Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1850)
- Date
- 1850-04-22
- Page
- Seite 234 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Wie man aus Obigem entnehmen wird, gehört diese amerikanische Expedition zu den seltenen Unternehmungen, welche die Grenzen der Wissenschaft erweitern. Sie macht der Regierung, welche sie angeordnet, die größte Ehre, nicht weniger Allen, die daran theilgenommen und sie so ruhmvoll zu Ende geführt haben. Das Einzige, was zu bedauern, ist, daß der Kommandant der Expedition, der in jeder Hinsicht dieser wichtigen Sendung sich würdig gezeigt hat, mit der Veröffentlichung seines Berichtes ein wenig zu sehr geeilt und sich nicht die nöthige Zeit genommen hat, um uns und sich selbst alle Geheimnisse des Jordans und des noch so wenig bekannten Todten Meeres zu offenbaren. Die Zerstörung Jerusalems, Oratorium, verfaßt von Steinheim, komponirt von Hiller. Eines der größten tragischen Sujets aus der Geschichte Israels, der Text von einem begabten jüdischen Dichter, Musik von einem jüdischen Komponisten. Es ist nicht neu; schon an verschiedenen Orten aufgeführt. Da aber in diesen Blättern noch kein Bericht darüber gegeben worden, so stellen wir einen Solchen her, den Prof. L. Bischofs in diesen Tagen in der Köln. Zeit, zur Einleitung des Oratoriums im Gürzenich zu Köln gegeben. Die Handlung umfaßt die letzten Tage des Reiches Juda unter dem Könige Zedekia, der von Nebukadnezar nach der ersten Einnahme von Jerusalem und Wegführung eines großen Theils des Volkes zum Könige eingesetzt, zehn Jahre nachher wider ihn aufstand, gegen die Warnung des Propheten Jeremias, und dadurch den Untergang des Reiches und das babylonische Exil herbeiführte (588 v. Ehr. Geb.). In den ersten acht Nummern des Oratoriums findet die Handlung im Tempel zu Jerusalem statt. Sie beginnt, ohne Ouvertüre, mit einem Chor (Andante mosso Es-dur 3/2) derjenigen Israeliten, die am Jehovadienst, der Lebensbedingung der Juden als eines eigenthümlichen Volkes, festhalten: „Wie heilig und hehr sind deine Hallen, 0 Israel! — Wir flehn zu Gott in der Bedrangniß." Jedoch das Häuflein der Gläubigen ist nur klein (Rezitativ der Hanna, Alt) —- aber unter ihnen ihr Haupt und Hort, Jeremias (Bariton). „Seine Seele hört der Posaunen Hall — das Nahen des zahllosen Babylonierheeres wie Sturm von Mitternacht her — den Huffchlag der Roffe — verödet wird Jerusalem, und über Zion geht der Pflug!" Rezitativ und Arie (Allegro molto Fis-moll 12/8) führt uns diese Hauptgestalt des Oratoriums, den gottbegeisterten Seher, auf ergreifende Weise vor: Tonart, Melodie und Rhythmus, charakteristische Orchesterbegleitung, Alles regt unsere Seele auf zu dem Pathos der Seinigen; das traurige Schicksal des Propheten, der den Untergang seines Volkes überleben soll, um es zu beweinen, tritt schon hier erschütternd vor uns hin. Die Schaar der Getreuen ruft: „Ach, Herr! strafe uns nicht in Deinem Zorne!" Chor (Andante ümoll */4), in welchem besonders der Eintritt der Worte: „Ach! unsre Seele ist erschrocken", eine schöne Wirkung macht. Jeremias beschließt, in die Königsburg zu gehen, um des Herrn Ruf zur Bekehrung und Unterwerfung noch einmal ertönen zu lasten, denn der Hof hat sich dem Baalsdienst ergeben. Jedoch der seit Handels „Samson" so oft in den Oratorien abgesungene Kampf zwischen Jehova und Baal (Dagon u. s. w.) tritt hiermit Recht in den Hintergrund. Das historisch-tragische Element ist die Hauptsache, nicht das reflektirend theologische. — An diesen Entschluß des Propheten knüpft sich die Hoffnung: „Der Herr verstößt nicht ewiglich" (Sopranarie einer israelitischen Jungfrau), welche der Chor (And. agitato E-moll 6/s) mit den Worten aufnimmt: „Eine Seele tief gebeuget ist Jehova's liebstes Opfer." Hiermit schließt die Szene im Tempel, und wir treten in die festlichen Hallen der Königsburg. Ein rauschender Marsch führt den König Zedekia, seine Mutter Chamital und das ganze Hofgeprange herein, welches uns ein Chor (Allegro vivace E dur 4/*) theatralisch pomphaft, wie es hier ganz an der Stelle ist, vor Augen bringt: „Erhöht in lauten Wettgesangen Des Festes Pracht! Laßt Harmonieen klingen Und Tanze sich verschlingen, Erhebt Zedekia's Macht!" Er wird unterbrochen durch den König Zedekia (Tenor), dessen „Seele düster und betrübt ist"; — als ein schwaches willenloses Wesen erscheint er fast gar zu unbedeutend und kann uns keine Theilnahme abgewinnen. Chamital (Sopran) ruft ihm ein „Ermanne Dich!" zu