Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1850)
- Date
- 1850-04-22
- Page
- Seite 224 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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S24 an einen Kursus von Unterrichtsstunden zur gründlichen Erlernung der hebräischen und chaldäischen Sprache, zur klaren Auffassung und zum richtigen Verständnisse der heiligen Schrift, so wie zur wissenschaftlichen Erläuterung der rabbinisch-theologischen und religionsphilosophischen Werke für Knaben, die bereits das zwölfte Lebensjahr zurückgelegt haben, nach einem bestimmten Lektionsplane zu eröffnen. Dieselben können zugleich das hiesige, eines ausgezeichneten Rufes sich erfreuende Rektorat besuchen, wo sie Gelegenheit finden, sich in den mathematischen Hauptwissenschaften und neueren Sprachen ganz zu vervollkommnen und in den alten Sprachen solche Kenntnisse zu erwerben, die sie zum Eintritte wenigstens in die Secunda eines Gymnasiums befähigen. Die Zöglinge, welche nur für Logis und Kost, die sie in meiner Behausung und im Kreise meiner Familie genießen, einen noch näher sestzusetzenden mäßigen Betrag zu entrichten haben, empfangen den erstgenannten Unterricht selbst gratis, und wollen die hierauf reflektirenden Eltern mir ihre desfallsigen Wünsche gefälligst bis zum 1. Juli a. c. in frankirten Briefen mittheilen. Der Konsistorialoberrabbiner, L. Bodenheimer. Aus dem Großherzoglhum Posen, im April. (Privatmitth.) Eine Privatmittheilung in No. 7 d. Bl. (Aus dem Posenschen, 3. Februar) veranlaßt zur Kenntnißbringung des Nachfolgenden. Wir wollen es unterlassen,.auf eine Kritik der in der genannten Mittheilung enthaltenen Definitionen über die „Charakterfestigkeit" als „Haupttugend eines Seelsorgers" einzugehen, und wollen es ferner nicht untersuchen, *ob diese Tugend gerade dem Seelsorger besonders, oder nicht auch einem jeden Ehrcnmanne (auch dem Rabbinatskandidaten!) nöthig sei. Wir halten uns blos an die Widerlegung der Fakta. Es ist uns vorerst nicht bekannt, ob die Gemeinden Kempen, Meseritz und Schmiegel, mit Rabbinen an der Spitze, die nach dem Urtheile des Anonymus „die Haupttugend" besitzen, einen gedeihlichcrn Fortgang hatten, als z. B. die inovrazlaver Gemeinde mit Herrn Rabbiner Spiro an der Spitze, der in den Augen desselben Anonymus so tief steht. Es ist uns nicht bekannt, ob in den ersteren Gemeinden der Gottesdienst eifriger besucht, die religiösen Institutionen kräftiger unterstützt werden, als in der Letztem, haben vielmehr die Ueberzeugung, daß in allen hiesigen Gemeinden von Seiten der orthodoxen Rabbiner gleich wenig Heilbringendesgethan wird. Wir wissen nicht, was dem A. das Recht giebt, eine der bedeutendsten rabbinischen Autoritäten hiesiger Provinz zu verleumden und des Geizes und der Habsucht zu zeihen. Man halte uns nicht für Freunde der Orthodoxie, und insonders kennen wir den Herrn Spiro nicht einmal persönlich, jedenfalls trauen wir demselben bei seinem großen Rufe, dem nur ein höherer des sel. Rabbiner Eger entgegenstand, so viel Gewissenhaftigkeit zu, als jedem andern Rabbinen, und besonders auch als dem Herrn A., den wir wohl zu kennen glauben. Man kann es übrigens den Rabbinen gar nicht verdenken, daß sie sich zur eignen Stütze in Gefahr eine Aristokratie aus Moreinus schaffen! Dasselbe soll die Pärskammer in Preußen und Napoleons Ehrenlegion bedeuten!! 8uum ouiguo! Den unendlichen Schaden aber, der dem Judenthume und der Gelehrsamkeit daraus erwachsen soll, daß mit den Diplomen und Kabbales der Schächter nicht so streng verfahren wird, als es die Besitzer desselben verlangen, ist uns wahrlich nicht einleuchtend, und wenn es der Neid nicht bewirkt, wird wol kein Verständiger Anstoß daran nehmen! Wie gesagt, hat die Gemeinde Meseritz von dem „charakterfesten" Rabbiner Wolff ebenso wenig Nutzen, als Jnovrazlav von Spiro! Zur Charakteristik der Handlungsweise des Erstem diene z. B. Folgendes: In Meseritz hatten die israelitischen Lehrer einen Sonnabendgottesdienst für die Schuljugend eingerichtet! Herr Lehrer Tucholski hielt allsonnabendlich eine Predigt, der Fassungskraft der Kinder angemessen, Herr Cohn I. leitete als tüchtiger Musiker den Gesang und Herr Cohn II. betete vor. Diese Einrichtung fand jedoch eine so allgemeine Theilnahme, daß der größte Theil der Gemeinde Sonnabend den Saal des Schullokals besuchte, und die Synagoge in Folge dessen leer wurde! Dies hätte dem „charakterfesten" Rabbiner die Augen öffnen sollen über das, was der Gemeinde Noth that, und er hätte in der Synagoge ähnliche Einrichtungen treffen können! Nichtsdestoweniger heftige Opposition dagegen! Da kam noch Herr Dr. Wolff, Sohn des Rabbinen, nach Meseritz, und um demselben ein Auditorium in der Synagoge