Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1850)
- Date
- 1850-04-15
- Page
- Seite 219 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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219 durch rankende Gewächse vervollständigt wurde, mit denen sich eine Menge kleiner, silberweißer Blumen vermischte; die Felsenschwalbe umkreiste die Wasserfalle und verschwand unter den Wölbungen von Grün, um sich wiederum emporzuschwingen, wahrend das harmonische Geräusch des reißend dahinfließenden Wassers wie Töne von Zymbeln und Oboen erschallte. „Der Jordan selbst bot wenig verschiedene Ansichten dar; theils bespülte er sandige Hügel, theils schlängelte er sich zwischen niedrigen Ufern, die gewöhnlich mit Bäumen und wohlriechenden Blumen bedeckt waren. Einige Stellen indessen boten außerordentlich pittoreske Gesichtspunkte dar; bald war es ein wilder Strom, der sich von den Bergen herabstürzte, bald ein Schwarm singender Vögel; hier gewahrte man über üppiges Grün hinweg entfernte Berge am äußersten Ende einer weiten Ebene; dort ergoß ein Bach unter sanftem Murmeln seine kristallenen Wellen in das oft schlammige Wasser des Jordans. Die hohen kalkigen Hügel, die einen Damm gegen Austretungen bilden, wenn im Winter und zu Anfang des Frühlings das Uebermaß des Wassers aus dem See Tiberias in das Tobte Meer hinabfließt, verleihen seinem westlichen Ufer einen ganz eigenthümlichen Anblick; das linke oder östliche Ufer war flach und mit Weiden und Tamarindenbäumen eingefaßt, die von Zeit zu Zeit mit hohem Schilf und dichten Massen von Strauchwerk und Schlingpflanzen abwechselten. Wir sahen auf dem thonigen Ufer den frischen Eindruck der Tatzen eines Tigers oder Leoparden, der hierher gekommen war, seinen Durst zu löschen. Ein anderesmal stürzte, als wir vorüberkamen, ein Eber mit wildem Grunzen aus seinem Lager, dessen Lauf wir nach der Bewegung des Schilfes und dem Krachen der brechenden Zweige noch weithin verfolgen konnten. „Die Vögel waren zahlreich, und oft, wenn wir aus dem Schatten und der Stille einer engen, mit Vegetation bedeckten Durchfahrt in einen breitem, glänzend Hellen, vom Geräusch der Stromschnellen wiederhallenden Kanal einfuhren, wo die Vögel ihre schönsten Gesänge ertönen ließen, war es, wie Herr Bedlow sagte, als träte man aus einem einsamen, kalten, schlecht erleuchteten Zimmer in den strahlenden, vergoldeten Saal, wo eine fröhliche Gesellschaft nach der Musik eines rauschenden Orchesters sich dem Tanze überläßt." Die Fahrt auf dem Jordan wurde ohne ernstliche Hindernisse von Seiten der in der Umgegend hausenden Araber ausgefühct, wobei wol die augenfällige Stärke der Expedition am Meisten dazu beitragen mochte, jede feindliche Demonstration zu verhindern. An vermiedenen Pakten fand mit ihnen selbst ein freundschaftKher Verkehr statt, aber im Allgemeinen machten sich die Theilnetzmer der Expedition ganz falsche Begriffe von der Lage, beim Charakter und der Bildungsstufe der Araber: sie thUen ihnen das Unrecht an, sie mit den Indianern Nordamerika's zu vergleichen und sie für so wenig zivilifbt zu halten, als die Joways, die Pawnies oder die SHwarzfüße (vlaekleet). Dieser grobe Jrrthum tritt noch auffälliger in dem Matrosenbericht als in der Erzählung des Kommandanten hervor, indem Pasty natürlich weniger Erfahrung und Kenntnisse besaß, als der LiMtenant Lynch; auch geht er so weit, alten Ernstes zu berichten, daß die Araber erstaunt gewesen wären, die Kühne auf dem Wasser ohne Füße sich fortbewegen zu sehen! Alles, was sich bei dieser Expedition auf den Jordan bezieht, ist neu und merkwürdig. Die Untersuchung dieses Flusses verdient die Aufmerksamkeit und Theilnahme der ganzen gelehrten Welt. Bisher war der Lauf des Jordans zwischen dem See Liberias und dem Tobten Mere fast ganz unbekannt, indem man ihn nur Ln geringer Entfernung unter seinem Ausfluß aus dem See Tiberias und über seiner Mündung in das Todte Meer beführen hatte. Heute sind. Dank der amerikanischen Expedition, alle Geheimnisse seines Laufes offenbart. Die Untersuchung des Tobten Meeres ist weder so neu, noch so interessant, wie die des Jordans; jener See ist fast ans allen seinen Punkten bereits von verschiedenen Reifeibext besucht worden, und aus der Zusammenstellung ihrer Beschreibungen war es möglich, sich eine hinreichend geriaue Idee von seiner Gestalt, seinen Lage und seinen eigentümlichen Naturerscheinungen zu bilden. Es handette sich daher auch weniger darum, ganz neue Entdeckungen über das Todte Meer zu machen, als um die A«statigung der früheren; dies ist auch von Seiten des Herrn Lynch und seinen Gefährten redlich geschehen, und namentlich haben manche alte Traditionen ihre endliche Widerlegung gefunden. Das Todte Meer ist übrigens schon'vor mehreren Jahren von einem Irländer, Namens Costigan, zu Schiffe untersucht worden und vor Kurzem noch von einem Engländer, dem Flottenlieutem.nt Molyneux. Dieser Letztere ist ebenfalls den ganzen Jordan hinabgefahren, und wenn er noch so lange gelebt hatte, um die Resultate seiner Beobachtungen zu vmöstmtLichen, so würde der Bericht des Lieutenants