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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-22 · Heft 17 (22.4.1850) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 17 (22.4.1850)
Date
1850-04-22
Page
Seite 233 (sequence 13)
Language
German
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L33 über ihre Ränder ergossen. Der Lieutenant Lynch Hai die Dichtigkeit des Waffers untersucht und mit dem Wasser aus dem Atlantischen Meere verglichen; destillirtes Wasser als 1 angenommen, ergab das aus dem Atlantischen Meere 1,02, das aus dem Tobten Meere 1,13; ersteres löste 5/n seines Gewichts an Salz auf, das zweite ein Sechstel, das des Tobten Meeres ein Elftel. „Als wir den Jordan verließen", sagt er, „hatten wir sorgfältig den Tiefgang der Barken angemerkt; obschon sie mit derselben Last beladen waren, senkten sie auf dem Tobten Meere sich um einen Zoll weniger als auf dem Flusse." Herr Lynch bestätigt nicht ganz die von dem amerikanischen Reisenden Stephens mitgetheilten Beobachtungen über die Elastizität der Körper im Todten Meere; indessen erwähnt er der Bäder, welche er genommen hat, wie folgt: „Es wurde mir sehr schwer, meine Füße innerhalb des Wassers zu halten; legte ich mich auf den Rücken, zog die Kniee an und stellte die Hände darauf, so verlor ich sogleich das Gleichgewicht." Obgleich die letzte Erscheinung sich wol in jedem Wasser und selbst auf der Erde zeigen würde, ist es außer Zweifel, daß die Körper auf dem Wasser des Todten Meeres leicht schwimmen. „Die Meisten von uns", sagt Einer von den Seeleuten, „badeten sich und schwammen dort so leicht, daß sie ohne die geringste Mühe dabei ein Huhn hätten rupfen oder eine Zeitung lesen können; es war in der That schwer, unter die Oberfläche zu tauchen." Nach einem Bade in diesem mit so ungewöhnlichen Eigenschaften ausgestatteten Wasser ist der Körper mit einer ölichten, sehr unangenehmen Substanz bedeckt, die ein schmerzhaftes Jucken verursacht; wenn man mehrere Stunden darin zubringt, so geht die Haut gänzlich ab. Als die Matrosen beim Rudern die Hände naß machten, sahen sie, wie diese sich mit Schaum bedeckten, und fühlten die Haut davon ölicht, steif und brennend werden. Ungeachtet dieser Unannehmlichkeiten ist das Wasser des Todten Meeres, wie unser Verfasser behauptet, vollkommen geruchlos. Er schreibt die ekelhaften und schädlichen Ausdünstungen, die an seinen Ufern herrschen, nicht, wie Molyneux, dem Wasser selbst zu, sondern den Quellen und mephitischen Sümpfen, die es umgeben, und vielleicht auch den Miasmen der stagnirenden Pfützen, die auf der flachen, es im Norden begränzenden Ebene gelegen sind. Seiner Meinung nach sind die der Oberfläche entströmenden, salzigen und geruchlosen Ausdünstungen eher heilsam, als schädlich, und da es nur sehr wenig Pflanzen und Staudengewachse längs seinen Ufern giebt, so kann die Luft nicht durch die Zersetzung der vegetabilischen Stoffe verdorben werden. Die an den Ufern des Todten Meeres herrschende glühende Hitze ist es, was den Aufenthalt dort gefahrvoll macht, wozu noch die Wirkungen seines scharfen und klebrigen Wassers kommen. Diese beiden Ursachen bringen eine starke Reizung der Haut hervor, schwächen die Kräfte und erzeugen öfter fieberhafte Symptome. Ohne daß die Gesundheit der Mannschaft sichtbar gelitten hatte, schienen nach vierzehn Tagen Alle unter jenen Einflüssen wie von der Wassersucht befallen; die Mageren waren dick geworden, die Dicken waren aufgedunsen; die Blaffen bekamen lebhafte Farben, die schon Rothbackigen wurden purpurfarben; die unbedeutendste Verletzung brachte ein Geschwür hervor, und die Meisten hatten den Körper mit kleinen Pusteln bedeckt. Die Thiere, welche in dem süßen Wasser der in das Todte Meer fließenden Ströme leben, können natürlich in dem so wesentlich davon verschiedenen Salzwasser nicht existiren; die amerikanische Expedition hat aber auch die Wahrheit der Ueberlieferung bewiesen, daß es überhaupt kein lebendes Wesen in seinem Schooße berge. Wahrend der dort zugebrachten drei Wochen sahen der Lieutenant Lynch und seine Gefährten keinen einzigen Fisch, kein einziges Wasserthier. Noch mehr: einige von den Zuflüssen dieses Sees enthalten Salzwasser; sobald aber die Fische daraus in das Todte Meer kommen, sterben sie und schwimmen leblos auf der Oberfläche. „Unter der Linse eines scharfen Mikroskopes", sagt Lynch, „war es unmöglich, das kleinste Thierchen oder die geringste Spur von animalischem Stoff zu entdecken." Wenn sich eine weit geringere Anzahl Erdvögel an den Ufern des Todten Meeres als an den anderen Seen findet, so ist das aus der sparsamen Vegetation zu erklären. Da es keine Fische oder sonstige Wasserthiere dort giebt, so finden sich auch keine Wasservögel. Indessen ist es seit lange bewiesen und wird jetzt von Neuem bestätigt, daß die Ausdüngen des Meeres die Vögel nicht todten, welche hinüberzufliegen wagen. Man hat öfters wilde Enten ruhig auf dem Wasser schwimmen sehen: zwar finden sich, wie von mehreren Reisenden erwähnt wird, und woher wahrscheinlich die Tradition ihren Ursprung hat, an den Ufern und auf dem Wasser des Todten Meeres häufig die Kadaver von Vögeln, und Herr Lynch selbst hat deren drei gefunden, jedoch meint er, dieselben waren vor Hunger gestorben.

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