Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-15 · Heft 16 (15.4.1850) · p. Seite 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 16 (15.4.1850)
Date
1850-04-15
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225677--10926-3241002
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

215 und nachdem er in Bairut und an einigen anderen Punkten angehalten hatte, ankerte er am 28. März in der Bar von Acre am Fuße des Berges Karmel. Nachdem die Mitglieder der Expedition, die Borräthe, die Zelte, die Barken und deren Transportwagen ausgeschifft worden, errichtete man am Ufer der Bai ein Lager, während der „Supply" wieder unter Segel ging, um, seiner oben angegebenen Bestimmung zufolge, dem amerikanischen Geschwader im Mittelmeer Proviant zuzuführen. „Mit sehr gemischten Empfindungen", schrieb der Lieutenant Lynch an diesem Tage in sein Tagebuch, „sahen wir ihn sich entfernen. Wird er uns wol an diesem Ufer wiedersi'nden, wenn er zirrückkehrt, um uns aufzuriehwen? Werden wir jemals wieder sein reinliches, uns so werth gewordenes Verdeck besteigen? Wie es auch kommen möge, wir sind in der Hand Gottes." Dieses unbedingte Vertrauen auf die Vorsehung zeugt von ebenso vieler Frömmigkeit als Entschoffenheit, denn man hatte eben zu Saint-Jean-d'Acre den Tod des Lieutenants Molyneux erfahren, der, wie der kürzlich verstorbene Costigan, den erneuten Angriffen eines Fiebers erlegen war, welches er von den Ufern des Todten Meeres mitgebracht hatte. Die sonst um die Zukunft wenig bekümmerten Matrosen benahmen sich weniger philosophisch und christlich als ihr Kommandant. „Man erzählte uns", schreibt John Pasty in seinem von Herrn Edward Montague in Philadelphia veröffentlichten Tagebuch, „daß niemals eine das Todte Meer untersuchende Expedition ein glückliches Ende genommen habe. Den Bewohnern des Landes nach, waren alle Theilnehmer an solchen Expeditionen das Opfer ihrer Hingebung für die Wissenschaft geworden; die Einen, von ernsten Krankheiten befallen, waren in diesem verderblichen Klima umgekommen, die Anderen von blutgierigen Arabern geplündert und ermordet worden; alle diese Thatsachen hatten sich vor so kurzer Zeit ereignet, daß der Mörder kaum die Klinge seines Schwertes abgewischt haben, der Dampf seiner Pistolen kaum verflogen und das Blut der Opfer weder von der Sonne getrocknet, noch von der Erde eingesogen sein konnte." Als der „Supply" sich entfernt hatte, begann man den Transport der beiden Barken von der syrischen Küste nach dem See Tiberias. Die eine, die von Kupfer, wurde „Fanny Mason" genannt, die zweite von galvanisirtem Eisen bekam den Namen „Fanny Skinner". Man belud sie mit den Vorrätben und dem Gepäck der Expedition, hob sie dann auf die Transportwagen, vor welche die nöthige Anzahl syrischer Pferde gespannt wurde, und der Lieutenant Lynch gab selbst das Signal zur Abfahrt. Jetzt zeigte sich das erste Hinderniß: trotz aller angewandten Mittel, weigerten sich die an's Tragen gewöhnten Pferde, die Wagen zu ziehen; man wollte sie durch Ochsen ersetzen, die sich gewiß fügsamer gezeigt hätten, indessen waren Letztere in dieser Jahreszeit so zu Feldarbeiten in Anspruch genommen, daß man davon abstehen mußte. Schon wollte der Lieutenant Lynch die Barken auseinandernehmen taffen, als ihm der Gedanke kam, die Pferde durch Kameele zu ersetzen. Zum größten Erstaunen der Eingeborenen gelang dieser Versuch, indem die Kameele sich ebenso brauchbar zürn Ziehen schwerer Lasten als zum Tragen derselben erwiesen. Nach einigen anderen glücklich überwundenen Schwierigkeiten ging die Expedition am 4. April von der Küste ab. Fünfzehn Araber begleiteten sie, nämlich ein Vornehmer aus Mekka, SherifHazza, ein schöner Greis, der im 33sten Miede vom Propheten abstammt, von seinen Dienern gefolgt; ferner ein Beduinen-Sheik, Namens Akil, der von zehn gut bewaffneten Männern umringt war. Diese Karawane von Arabern mit schönen Pferden und langen Lanzen, von Seeleuten, hoch zu Rosse sitzend, von Kameelen, die mit Gepäck beladen waren, und anderen, welche die sonderbaren Wagen zogen, auf denen sich die metallenen Böte mit wehenden Flaggen befanden — gewahrte einen originellen und malerischen Anblick. „Unser Zug", sagt Herr Lynch mit einem gewissen Stolze, „sah einem Triumphzuge ähnlich." Trotz des guten Willens, der Geduld und der Stärke der Kameele, konnte der Transport der Barken über die bergige Gegend, die den Tiberiaösee von der Küste trennt, nicht ohne Mühe bewerkstelligt werden. Man mußte mehr als einmal Schluchten ausfüllen oder Felsstücke lossprengen, indem der gebahnte Weg n.uc für Maulthiere eingerichtet und daher bald zu schmal, bald zu abschüssig war, so daß man sich genöthigt sah, stellenweise einen andern zu eröffnen. Als nun alle Hindernisse glücklich beseitigt waren und die Karawane ohne Unglücksfall auf den Anhöhen um den See angelangt war, stand noch eine letzte Schwierigkeit bevor — das Herablaffen der Barken auf den See. „Jedermann mußte hier mit Hand anlegen", sagt der Lieutenant Lynch. „Mehr als einmal fürchteten wir, sie uns entgleiten und beim Sturze zerschellen zu sehen; dennoch gelangten sie ohne die geringste Beschädigung, in Gegenwart einer Menge von Zuschauern,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.