Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1850)
- Date
- 1850-04-15
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Hügeln bezeichnte die Grenze des höchsten Plateaus, unter welchem sich diese Ebene herabsenkte, dessen Oberfläche, ebenmäßig vertheilt, zur Hälfte trocken und kahl, zur Halste in großen Zwischenräumen mit Weideplätzen und buschigen Erhöhungen bedeckt war. „Noch tiefer lag das Thal des Jordans, des heiligen Stromes! An seinen Ufern findet sich eine fortwährende Vegetation; sein Laus, eine glanzende Linie in dieser traurigen Einöde, macht tausend graziöse Krümmungen, der Weg längs seiner Ufer wird durch den Gesang zahlloser Vögel und durch das harmonische Gemurmel seiner Wellen erheitert; überall wird seine Schönheit schon durch den Abstand von der rauhen und kalkigen Gegend, die er durchfließt, hervorgehoben." Der amerikanische Reisende giebt über die Art, wie er die Stromschnellen durchschiffte, folgende Details: „Um 10 7* Uhr Morgens, nachdem wie die erste passirt hatten, hielten wir an, um aufmerksamer eine Kaskade von 11 Fuß Höhe, welche ein sehr verdächtiges Ansehen hatte, in Augenschein zu nehmen. In der Mitte des Strombettes war ein Wassersturz, der einen Winkel von ungefähr 60° bildete, und an seinem Endpunkte, genau, wo wir vorüber mußten, richtete sich ein mächtig drohender Felsen empor. Um die Barken nicht in Stücke zerschellen zu lassen, war es nothwendig, sie beim Herabfahren fast spitzwinkelig zu wenden. Unter diesem Wasserfall begannen zwei furchtbare Stromschnelten, jede von ungefähr 900 Fuß Länge, an deren weißer und bewegter Oberfläche hin und wieder schwarze Felsenspitzen zum Vorschein kamen. Endlich befanden sich unter den beiden erwähnten Stromschnellen, wenigstens eine Meile entfernt, noch zwei andere, längere, die aber minder steil und schwierig waren. * „Glücklicherweise war die linke Seite des Flusses mit dichtem Gesträuch, ungefähr 5 Fuß hoch, an einer Stelle bedeckt, wo das Wasser eine Art Vorgebirge gebildet hatte. Um die Wurzeln dieses Strauchwerks gelang es einem der Leute, nachdem er den Fluß durchschwommen, ein mitgenommenes Seil zu befestigen. Wir konnten zwar nicht wissen, ob jene Wurzeln stark genug wären, um einem etwas heftigen Stoße zu widerstehen, indessen blieb uns keine andere Wahl. Um das Leben meiner Leute nicht aufs Spiel zu setzen, beauftragte ich mehrere der kräftigsten Araber, neben den Barken zu schwimmen und sie nach Möglichkeit bis außerhalb der Gefahr zu geleiten. Alsdann ließ ich die Mannschaft ausschiffen, und nachdem die „Fanny Mason" an das Seil befestigt worden, ließ man sie, nach meiner Angabe, sanft bis an den äußersten Rand des Wasserfalles geleiten; je mehr sie sich der Stromschnelle näherte, desto unruhiger wurden ihre Bewegungen. Es-entstand ein schwer zu schildernder Moment der Besorgniß. — Die Schiffsmannschaft hatte sich längs dm Ufern, unterhalb des Wasserfalles in hinreichenden Zwischenräumen aufgestellt, um uns Hilfe zu leisten, im Falle wir in die Mitte des Flusses getrieben und durch die Strömung zu ihnen hingerissen werden sollten. Ich war mit einem Seemann allein in der Barke geblieben; eine große Anzahl Araber hielt sich fest an den Felsen geklammert, und, bis zur Hälfte des Körpers im Wasser stehend, waren sie mit einem weißen Schaum bedeckt, welcher seltsam gegen die dunkle Farbe ihrer Haut abstach; sie machten wilde Pantomimen, und ihr durchdringendes Geschrei vermischte sich mit dem Gezische des Wassers; fünf von ihnen klammerten sich an jeder Seite der Barke fest, um, so viel es ihnen möglich wäre, im Falle des Stoßes gegen den Felsen am Ende des Wasserfalls, einen gänzlichen Schiffbruch zu verhindern. „Unterdessen schwankte „Fanny Mason" heftig in dem wilden Strome wie ein aufgescheuchter Vogel, der den Strick, an den er befestigt ist, zerreißen will. Als sie sich einen Augenblick gerade in die Höhe richtete, gab ich das Signal, das Seil loszulassen; sie fiel, tauchte unter, kam wieder zum Vorschein, glitt über den Felsen, ohne ihn zu berühren, passirte den Wirbel, der sich an seinem Fuße befand, und schoß nun, zur Hälfte voll Wasser, mit einer Schnelligkeit hinab, daß uns das Athmen schwer wurde. Von allen Seiten Geschrei und Ausrufungen! Die Araber waren scheinbar stolzer und glücklicher über den Erfolg, als wir, indessen waren sie nur zufrieden, wir aber dankbar. Zwei von ihnen hatten während des Falles loslassen müssen; sie waren von der Strömung ziemlich weit fortgerissen worden, bis wir sie aus dem Wasser zogen. Der Eine von ihnen hatte eine Kontusion erhalten, der Andere aber war gar nicht verletzt." Ein anderer Theil der Fahrt auf dem Jordan, dem See Tiberias naher als jener gefahrvolle Wasserfall, wird folgendermaßen beschrieben: „Mehrere Stunden hindurch glitten die Barken mit Schnelligkeit stromab, unter tiefem Schweigen — dem Schweigen der Wüste; abwechselnd war die Landschaft von feierlicher Schönheit; zahlreiche Vögel ließen seltsame und mannigfaltige Konzerte hören; Weidenzweige bildeten ein natürliches Geflecht über die Breite des Flusses, welches durch kriechendes Moos,