Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1850)
- Date
- 1850-04-22
- Page
- Seite 223 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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223 samen Zweck Etwas persönlich aufgeben, das ist die Freiheit des Mannes. Hören wir auf solche zerschneidende Worte nicht. Aus Berlin ist man ihrer aus allen Kreisen gewohnt. Darum* ist Berlin von jeher der früchteloseste Platz gewesen. Mögen die Gemeinden ihre Zustimmung geben. Bei wekterm Verfolge der Angelegenheit wird schon die Freiheit gewahrt werden. Kommet aber einmal aus dieser impotenten Verneinung heraus, und schaffet Etwas. Wisset Ihr, was Ihr sonst Eueren Kindern hinterlasset — das Nichts; das leere Blatt hinter dem Buche. Nein! das Judenthum muß endlich seine Lebenskraft bewahren. Widerstand leistet auch das Todteliegende. Aber die Lebenskraft besteht, frei zu schaffen, von innen heraus. Zerstört ist genug, bauet doch nun einmal! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 15. April. (Privatmitth.) Das Schauspiel, welches die hiesige Gemeinde bietet, wird immer trauriger. Die Stellung, welche die Gemeinde und Reformgenoffenschaft gegen einander über einnehmen, wird immer widriger. Die Reformgenoffenschast will von dem Vermögen der Gemeinde einen verhältnißmäßigen Antheil, die Gemeinde will die Beiträge, welche die Mitglieder jener seit mehren Jahren verweigern. Der Vorstand der Gemeinde hat diese Mitglieder beim Polizeipräsidium angezeigt, und dies wollte unter Androhung der Exekution die Beiträge ausgezahlt wissen. Die Reformer haben dem Polizeipräsidium Weigerung entgegengestellt, und verlangen Nachweis des Gesetzes, kraft dessen das Polizeipräsidium das Recht habe, die Gemeindebeiträge exekutivisch beizutreiben. Unterdeß bekämpfen sich beide Parteien in den Zeitungen. Dies sind die Zustände in der Hauptgemeinde des Landes! Wenn diese Muster sein sollen für die übrigen, was wird das Ende sein? Am Uebelsten sieht es in den Gemeinden des Ostens aus, und das Großherzogthum Posen nebst angrenzenden Landschaften weiß Etwas davon zu erzählen. Der Rabbiner zu Schneidemühl z. B., ein Greis, verklagt jetzt seine Gemeinde, welche ihm das Gehalt nicht mehr auszahlcn will. Und so geht es durch die ganze Provinz. Es ist offenbar, daß dies nicht so weiter gehen kann, und daß, bei aller Selbstständigkeit, doch von Staatsseiten eine Anleitung gegeben werden muß, um irgend eine Ordnung herzustellen. Diese braucht ja Niemanden in seiner religiösen Heberzcugung und Bewegung zu behindern — aber an der Starrheit eines unpraktischen Prinzips alle Anstalten untergehen, und Alles in einen widrigen Brei auflösen zu lassen, kann niemals der Zweck des denkenden Menschen sein. Die Regierung muß einsehen, daß damit nur dem Atheismus und krassesten Materialismus in die Hände gearbeitet wird. Es soll Niemand persönlich gezwungen sein und werden, aber eine bestimmte Ordnung muß hergestellt werden, wenigstens für die, welche noch eine Vereinigung erhalten wollen. Aachen, 8. April. (Privatmitth.) Zu den wenigen israelitischen Gemeinden, deren Mitglieder das Bedürfniß empfunden haben, in der jetzigen bedenklichen Epoche sich enger aneinander anzuschließcn, gehört auch die hiesige. Nachdem sie im vergangenen Winter umfassende neue Statuten eingesührt, hat sie vor einiger Zeit den Rabbinatskandidaten Herrn Dr. Rothschild zu Hamm zu ihrem Rabbiner berufen und Letzterer bereits in den verflossenen Feiertagen sein Amt angetreten. Soweit wir bis jetzt diesen würdigen Geistlichen zu beurtheilen vermögen, können wir der Gemeinde zu der getroffenen Wahl nur Glück wünschen, denn wir halten uns überzeugt, daß unter seinen Auspizien für Synagoge und Schule eine neue Aera beginnt und daß die Gemeinde einst den Tag segnen wird, an welchem sie einen Seelsorger anstellte. O möchten doch recht viele Gemeinden zu der Erkenntniß kommen, daß die Hauptquelle Fes religiösen Jndifferentismus in der langjährigen Vewahrlosung liegt! Möchten sie doch endlich einsehen, daß wo nicht gesäet wird, auch nicht geerntet werden kann! Krefeld, 8. April. (Eingesandt.) Bei dem gegenwärtig überall tiefgefühlten Mangel an zeitgemäßen Instituten zur Ausbildung in den weit verzweigten jüdisch-theologischen Fächern und in Berücksichtigung verschiedener dieserhalb an mich ergangener Anfragen habe ich mich ungeachtet meiner überhäuften Amts¬ und Berufsgeschäfte aus reinem Interesse für die gute Sache entschlossen, vom ersten August dieses Jahres