Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1850)
- Date
- 1850-04-22
- Page
- Seite 232 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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SSL der Farbe des Wassers kontrastier, auf dem er ruhtz vermischt sich dieser Dampf mit dem Wasser, so glaubt man in der Entfernung eine siedende Schwefelmasse zu erblicken. Das Todte Meer gleicht einer ungeheuer» Küfe voll schmelzenden, aber unbeweglichen Metalls." Die Sage von dem Feuer, die mit der von dem Rauch zusammenhangt, hat aller Wahrscheinlichkeit nach ihren Ursprung in dem phosphorisirenden Charakter der Gewässer des Tobten Meeres während der Nacht. „Die Oberfläche des Sees", sagt unser Verfasser, „war vollständig mit einem phosphorisirenden Schaume bedeckt, und die sich gegen das Ufer brechenden Wellen verbreiteten ein Grabeslicht über die längs dem User zerstreut liegenden verdorrten Gebüsche und Felsenfragmente." Was die nie reifenden Früchte betrifft, so ist es augenscheinlich, daß es eine gewiffe Anzahl Pflanzen giebt, welchen die salzigen Ausdünstungen und die intensive Wärme des riefen Bassins des Tobten Meeres schädlich sein müssen, und deren Früchte demgemäß nie zur Reife kommen; aber es existiren auch andere, welche, sich diesen Bedingungen fügend, gute Früchte geben können. Da die Reisenden das Todte Meer selten zur Fruchtzeit besucht haben, so fehlen sichere Angaben über diese unbestreitbare Thatsache. Der Lieutenant Lynch und seine Gefährten haben verschiedene Arten Pflanzen und Staudengewächse in voller Blüte gesehen, die später vortreffliche Früchte getragen haben müssen. Jedenfalls sind die Ufer des Tobten Meeres im Allgemeinen dürr und unfruchtbar, nur auf wenigen Punkten findet sich Vegetation, und man erkennt leicht, daß die salzigen Ausdünstungen und Niederschläge dem vegetabilischen Leben ebenso schädlich find, als es das Wasser dem animalischen ist. Von dem sogenannten Sodomsapfel, der nach Josephus ein dem Tobten Meer eigenthümliches Produkt war, hat vr. Robinson eine gute Beschreibung geliefert; er ist Nichts weiter als der Osher der Araber, die ^selepias proeera früherer Reisenden, die auch in Nubien, Arabien und Persien gefunden wird. Nach den lokalen Ueberlieferungen und den Erzählungen der Eingeborenen soll die Salzsäule, in die einst Lots Weib verwandelt wurde, sich noch an demselben Orte befinden, wo die Metamorphose vor sich ging. Die amerikanische Expedition hat zwar keine Statue, wol aber einen Salzblock entdeckt. „Au unserm großen Erstaunen", sagt der Verfasser, „sahen wir an dem östlichen Ufer des Usdum einen hohen Pfeiler, der rund, von der Hauptmasse dem Anschein nach isotirt, am Eingänge einer tiefen, engen und jähen Bergschlucht stand. Wir begaben uns sogleich dahin, und dort angekommen untersuchte ich mit dem Dr. Anderson, der mir gefolgt war, dieses Naturwunder; der Boden der Schlucht bestand aus nassem Erdreich, mit einer Lage Salz bedeckt, und in geringer Entfernung vom Wasser fanden sich Stücke Satz und Erdpech. Der Pfeiler ist ein Block festes Salz, mit kohlensaurem Kalk überzogen, vorn zilinderförmig und hinten piramidalisch; der höhere abgerundete Theit ist ungefähr 40 Fuß hoch, und er ruht auf einem länglichen Piedestal, das sich 40 — 60 Fuß über dem Niveau des Meeres besinder. Sein Volumen nimmt in dem Maße ab, als er sich erhebt, so daß er nach dem Gipfel zu in Staub verfällt. Es ist eine durchweg kristallisirte Masse, durch einen Bogen oder Strebepfeiler mit dem nächsten Berge verbunden; das Ganze ist mit Ueberbleibseln einer Hellen Steinfarbe bedeckt. Die eigenlhümliche Form muß der Einwirkung des Winterregens zugeschrieben werden." Der Lieutenant Lynch sagt kein Wort über den Zusammenhang, der zwischen Lots Weib und dem beschriebenen Salzblock vorhanden sein könnte. Nur in einer Anmerkung erwähnt er, daß Josephus von einer ähnlichen Säule gesprochen und die Meinung ausgedrückt hat, daß diese es wäre, welche aus Lots Weib zur Zeit ihrer Verwandelung entstanden sei. Die besondere Dichtigkeit und die salzigen Eigenschaften der Gewässer des Todten Meeres verdienen noch Erwähnung. Nach Einigen giebt die Dichtigkeit dem Wasser solche Elastizität, daß der menschliche Körper nicht darin untertauchen kann; ferner sollen die sich fortwährend darin auflösenden Stoffe kein Thier darin leben lassen, die daraus emporsteigenden giftigen Ausdünstungen aber sollen die seinem Ufer sich nähernden oder über seinem Spiegel fliegenden Vögel tödten. Ueber die Dichtigkeit des Wassers hat sich die Sage am Wenigsten getäuscht; es ist mit salzigen und bituminösen Stoffen so stark geschwängert, daß es viel schwerer als das Wasser des Ozeans ist. Der lange Aufenthalt der amerikanischen Expedition auf dem Todten Meere hat die Anstellung einer beträchtlichen Anzahl Versuche gestattet. Man war erstaunt über den ungewöhnlichen Widerstand beim Rudern und die Heftigkeit der Stöße, welche die Barken durch den Wellenschlag erlitten; es zeigte sich, daß die mit demselben Gewicht belasteten Fahrzeuge viel weniger tief gingen als auf dem Jordan, und daß sie bei stürmischem Wetter sich leicht füllten, indem die Wogen sich