur Erbauung eines jüdischen Hospitals hier, zugelcgt werden sollen." „Möchte' auch fernerhin unser Streben mit dem Erfolge gesegnet sein, der ihm bisher zu Theil geworden; möchten die Gönner unserer wohlthätigen Stiftung in ihrem Wohlthun nicht ermüden; — möchten aber auch die jüdischen Gemcindevorstände und wohlhabenden Glaubensgenossen, die bisher diese Stiftung der Aufmerksamkeit und Unterstützung nicht gewürdigt; möchten sie sich durch die fünf jährlichen Rechnungsberichte überzeugen, daß es sich hier um die Unterstützung eines höchst edeln Zweckes handelt; um die Erhaltung eines Instituts, das seine Thätigkrit nur auf arme, kranke Glaubensgenossen erstreckt, die fremd und hilflos an der Quelle ihres Heils stehen; an der Quelle, die ihre Leiden heilen oder lindern kann; wo sie aber ohne Unterstützung ihrer Glaubensgenossen dem größten Elende, dem Hunger und der Noch ausgesetzt sein würden." 18*

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