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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-29 · Heft 18 (29.4.1850) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 18 (29.4.1850)
Date
1850-04-29
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
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244 ja grade a Gesichte wie wir und können auf zwei Bein gehen und gar auch sprechen!" — Uebrigens ist unsre Freude, ob der Abstimmung der Landschaft, der uneigennützigsten Art und nur um des allgemeinen Fortschrittes willen. Für das jüdische Zusammen- und Gemeindeleben ist hierbei wahrscheinlich gar Nichts gewonnen. Abgesehen von den jetzt im Allgemeinen nicht günstigen Verhältnissen der Gutsbesitzer, haben die meisten jüdischen, deren Oberschlesien ziemlich viel und mitunter sehr reiche hat, auch sonst nie viel Theilnahme für ihre Glaubensgenossen gezeigt. Sonst laßt sich von der materiellen Stellung der Juden in Oberschlesien nicht viel Gutes sagen; Viele sind verarmt, was sehr natürlich ist: da sie seit langen Jahren von allen Kalamitäten, die Oberschlesien betroffen, besonders berührt wurden. Hatte schon früher die strenge Absperrung der Grenze nach Polen zu, die Einverleibung Krakaus mit Oesterreich, und die ziemlich verbreitet gewesene Hungerpcst und Theuerung den sonstigen Wohlstand untergraben; so haben die Ereignisse der letzten zwei Jahre und des dadurch bewirkten Daniedcrliegens der Bergwcrksprodukte, das noch Aufgesparte 'genommen. Besser sieht es mit dem moralischen Standpunkte aus, der durch die Schwurgerichte klar zum Vorschein kommt und schon jetzt ein verhältnißmäßig sehr glänzendes Resultat ergiebt. Fast bei jedem Schwurgericht sind Juden — die hoch besteuert — als Geschworene, dagegen nur sehr wenig vor den Assisen als Angeklagte gewesen. Aber auch von den jüdischen Gemeinden können wir wenigstens nicht gar so ungünstig urtheilen, wie Herr Rabbiner Landsbcrg aus Zülz in No. 13 dieses Blattes. Derselbe sagt nämlich: „Daß Sie sich nicht an die Gemeinden gewendet, zeigt von Ihrer großen Sachkunde: denn gerade diese sind es, welche sich in dem Schlendrian gefallen, wo sie ihre Willkür, ihre Launen den Kultusbeamten auf eine schamlose Weise empfinden lassen, und am Liebsten im Trüben fischen wollen." Wahrlich, eine schwere Anklage! eine um so schwerere, als sie eine allgemeine, gegen alle Gemeinden ohne Ausnahme ist. Ueber das Straffällige einer Solchen verweise ich den Herrn Rabbiner in Zülz auf die Worle eines andern Rabbinen, des Rabbi Schimeon den Zemach, der vor etwa 450 Jahren in Algier lebte und schrieb: ,wab2 ms iia'Lb Niipw ■w ■rni i'wb ech« -p im t«b ib^BNi; nh mi miaiü traasant ü'ianna sin •'im; na^Lb p© ba löipb 15)272 mpa^i» ma bbpa "»ab siv irniv naiiann ns ntbTta — sa'ton Theil 3, Respons 204. Möglich, daß der Herr Rabbiner L. Veranlassung hat, von seiner Gemeinde so verdammend zu sprechen; — es wäre übrigens wünschenswerth, wenn Jemand aus dieser Gemeinde offen und ehrlich das Nähere mittheilen und die daselbst eingeriffenen Mißverhältnisse klar beleuchten wollte, — jedenfalls aber sollte ein Rabbiner sich zu solchen leidenschaftlich gehässigen Anklagen nicht Hinreißen lassen, sondern lieber, ist der Zwiespalt zwischen ihm und der Gemeinde so stark, daß er der ausgesprochenen Ansicht — die aber nur -persönlich von ihm und über seine Gemeinde sein kann — ist, lieber diese Gemeinde verlassen, bei der sein Wirken ferner unmöglich segensreich sein kann. Eine traurige Satisfaktion hat es uns gegeben, in derselben No. 13 der A. Z. des Jud. eine ähnliche Amtslage — nur würdiger und gegen die Rabbiner — von einem Korrespondenten aus dem Großherzogthum Posen — hören Sie, Herr Rabbiner L., aus dem Posenschen! — ausgesprochen zu finden. „Möge dies aber (die Böswilligkeit und Unfähigkeit der Rabbinen) wie gesagt, Niemanden irre machen in heilsamen Bestrebungen für Israel! Je weniger Theilnahme solche Bemühungen von Seiten der Rabbiner finden, ein desto lebendigeres Interesse wird ihnen von den Gemeinden geschenkt. Und — wer in Trägheit versunken bleibt, während die Zeit zum entschiedenen Handeln auffordert, der muß es sich gefallen lassen, wenn die Strömungen der Zeit über ihn dahingehen und ihn bei Seite werfen!!" Diese Worte sind aus einem reinen, warmen Herzen entsprungen, und wenn auch — wie wir hoffen wollen — nicht auf jeden Rabbinen selbst in und aus dem Großherzogthum Posen anwendbar, so ist ihnen wol der Unmuth über das Mißlingen manches Erstrebten, keineswegs aber die Erbitterung der gekränkten, empfindlichen Eigenliebe anzuhören. Einen kleinen Beweis, wie unrichtig die Anklage des Herrn L. war: daß gerade die Gemeinden es sind, welche sich im Schlendrian gefallen — will ich aber auch anführen. Als im Jahre 1846 die kurz darauf entschlafene

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