Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1850)
- Date
- 1850-04-29
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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289 welche bereits erschienen sind und der Kasse geschenkt werden, wozu ebenfalls Herr Levy insofern den Anfang macht, daß er die ganze, in seinen Händen sich befindliche Auflage von „Löwensteins Thränen" zu Gunsten der Kasse abgiebt. — Daß eine solche Verlagshandlung, wie sich deren zur Erreichung christlichreligiöser Zwecke mehrere vorfinden, unserer zu begründenden Kasse einen eisernen Fond sichert, ist nicht zu bezweifeln, wenn es uns nur gelingt, die zerstreuten Kräfte zu vereinen und unsere Herren Geistlichen und Lehrer zu bestimmen, einige Opfer zu bringen. Das erste Opfer bestehet darin: der Eitelkeit zu entsagen, welche nur diejenige Lesesibel, oder nur dasjenige Religionsbuch in den Händen der Schüler erblicken möchte, auf dessen Titelblatt der eigene Name des Lehrers als der des Verfassers prangt. Ein guter Lehrer kann aus jedem Lehrbuche seinen Schülern Nützliches und Heilsames bieten, für den schlechten Lehrer bleibt auch das beste Lehrbuch unfruchtbar. Es wird darum vor Allem die Vereinigung verlangt; in sämmtliche Schulen, welche den Betheiligten anvertraut sind, nur solche Bücher einzuführen, welche im Berlage der Kasse erscheinen. — Ein ferneres Opfer ist, daß die Verfasser, welche zu Gunsten der Kaffe diesem Vertage ein Werk überlassen, auf ein Honorar verzichten, wenn nicht etwa der Herr Verleger aus besonderen Gründen für sich dasselbe bewilligt; die Kaffe als Solche aber wird dieses nie leisten. Und endlich werden sich solche Verfasser gefallen lassen müssen, daß ihre Geisteswerke zuerst dem Konnte, welchem die Verwaltung dieses Kasseverlags anvertraut ist, zur Begutachtung vorgelegt werden. — Das Publikum, welches aus diesem Verlage die Schulbücher und Religionsschriften beziehet, hat nicht nur das erhebende Bewußtsein: den Aufbau und die Erhaltung einer höchst wohlthatigen, noch auf die spätesten Enkel sich erstreckenden, segenreichen Instituts zu fördern, demnach eine NPN2 im edelsten Sinne des Wortes zu leisten, sondern es besitzt zugleich die Bürgschaft, nur tüchtige und vollkommene Werke zu empfangen, da nur Solche die gehörige Empfehlung des Komites erhalten werden; ohne daß darum der Käufer einen erhöhten Preis zu entrichten habe, weit der zu erwartende bedeutende Umfang der Auflage sogar einen sehr niedrigen Preis gestattet. Daß wir zur Verwirklichung dieses Vorschlags der Mithilfe der Lehrer bedürfen ist klar; allein es haben auch früher in jenen, oben angeführten, Nummern dieser Blatter bedeutende Stimmen den gewiß zu billigenden Wunsch ausgesprochen: auch den Wittwen und Waisen der israelitischen Lehrer die Wohlthaten der Kaffe zufließen zu lassen; ein Wunsch, auf dessen Erfüllung wir um so mehr bedacht sein werden, wenn wirerwägen, daß bei den Hinterbliebenen des Lehrers die Noch oft größer ist, als bei denen des Rabbiners, daß der Lehrer auf demselben Gebiete wirkt, auf welchem der Geistliche thatig ist, ja dort der Stand der Lehrer und der Geistlichen schon jetzt in Israel sich nicht so scharf scheiden läßt und dieses nach einigen Jahrzehenten noch weit weniger der Fall sein dürfte. Ich möchte demnach unbedingt für die Aufnahme der Lehrer sprechen, allein das Zuziehen derselben auch zu den Berathungen des Komites ist deshalb unthunlich, weil nicht alle Herren Kollegen, welche ihre Betheiligung zusagten, für deren Aufnahme sich ausgesprochen haben und dieses demnach noch Gegenstand der Verhandlung sein wird. Jedenfalls aber betrachte man die Begründung solch einer Verlagshandlung zu Gunsten der Kasse als einen Vorschlag, wie dergleichen Vorschläge noch gar verschieden zu erwarten stehen, ohne darum von deren Annahme oder Ablehnung die Existenz der Kasse selbst abhängig zu machen. — Diese begründet sich als ein selbstständiges Institut, welches die Verhältnisse dringend fordern, ja die Stellung der gegenwärtigen Rabbiner und Prediger, für welche der Gedanke an die ehemals stattgefundene Bettelei für hinterlassene Wittwen und Waisen ein furchtbar drückender Alp ist, unabweislich erheischt. Darum, meine theueren Amtsbrüder, auf zur That! Gott unterstützt das Werk unserer Hände. vr. S. Formstecher, Rabbiner. Wir können den obigen Artikel nicht geben, ohne den Dank gegen unsern Freund Formstecher auSzusprechen, daß er die, durch die Stürme der Zeit in Vergessenheit gerathene, so überaus wichtige, ja seitdem noch drängender gewordene Angelegenheit wieder in Anregung bringt; und ohne den oben ausgesprochenen An- und Absichten unsre ganze Zustimmung hinzuzufügen. Wir werden nicht verfehlen, in einer der nächsten Nummern den Stand der Sache, wie er 1848 sich zuletzt befand, zu skizzicen, um sie den gegenwärtigen Lesern näher zu bringen. Die Redaktion.