Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1850)
- Date
- 1850-04-15
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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214 mungen über die Zukunft der Fürstenthümer Moldau und Walachei festgesetzt; unter diesen hebe ich den Artikel IH. hervor, der lautet: „Eine Revisionskommission sowol in der Moldau als Walachei einzusetzen, um das Keglemont organique zu revidiren, Verbesserungen einzuführen, Mißbräuche abzustcllen." Nun hören Sie mit was für Verbesserungen diese Kommission beginnen will. Nämlich: in der Residenz soll kein Israelit in der Bojarengaffe wohnen dürfen, wie auch auf dem Lande; die Konskriptionspflicht auch auf unsere Glaubensgenossen auszudehnen, die polnischjüdische Tracht gegen die moderne deutsche zu vertauschen. Wir geben aber unsre Hoffnung nicht auf, daß man von oben herab diese sogenannte „Verbesserung" im Keime ersticken wird. F. Afrika. Aus Marokko. Das Judenthum hat abermals die traurige Ehre gehabt, einen Märtyrer mehr zu zählen, und den langen Reihen der für dasselbe Geopferten einen neuen hinzugesellt zu haben. Ein angesehener jüdischer Kaufmann, Juda Sebay, aus der in der Nähe von Mogador liegenden Stadt Alig, wurde von seinen Feinden fälschlich angeklagt, den mohamedanischen Glauben gelästert zu haben. Das Urtheil des marokkanischen Richters war, daß er entweder ein Muselmann werden oder unter Martern sterben müsse. Juda Sebay wählte den Martyrertod. Sogleich wurde er an einen Scheiterhaufen gebunden, dessen Flammen ihn langsam verzehrten. Der Unglückliche zählte erst 24 Jahre. Abraham Sebay, ein in London als Kaufmann etablirter Bruder des Geopferten, hatte dem Redakteur der „Times" das Ergebniß milgetheilt. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die amerikanische Expedition zur Untersuchung des Jordans und des Todteu Meeres. (Aus dem Magazin für Literatur des Auslandes.) Nach der Uebergabe von Verakruz im Mai 1847 befand sich der größere Theil der den Vereinigten Staaten gehörigen Flotte unbeschäftigt, als der Lieutenant Lynch der amerikanischen Regierung den Plan zu einer wissenschaftlichen Expedition vorlegte, welcher die Umschiffung und vollständige Untersuchung des Todten Meeres umfaßte. Dieser wurde angenommen, der Lieutenant Lynch erhielt den Auftrag, die zu einer solchen Expedition nothwendigen Vorkehrungen zu treffen, und zu Anfang des Monats Oktober ward der Tender „Supply", früher „Ccusader" genannt, welcher dem Geschwader des Mittelmeeres Provision zuführen sollte, unter sein Kommando gestellt. Herr Lynch hatte Nichts verabsäumt, um den Erfolg der beabsichtigten Expedition so viel als möglich zu sichern. Er hatte zwei metalleneFahrzeuge so anfertigen lassen, daß sie auseinandergenommen und zu Lande aus den Rücken von Pferden weiter geschafft werden konnten, und im Falle dies dennoch ernstliche Schwierigkeiten verursachen würde, waren zu ihrem Transport zwei Trucks oder flache Wagen konstruirt worden, nach dem Muster derjenigen, die man auf den amerikanischen Eisenbahnen gebraucht. Ferner waren Waffen- und Munitionsvorrathe, Instrumente, Zelte, Segel, Ruder, Lebensmittel, Küchengeräth mit besonderer Sorgfalt gewählt und die Schiffsmannsschaft von dem Ehef selbst ausgesucht worden; diese bestand aus zehn jungen, kräftig gebauten und an Beschwerden gewöhnten Amerikanern, welche sich verpflichtet hatten, wahrend der Reise sich des Genusses starker Getränke gänzlich zu enthalten. Außerdem war Herr Lynch von seinem Sohn, der das botanische Fach übernommen, von dem Lieutenant Dale und einem Schiffskadetten, Namens Aupick, begleitet; ihnen schlossen sich spater in Konstantinopel Herr Bedlow, in Bairut der Doktor Anderson und ein Syrier, Namens Amenny, an, welcher die Funktionen eines Dolmetschers versah. Der „Supply" verließ New-Uork am 21. November 1847 und erreichte Smyrna am 18. Februar 1848. Von hier aus begaben sich die Offiziere der Expedition auf einem österreichischen Dampfschiffe nach Konstantinopel, um durch Vermittelung des amerikanischen Gesandten vom Sultan die Ertaubniß zur Reise durch einen Theil seiner syrischen Staaten zu erhalten. Herr Lynch wurde von Abdul-Medschid in einer Audienz empfangen, und der Großherr bewilligte ihm nicht allein das Verlangte, sondern bezeigte ihm auch seinen Antheil an dem Erfolg der Unternehmung, indem er den Wunsch äußerte, mit den Resultaten derselben bekannt gemacht zu werden. Am 3. Marz kehrte Herr Lynch nach Smyrna zurück, am 10. reiste ec von dort nach der syrischen Küste ab,