Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1850)
- Date
- 1850-04-22
- Page
- Seite 227 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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227 sagt der geehrte Verfasser, „mag diese Gefahr nicht fürchten, weil ihm die Synagoge ein Gegenstand der Gleichgiltigkeit geworden, und seine hochherzig sein sollende Freigebigkeit ist so sehr hoch nicht anzuschlagen ... aber der bei weitem überwiegende Theil, der nicht kauzt und geizt und feilscht um die Silberlinge, die er der Erhaltung seines Heiligthums zu opfern hat; der in der Synagoge eine Stätte verehrt, die ihm das Göttliche bringt — der fragt sich: wie soll in demselben Hause der geoffenbarte Gott gelehrt, die unfehlbare Prophetie der Seher Jisraels erläutert werden ... wo bald darauf die „Unfehlbarkeit wie immer Namen habender Autoritäten" bestritten werden wird. Er fragt sich, wie ist's zu vereinbaren: an die Kanzel stößt die heilige Lade, die enthält die schmucklosen Rollen mit der klaren Zeichnung des ewigen Gotteswortes, und auf der Kanzel werden die letzten Resultate aller menschlichen Wissenschaft und Erfahrung gesucht — und gefunden — als Evangelium promulgirt!" Und anderseits: der Uebertritt zu einer der herrschenden positiven christlichen Kirchen ist für den emanzipirtcn Israeliten nicht motivirt genug und fordert doch auch positive Annahme. — Die freie Gemeinde wurde in neuester Zeit bei der geringsten Unbehäbigkeit im synagogalen Verbände für den frciheitsdurstigen Israeliten ein Gegenstand der regsten Aufmerksamkeit und Lheilnahme ... wo der wirkliche Uebertritt noch nicht erfolgte, giebt der Besuch des Gottesdienstes in der Aula doch theilweise Befriedigung, der unbedingt häufiger wäre, wenn die dunkle Scheu vor dem christlichen Charakter des Ortes ganz überwunden werden könnte." — „Geben wir die Synagoge auf, dann wird sich an uns erfüllen das Prophetenwprt (Klagelieder 2, 6.), zumal da die Feier des Sabbats durch geschäftliche Thätigkeit Wielen erschwert ist — und wir wären dann mehr als human, wir haben uns selbst geopfert.... Ferner: die freie Gemeinde bekennt, daß sie zu den herrschenden evangelischen und katholischen Kirchen sich in negativer Opposition befinde. Es hatNiemand ein Recht ihr diese Befugniß streitig zu machen. Aber haben wir die Pflicht, ihr zu diesen Resultaten zu helfen?... Und ferner: Ist die Eintracht einer Gemeinde cs nicht werth, daß ihr die Verwirklichung, wenn auch einer humanen Absicht, geopfert werde?" Alsdann wird angedeutet, wie auch Jes. 56, 7., 1. Kön. 8, 41. im Zusammenhang gelesen nicht dafür sprachen, und wie übrigens auch der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Königsberg in Preußen, dem ein gleiches Gesuch Vorgelegen, dasselbe ab gelehnt. Zum Schluffe werden zwei gutachtliche Briefe der Herren Dr. Frankel in Dresden und llr. Sachs in Berlin mitgetheilt, die sich ebenfalls für die Ablehnung des Gesuches der freien Gemeinde aussprechen, von 'denen Res. nur gewünscht, daß sie ihre Ansichten mehr aus der Schrift motivirt hätten. Es ist traurig, daß der Jndifferentismus sich soweit eingefrcssen, daß sich beinahe die Hälfte der Gemeinde Stettins für einen solchen Beschluß aussprechen konnte und es wäre zu bedauern, wenn dieser Gegenstand zu Zerwürfnissen Anlaß geben und den Frieden einer Gemeinde stören sollte, die seit mehreren Jahren mit Recht zu den Mustergemeinden gezahlt werden konnte. Wedell. Magdeburg, 6. April. (Privatmitth.) Im dichtgefüllten, schön verzierten Gotteshause wurde heute abermals die bereits seit 17 Jahren eingeführte Konfirmation an 8 Knaben und 8 Mädchen vollzogen. Die einfache, aber sehr erhebende Feierlichkeit, welche durch Aufführung schöner Gesangstücke, in denen der hiesige Chasan Nathanson die Solopartieen sehr befriedigend ausführte, höchst eindringlich wurde, streute ihre segensreiche Saat in die Jugend wie in das Alter ein. Hannover, 4. April. Die zweite Kammer hat entschieden, daß es bei den konfessionellen Eidesformeln, namentlich dem Judeneide (der jedoch in Hannover nicht mehr so kraß wie in Preußen ist), verbleiben soll. Oesterreichischer Kaiferstaat. Prag, 7. April. (Privatmitth.) Mit Bezugnahme auf unfern Bericht vom 2. April melden wir: Nachträglich brachten wir in Erfahrung — daß Herr Kubinsky im Auftrag Sr. Exzellenz des Statthalters nach Wien gereist. Eine an mehre Private herabgelangte ämtliche Zuschrift läßt uns aber klar werden, wie Herr Kubinsky zur Ehre dieser Mission gelangt. Um die Berathungen zum Anschlüsse »orzunehmen, hat Herr Vorsteher Landau eine Anzahl Vertrauensmänner dem k. T. Statthalter in Vorschlag gebracht, welche von ihm auch bestätigt wurden. Unter diesen