Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-22 · Heft 17 (22.4.1850) · p. Seite 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 17 (22.4.1850)
Date
1850-04-22
Page
Seite 235 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225678--10947-3241024
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 und befiehlt von Neuem betrübenden Jubel. Da tritt Jeremias ein und mahnt „zur Butzes sonst werde „der Herr die Stadt machen zum Fluch aller Heiden". Die treue Schar ist dem Propheten gefolgt: sie „zittert ob des Sehers Dräu'n" und reihet an dessen Ruf auch ihre demüthige Bitte: „£), laßt zu Gott uns flehn, das Haupt mit Asche bestreu'n!" Je mehr dieser Chor an seiner Stelle ist und durch die schöne Komposition (Andante espressivo C-moll 2/*) seine wahre Bedeutung erhalt — ein Wolkenschleier, auf dem das Wetterleuchten der zürnenden Weissagung noch zuckt - , desto weniger scheinen uns die folgenden Nummern 16—19 in die Situation zu passen; wiewol sie zu einer ansprechenden ALtarie und einem sehr gelungenen feurig-kräftigen Chore: „Israel bleibt seinem Gotte angetraut", Veranlassung gegeben haben, so unterbrechen sie doch die Handlung zu lange, deren rascher Fortschritt sonst gerade einen Vorzug dieses Oratoriums bildet, und schwächen dadurch den Eindruck des letzten Chores Nr. 15. Mit Nr. 20 tritt ein Herold des Nebukadnezar und damit wieder die rege Lebendigkeit der Handlung ein. Er fordert Unterwerfung, und Jeremias mahnt dazu; aber C ha mi tal bietet dem Babylonier Trotz und haucht in einer echt dramatischen leidenschaftlichen 2fm (Vivace D-moll 4A) ihre Wuth aus gegen den Propheten, „den Heuchler,— den Freund von Babylon!" Oer Chor ihrer Anhänger (A-rnoli 4/4) heult ihm zu: „Vecräther! Werft ihn in den Kerker, er ist ein Freund von Babylon!" bei welchen letzteren Worten er das zweite Motiv der Sopranarie wieder aufnimmt, ein Motiv, welches der Komponist auch dort zuerst in den Baffen des Orchesters erscheinen ließ, wie ein drohendes Geberdenspiel der Trabanten der Königin, dessen Sinn sie darauf in Worten ausspricht. Jeremias wird fortgeschleppt, der königliche Pomp verschwindet von der Szene, welche nur noch die Gläubigen füllen. Achicam (Tenor) und Hanna (Alt) beweinen in einem gefühlvollen Duett (6-dur 2/-) „O, war' mein Haupt eine Wasserquelle" — die Schmach Jerusalems; doch eine andere Jungfrau spricht vertrauend avs, daß „der Herr seinen Propheten schützen werde", worauf der volle Chor mit dem Moderato (F-dur 4/0 kräftig einfällt: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet, — der spricht zu dem Herrn: meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe!" Dieses geht in einen etwas bewegtem, aber sanften Mittelsatz über: „Er wird dich mit seinen Fittigen decken", auf welchen in Allegro con fuoco ein fugirtes „Der Herr ist deine Zuversicht" einsetzt, breit und groß durchgeführt, mit glänzender Modulation, die dann auf einem sechszehn Takte langen Ocgelpunkte auf der Dominante von F in schöner Klarheit („Zuversicht") ruht; aber statt des erwarteten Schlusses greift der Chor noch einmal das erste Motiv des Moderata in verlängerten Noten auf im gewaltigen Unisono aller Singstimmen über einer funkelnd sigurirten Begleitung, bis die ganze Fülle der vierstimmigen Harmonie und der Glanz der Instrumente aller Farben auf die Worte: „meine Zuversicht, — meine Burg!" wie ein Oloria in excelsis veo wieder hereinbricht und zum Schlüsse führt. Ein Prachtstück, dazu dem Besten gehört, was in dieser Gattung geschrieben ist. Der zweite Theil beginnt. Die Gläubigen drängen sich um den Tempel, denn „schon brausen die Feinde daher, wie ein ungestümes Meer". Die Worte: „Sie reiten auf Rossen gerüstet wider dich", haben dem Komponisten Anlaß zu einer trefflichen Orchesterbegteitung gegeben, egal und kräftig abgestoßene Achtel, nichts Punktirtes, sondern ein massenhaft geschlossenes Anreiten, unter dem die Erde erbebt. Der ganze Chor (Agitato Amoli ^4), so verschieden im Charakter von dem vorigen, so gleich an künstlerischem Werthe. — In einer Kavatine spricht Achicam (Tenor) noch die Hoffnung auf Jehova's Milde aus. Dann ändert sich die Szene: Chamital bereitet dem Baal ein Opfer: „Mit diesen Düften steig' unser Lied empor", was ihr Chor wiederholt (E-moil 2/f). Jeremias im Kerker „trägt um Juda schweres Leid (Arie Cis-moil, dann Cis-dur) — doch Gott wird es glorreich enden". Der Chor der Gläubigen ruft zum Herrn: „Rette Deinen Knecht!" — Da erscheint der König Zed ekia; jetzt, in der Noth,> will ec sich zu Jehova zurückwenden, aber der Prophet donnert ihm das verhängnißvolle: Zu spät! entgegen. „Gefällt ist der Spruch!" (Doppelrezirativ und Duett) — worauf der Chor in F-moll klagt, daß „der Gott der Langmuth seine Kinder verlasse". Und so ist es; ein Flüchtling stürzt herein, „der Feind ist in die Stadt gedrungen", und in dem nun folgenden allgemeinen Chor (Molto Allegro Cmoll 4/4) „bricht das Entsetzen herein — wehe! — bu Flamme steigt empor!" Handlung und musikalische Darstellung erreichen hier wieder ihre Höhe; zuletzt wird der Schrei der Verzweiflung übertönt durch den Siegeseinzug und den Kriegerchor der Babylonier (C dur).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.