Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1850)
- Date
- 1850-04-22
- Page
- Seite 228 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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228 vorgeschlagenen Männern befand sich auch Herr Kubinsky, und vermuthlich als der Befähigtste unter diesen mußte ihm der Auftrag zukommen, den Berathungen in Wien beizuwohnen. Ob es aber nicht zweckmäßiger gewesen wäre, anstatt selbstgewählte für die Anschlußfrage von der Gemeinde besonders gewählte Vertrauensmänner in Vorschlag zu bringen, soll für heute hier unerörtert bleiben; da sich einerseits diese - Frage von selbst erörtert, und andererseits die Erörterung zu einem ausgedehnten Aufsatze Veranlassung giebt, den wir uns für ein anderes Mal ersparen, bis wohin die Anschlußfrage entschieden sein wird. Diese wenigen Zeilen waren wir Herrn Kubinsky schuldig, weil es niemals in unsrer Absicht liegt, in Persönlichkeiten auszuarten. Prag, 10. April. Der „Lloyd" enthält folgenden wichtigen Artikel: „Ich theile Ihnen heute den Inhalt eines Zirkulars mit, welches mir soeben zu Gesichte kam, und einen schönen Beleg liefert, daß die Regierung den Geist der neuen Gesetzgebung nach allen Seiten hlnlcnkt, um in deren Sinne auch die inneren Einrichtungen der einzelnen Religionsgenosscnschaften — unbeschadet ihrer freien Entwicklung und Selbstbestimmung — zu regeln und zu überwachen. Von der böhmischen Statthaltcrei ist nämlich an die politischen Behörden, und von diesen an die einzelnen israelitischen Ortschaften des Landes die Aufforderung ergangen, zum Behufe der Verfassung eines Entwurfs einer Kultusgemeindeordnung für die Israeliten Böhmens zuverlässige und umfassende Daten sowol über die religiösen Bedürfnisse derselben, als über die Art ihrer Befriedigung zu liefern, und auf deren Grund motivirte Anträge bei der Regierung einzubringen. Die Fragen, welche von den Bezirkshauptmannschaftcn in dieser Beziehung gestellt wurden, gehen dahin, welche jüdischen Kultus- und Unterrichtsanstalten in dem jeweiligen Bezirke bestehen; welcher der Zeitpunkt ihrer Errichtung, welche ihre Dotation sei, welche dieser Anstalten mit ihren Bedcckungsmitteln vor dem März auf den jüdischen Steuergulden gestellt wurden, und welche der drei ehemaligen jüdischen Stcuergattungen (Vcrzehrungs-, Vermögens- und Familiensteuer) zum Maßstabe der Deckung der Regiekosten diente; dann ob die diesfälligen Beiträge gemeindeweise oder individuell eingehvben wurden. — Um aber darüber auch die öffentliche Meinung gehörig berücksichtigen und die Wünsch« der Interessenten vernehmen zu können, in welcher Art und Weise die Kultusgemeindeordnung für die Israeliten in Böhmen am Besten zu organisiren wäre, wurden Berathungen eingeleitet, die im Verlaufe dieses Monates bei den einzelnen k. k. Bezirkshauptmannschaften statthaben, und zu denen Vertrauensmänner aus jeder der in dem jeweiligen Bezirke bestehenden Jsraelitengemcinden berufen werden. Wir können nicht umhin, diese humane Sorgfalt der Regierung für das Kultusgemeindewesen der'Israeliten, wie den Zeitpunkt, welchen sie dazu gewählt hat, als höchst erfreuliche und angemessene Momente der Verwaltung zu bezeichnen. Das jüdische Gemeindewesen war seit der letzten Zeit in einem bedauerlichen Zustande der Verwirrung begriffen, welche, wenn sie so ungehindert fortgewaltet hätte, nothwendigerweise zur völligen Auflösung desselben und zu den aus dieser Auflösung fließenden moralischen Nachtheilen und Gefahren geführt haben würde. Viele Schulen, Religionsinstitute, Seelsorger verloren alle Garantie ihrer Existenz; diese wurde prekär. Namentlich ward die Lage der Letzteren — der Seelsorger — eine sehr schwere, fast eine unmögliche, da ihre Existenz ein Spielball der Laune jedes einzelnen Gemeideglieds wurde, ihr Beruf daher weder selbstständig, noch in seinem vollen Maße ausgeübt werden konnte. Der Weg, den die Regierung jetzt eingeschlagen hat, wird ohne Zweifel alle weiteren Besorgnisse in dieser Hinsicht beseitigen, und wir können die Hoffnung hegen, daß die eingeleiteten Berathungen in kurzer Zeit zu einem günstigen und heilsamen Erfolge führen werden. Wien, 10. April. Der Vorstand des Handwerkervereins der hiesigen Israeliten feierte mit seinen Schützlingen — an 100 Lehrlingen aus den verschiedenartigsten Werkstätten — das Osterfest im Lokale der israelitischen Neligionsschule. Der Religionslehrer L. Breuer sprach die Knaben in einer geistigen und warm gefühlten Rede an. Er kommentirle die altheiligen Gebräuche des Osterfestes, worauf der Kantor einen Psalm und während eines einfachen Festmahles, das die Vorsteher des Vereins mit den Lehrlingen gemeinschaftlich hielten, ein frisches Wanderlied für Handwerker sangen. Ein Zögling des Vereins drückte hierauf in herzlicher Rede die Dankgefühle Aller gegen den Gründer des Vereins, Herrn Joseph Wertheimer und die Vorsteher desselben aus.