Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1850)
- Date
- 1850-04-15
- Page
- Seite 211 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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211 gen zu entsprechen. Gewiß wird derselbe zeitgemäße Reformvorschläge von einem Manne, wie Herr 33. gern berücksichtigen. In diesem Sinne zu wirken fordere ich Sie auf, nicht nur für eine Reform der Haindorf'schen Anstalt, sondern auch für deren Existenz gütigst Sorge tragen zu wollen. Haben Sie aber eine Reform der Haindorf'schen Anstalt bewirkt, so steht sicher zu erwarten, daß dieselbe wie früher auch in Zukunft den billigen Anforderungen beiderProvinzen genügend entsprechen wird. Endlich dürfte es viel leichter sein, die erschütterte Existenz einer Anstalt wieder zu festigen, als einer erst zu gründenden, deren Erfolg übrigens auch noch zweifelhaft ist, eine Existenz zu verschaffen. Ich hoffe, daß Sie diesen Zeilen dieselbe Nachsicht, wie meinen Worten auf der Konferenz werden zu Theil werden lassen, da ich den Weg der Oeffentlichkeit nicht gewählt hätte, wenn es mir gestattet sein würde, mich an der diesjährigen Konferenz zu betheiligen. Aber auch Euch, werthe Kollegen, die Ihr auf der Konferenz erscheinen werdet, ersuche ich, wohl zu bedenken, was wir der Haindorf'schen Anstalt schuldig sind, daß wir die Mutter nicht tobten dürfen, die uns gemeinsam gezeugt, was allerdings durch die Errichtung einer Filialanstalt in der Rheingegend geschehen würde; bedenket die Worte eines großen Dichters: „nt llesint vires, tarnen est Isuclsluta voluntas," daß schon der ernste Wille zum Guten, wenn auch die Mittel es zu erreichen fehlen, Anerkennung verdient. Erst wollen wir die Existenz der Haindorf'schen Schule gesichert wissen, und dann zur Errichtung einer Filialanstalt gern und willig unser Schärflein beitragen. Der Segen Gottes wird Euren Verhandlungen gewiß nicht fehlen. Denn '121 trwia diab iroid bd R. Wolfsdorf, Lehrer. Kassel, 1. April. (N. H. 3.) Die wegen der Verheerungs- und Raubszcnen von 1848 an vierJudcnhäusern zu Erdmannrode Angeklagten sind von den Geschwornrn zu Fulda mit 8 gegen 4 für nichtschuldig erklärt worden, obwol mehrere Zeugen Einzelne derselben bestimmt erkannt und die Handlungen bezeichnet hatten. Oesterreichischer Kaiserftaat. Wien, 3. April. Man muß es anerkennen, daß so weit es irgend von der österreichischen Staatsregierung unmittelbar abhängt, die Emanzipation der Juden faktisch durchgeführt wird. Die Herren Generalsekretäre der Nordbahn, Sichrofsky und Oppenheim, haben den Franz-Josephs-Orden erhalten. 33eide Herren gehören der israelitischen Konfession an. (In Preußen ist dergleichen noch nicht geschehen. Zugleich ist es doch auch schon in Oesterreich das Eingeständniß, daß Juden tüchtige Beamte sein können.) —. Der Lehrer am nikolsburger Taubstummeninstitut, Herr Joel Deutsch (Israelit), hat gestern acht männliche und drei weibliche Zöglinge, die von ihm vollkommen ausgebildet wurden, hierher gebracht, um für deren weitere Unterkunft zu sorgen. (Wir haben schon früher über die Verdienste dieses Mannes in diesen Blättern berichtet.) —. Aus Pesth bringt jüngst der „Lloyd" einen Artikel, der so beginnt: „Seitdem der Argwohn gegen die Juden, als wären sie vorzugsweise an der Revolution betheiligt gewesen, etwas nachgelassen, wendet er sich gegen die Protestanten." Aus Ungarn. Die Köln. Zeit, theilt folgenden Artikel mit, wobei wir uns nur wundern können, mit welcher Gemüthlichkeit und Nonchalance solch' ein Blatt dergleichen vortragen kann! Wir geben ihn ohne Bemerkung: „Dem „Pesti Naplo" wird aus Lugos geschrieben, daß unlängst vier Räuber einen Juden, Namens L. Simon, Nachts bei der Sabbatfeier überfielen, um ihm zum Dales (Armuth) zu verhelfen. Es waren vier „arme Bursche" hoch zu Roß; zwei saßen ab und machten sich an das Werk der Plünderung, zwei wachten bei den Pferden. Da das herbeieilende Volk Miene machte, dem Israeliten zu helfen, sprach einer der edlen Stegreifritter mit großer Nonchalance: „Was wollt Ihr uns ein Leides thun, Brüder, die wir Euch doch nie Etwas zu Leide thaten? Das Geld, das wir dem Juden abnehmen, ist die Frucht langjährigen an Euch verübten Betruges." Diese Rede wirkte auf das -Volk, das nunmehr mit „der beszürten Nemesis" fraternffirte, ja sogar, als eines der vier Pferde sich losriß, in Simons Stall eilte und dem Räuber das schönste Roß des Geplünderten zuführte. Dieser Haß der Bauernschaft gegen die Juden ist etwas Uraltes, und wir erinnern uns, daß weiland in dem großen Orte I. in der S. beide Juden — an den Flügeln des Hufeisen-