Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1850)
- Date
- 1850-04-15
- Page
- Seite 217 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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217 der Wasserfälle, noch Stromschnellen, und sein Lauf, ist zwar reißend, aber geräuschlos. Dennoch könnte er, wenn er 984' in einer Entfernung von sechzig geographischen Meilen (engl.) herabfließt, drei ebenso hohe Wasserfälle als der des Niagara bilden und dessenungeachtet noch eine mittlere Geschwindigkeit behalten, die der des Rheins in seinem stärksten Laufe, den Fall bei Schaffhausen inbegriffen, gleichkäme." Herr Robinson glaubt demnach, daß in der Berechnung des Niveau-Unterschiedes zwischen dem See Liberias und dem Lobten Meere ein Jrrthum stattsinden müsse. Seine äußerst begründet scheinende Meinung stützte sich jedoch aufThatsachen, die nicht existiren. Einmal ist der Lauf des Jordans weniger geräuschlos, als er es voraussetzte, vielmehr in sehr nahen Zwischenräumen von Katarakten und Stromschnellen unterbrochen, — die beiden „Fanny's" haben deren siebenundzwanzig zurückgelegt, wobei sie ernstlichen Gefahren ausgesetzt waren, ohne eine große Anzahl von geringerer Bedeutung zu zählen, — ferner hat der Jordan so viele Krümmungen, daß, obgleich die direkte Entfernung zwischen beiden Seen allerdings nicht mehr als 60 Meilen beträgt, die Länge des Flusses ungefähr 200 Meilen ist, so daß er also durchschnittlich nur einen Fall von 6 Fuß auf die Meile hat. Die bedeutend liefere Lage des Tobten Meeres im Bergleich zu der des Sees von Liberias ist jetzt von dieser amerikanischen Expedition durch wissenschaftliche Berechnungen und positive Beobachtungen außer allen Zweifel gesetzt, wahrend vor kaum einem Jahre noch die kompetentesten Gelehrten sie aus ziemlich wahrscheinlichen Gründen bezweifelten. Der Bericht des Lieutenants Lynch und das Tagebuch John Pasty's beschreiben umständlich die mannigfaltigen Ansichten, welche der Jordan während seines Laufes darbietet. Diese sind so zahlreich und abwechselnd, daß es schwer hält, ihren allgemeinen Charakter zu bezeichnen; einige Zeilen aus dem Journal John Pasty's werden eine Idee von dem Anblick der Landschaft geben. „Die Ufer des Jordans", heißt es darin, „sind mit einer prächtigen Vegetation bedeckt; der Boden ist nicht so kultivirt, als er es sein könnte, wenn die Bebauer nicht Plünderung und Verbrennung ihrer Ernten durch die das Land verheerenden Banditen zu befürchten hatten. Außer in der unmittelbaren Nahe der Wasserfalle und Strömungen sind die Gewässer des Jordans klar und durchsichtig und gut vertheilt zur Befruchtung der von ihnen durchströmten Thäter. Man bemerkt darin eine große Menge Fische; an den Ufern aber entdeckten wir nirgends Spuren von Löwen und Bären, welche hier einst im dichten Gebüsche hausten, nur hin. und wieder sieht man die Eindrücke von den Füßen der wilden Schweine." Die weite und tiefe Ebene, durch die der Jordan sich schlängelt, ist im Ganzen unfruchtbar, ohne Baume, selbst ohne Grün; die Berge und Hügel, welche diese Ebene umgeben, bieten größtentheils einen wilden und trostlosen Anblick dar. Man findet das üppigste Grün nur in den tiefsten Thälern und längs den Ufern des Stromes. Der Lieutenant Lynch macht folgende Beschreibung einer Landschaft aus dem Mittlern Theil des Stromlaufes, etwas unterhalb von Wady Adjlun: „Das Ganze dieser traurigen Einöde hat einen besonders wilden Charakter, der auf die Seele einen lebhaften, tiefen Eindruck hervocbrachte. Als wir diese Wildniß im vollen Glanz des Lichtes und der Hitze betrachteten, erschien sie uns wie eine Feuersbrunst beim Einbruch der Nacht; jedes Einzelne dieses sonderbaren und feierlichen Schauspiels glaubte man durch ein Fernglas zu sehen. „Die westlich liegenden Berge ragen im Schooße der Ebene hervor wie Inseln mitten im Ozean, dessen Wellen gegen ihre Ufer schlagen. Ihre spitzen und felsigen Gipfel empfangen das Sonnenlicht schräg, und dunkle, scharf abgeschnittene Schatten bezeichnen die gegen ihre Strahlen geschützten Schluchten. Die Berge, am Fuße breit und massiv, werden immer kahler und laufen in Pyramidenform aus; obschon wir noch einige Stunden davon entfernt waren, sahen wir jede Kluft, 'jede Unebenheit daran ebenso deutlich, als wären wir in ihrer unmittelbarsten Nahe; ihre auf einander liegenden Schichten gleichen den Blättern eines riesigen Buches, auf denen Gott mit seiner Hand die Geschichte der allmäligen Revolutionen, welchen er sie unterworfen, geschrieben hat. Auf der Südseite befinden sich die Bergspktzen und hervorragenden Massen in solchen Entfernungen von einander, daß sie luftartig erscheinen und sich vollständig mit dem Horizont als bleicher durchsichtiger Dunst vermischen. „Die Ebene, welche sich am Fuße der Berge ausbreitete, war mit Hügeln und sehr vielen konischen Erhöhungen bedeckt; sie glich einem stark bewegten Meere; sie bot den Anblick eines unermeßlichen Schachbrettes dar, in welchem unregelmäßige Vierecke mit Grün, ohne Ordnung über eine gebleichte Wüste von unheilbarer Dürre! vertheilt, die schwarzen Felder bildeten.! „Eine niedrige, blaßgelbe Kette von kegelförmigen 16*