Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1850)
- Date
- 1850-04-15
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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21« mit wehenden Flaggen auf das bläuliche Wasser des Meeres von Galiläa. Die Araber sangen, klatschten in die Hände und verlangten Bakschisch (Trinkgeld); wir aber blieben ernst und enthielten uns jeder Ausrufung, die, von christlichen Lippen gethan, zu einer Profanation geworden wäre (!). Die beiden „Fanny" schwammen leicht auf dem Wasser, geschmückt mit den Sternen und Streifen der edelsten Flagge, welche hienieden weht. (Eine wahrhaft amerikanische Rodomontade!). Seit Josephs und der Römer Zeiten hatte kein Fahrzeug dieses Meer beschifft; während einer langen Reihe von Jahren hat nur ein einziger Kiel seine Oberfläche gefurcht." Dieser einsame Kiel ist, wie es scheint, ein Boot, welches Lynch für 6 Pfd. Sterl. (41 Thlr.) kaufte und in Stand setzen ließ, um den beiden Barken das Gewicht der Bagage zu erleichtern. Man nannte ihn „Onkel Sam".*) Am 10. April ging die kleine Flotille zur Aufsuchung des Jordans in folgender Ordnung unter Segel: Die „Fanny Mason" eröffnete den Zug, ihr zunächst folgte „Fanny Skinner", und „Onkel Sam", von Arabern gerudert, bildete die Acrieregarde; die befreundeten Beduinen mit dem Vieh begleiteten den Zug längs dem Ufer, vom Lieutenant Dale befehligt. Von diesem Augenblick an datirt sich der eigentliche Anfang der'Expedition. Der Chef derselben theilte jedem der Offiziere und Volontäre besondere Arbeiten zu: Herr Dale wurde mit der Anfertigung der allgemeinen topographischen Skizzen beauftragt; der Doktor Anderson mit den geologischen Beobachtungen und Sammlungen; Herr Bedlow hatte die Landrute zu beschreiben und die Reiseabenteuer zu erzählen; Herr F. Lynch sollte Pflanzen und Blumen zu dem Herbarium sammeln und Herr Aupick, Kommandant der „Fanny Skinner", topographische Pläne des Flusses Jordan und seiner User anfertigen. Der Lieutenant Lynch, der seine Flagge aus der „Fanny Mason" aufgepflanzt hatte, behielt sich die Notizen über den Lauf, die Geschwindigkeit, die Farbe und die Tiefe des Stromes, über seine Nebenflüsse, die Natur seiner Ufer und der Gegenden, welche er durchschneidet, über die Vögel und andere Thiere vor und führte außerdem ein Journal über alle Begebenheiten der Reise. Mehr als acht Tage wurden darauf verwendet, den Jordan hinabzufahren, denn die Expedition erreichte erst *) Bekanntlich die scherzhafte Personisizirung der Vereinigten Staaten, nach den Anfangsbuchstaben derselben, United States, gewöhnlich U. S. geschrieben. D. R. am 17., Abends, den Ort, wo die Pilger sich baden, und der etwas oberhalb des Todten Meeres gelegen ist. Während dieser acht Tage hatten sich die beiden Abtheilungen der Expedition in der Regel beim Einbruch der Nacht vereinigt und blieben zusammengelagert bis zum Tagesanbruch. In Liberias hatte man nur sehr mangelhafte und unbestimmte Nachweisungen über den Lauf des Jordans erhalten können; indessen überzeugte sich der Lieutenant Lynch zu seinem größten Leidwesen vom ersten Tage an von der Existenz vieler und gefährlicher Stromschnellen. Ihm blieb nur die Wahl, entweder umzukehren oder sich pfeilschnell mitten durch furchtbare Katarakten hinabzustürzen. Die Schwierigkeiten dieser gefahrvollen Schifffahrt waren so groß, daß die Böte am Abend des zweiten Tages sich erst zwölf Meilen in direkter Entfernung von Liberias befanden; am Morgen des dritten Tages war man gezwungen, den armen „Onkel Sam" zu verlassen, da er zur Fortsetzung einer solchen Reise untauglich war. Den vielfältigen, heftigen Stößen beim Befahren des Jordans zu widerstehen, vermögen nur Fahrzeuge wie die, welche Lieutenant Lynch in Amerika hatte erbauen lassen, bei denen große Stärke mit großer Leichtigkeit verbunden ist. Zwar erlitten auch die beiden „Fanny's" ziemlich bedeutende Havarieen, ohne jedoch im Geringsten leck zu werden, und wenige Stunden reichten hin, ihre stärksten Beschädigungen wieder auszubessern. Der vr. Robinson und Karl Ritter haben kürzlich den bedeutenden Unterschied zwischen dem Niveau des Tiberiassees und des Todten Meeres in Abrede gestellt — ein Unterschied, der nach den glaubwürdigsten Beobachtungen 984' beträgt. Der Dr. Robinson hat über diesen Gegenstand in der „Bibliotheca sacra“ vom Augusts 1848 eine Abhandlung veröffentlicht, deren Hauptinhalt folgender ist: „Das Resultat der Arbeiten des Lieutenants Symonds vom britischen Jngenieurkorps ergiebt, daß das Niveau des Todten Meeres 1311,9', das des Sees Tiberias 328' unter dem Niveau des Mittelländischen Meeres liegt. Da diese beiden Wasserbecken nur etwa ein Grad von einander entfernt sind, so folgt daraus, daß der Jordan, der von dem einen in den andern fließt, 16,4' aus die Meile herabfällt. Unter den Strömen, deren Lauf untersucht worden ist, sind der untere Theil des Orontes, „der mit Getöse über sein Felsenbett rollt", und der Missouri mit seinen großen Wasserfällen die einzigen, welche mit einer ähnlichen Schnelligkeit fließen; allein der Jordan l)at, so weit man ihn kennt, we-