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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-15 · Heft 16 (15.4.1850) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 16 (15.4.1850)
Date
1850-04-15
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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210 Anerkennung gefunden hatte. Man erblickte im Trauer- Hause unter den mehre Hundert Versammelten Se. Erz. den Ministerpräsidenten Grafen Brandenburg, Se. Erz. den Finanzminister Herrn v. Rabe, Alexander v. Humboldt, der zu dem Verstorbenen wie zu dessen ganzer Familie in einem Verhältniß befreundeter Verbindung gestanden, eine Deputation des Magistrats (der Verewigte war Stadtrath gewesen), mehre Mitglieder der jüngst aufgelösten ersten Kammer, die dem Heimgegangenen Kollegen diese letzte Ehre erwiesen, die angesehensten Vertreter der hiesigen höher» Kaufmannschaft, ferner Künstler, Gelehrte, genug Lheilnehmende aus allen Ständen und Lebensverhältnissen. Der vr. Auerbach, Rcligionslehrer der jüdischen Gemeinde, hielt die Gedächtnißrede am Sarge, in der er eine Schilderung der einflußreichen, so vielfache, ersprießliche Wirksamkeit umfassenden Lebensstellung und der ausgebreiteten Thätigkeit des Verewigten in derselben gab. — Nach zehn Uhr setzte sich der Leichenzug, der aus einer Reihe von über hundert Wagen gebildet wurde, unter welchen sich auch eine königliche Equipage befand, von dem Trauerhause, im Thiergarten am Exerzierplatz, in Bewegung. Zunächst dem Sarge folgten die Zöglinge der jüdischen Waisenanstalt zu Fuß, einer Anstalt, die sich der Verstorbene, so wie dessen Familie, durch vielfache Wohllhätigkeit zu dauernder Dankbarkeit verpflichtet hat. Der lange Zug nahm seinen Weg durch das Brandenburger Thor die Linden entlang, durch einen großen Theil der Stadt, nach dem Judenkirchhof vor dem Schönhauser Thor, woselbst die Beerdigung stattfand. Stadlberge in Westphalen, 31. März. (Eingesandt.) Im Interesse der Sache selbst ersuche ich Sie, nachfolgende Zeilen in Ihr vielgelesenes Blatt aufzunehmen. Soeben kommt mir No. 11 Ihres Blattes mit dem Aufrufe des Herrn Oberrabbiners Bodenhcimer zu Krefeld, welcher die Lehrer zurTheilnahme an der im Mai daselbst stattsindendcn Lehrcrkonferenz auffordert, zu Gesichte. Derselbe hat mich sehr erfreuet, da er das eifrige Streben des würdigen Herrn B., das Schulwesen zu heben, für die Existenz der Lehrer zu sorgen, und auch das vom Unterzeichneten mitgegründete Institut der krefelder Lehrerkonferenzen immer mehr zu vervollkommnen, wiederum bethätigt; dennoch aber kann ich mich mit einem Passus desselben, betreffend die Errichtung einer israelitischen Lehrerbildungsanstalt in der Rheinprovinz, nicht einverstanden erklären. Schon aus der Konferenz im Jahre 1848 trat mein intimer Freund C.... mit einem ähnlichen Projekte, wie den damaligen Konferenzmirglicdern bekannt sein wird, hervor; allein schon damals erklärte ich mich dagegen, weil die Ausführung desselben die Existenz der Haindorf'schen Anstalt zu Münster um so mehr in Frage stellt, als dieselbe auf milden Gaben beruht und die rheinisch-weftphälischen Lehrer, da sie fast Alle der Haindorf'schen Anstalt ihre Bildung verdanken, ohne sich der größten Undankbarkeit schuldig zu machen, ihre Hand zur Realisirung dieses Planes nicht bieten könnten. Herr Oberrabbiner ließ diesen meinen Bedenken die schonendste Anerkennung wiederfahren und die Sache blieb auf sich beruhen. (Die damalige Konferenz aber beschloß, im Widerspruch mit ihren Statuten, aus Gründen, welche hier unerörtert bleiben mögen, ihre Verhandlungen nicht zu veröffentlichen, und erinnere ich mich auch damals eine Anfrage in dieser Beziehung in diesen Blättern gelesen zu haben, was beiläufig bemerkt sei.) Dieselben Gründe sind aber auch jetzt gegen den Vorschlag des Herrn Oberrabbiners mit noch größerm Rechte geltend zu machen, als durch die Realisirung desselben die Existenz der Haindorf'schen Anstalt, was selbst Herr Bodenheimer nicht wünscht, dennoch sehr gefährdet wird, indem durch die politischen Stürme der verflossenen Jahre auch diese Anstalt sehr gelitten hat, manche ihrer Hilfsquellen ganz versiegt sind und auch jetzt die Spenden nur äußerst prekär fließen. Die Errichtung einer solchen Anstalt in der Rheingegend dürfte daher sehr leicht die Auflösung der Haindorf'schen Anstalt zur Folge haben. Unseres Erachtens aber sollten die Lehrer und vor Allem ein Mann wie Herr B., der so viel durch seine Autorität vermag, eifrigst dahin zu wirken suchen, der münsterscheu Schule eine mehr als blos ephemere Existenz zu sichern. Die Zwecke, welche die Anstalt seit ihrem Bestehen verfolgt, obschon sie ihre Mängel haben mag, fordern dieses. Westphalen und Rheinland sind hierzu verpflichtet, da beide Provinzen die zeitgemäße Bildung ihrer Jugend dieser Anstalt verdanken, sie sind dazu verpflichtet aus schuldiger Dankbarkeit gegen den würdigen, jetzt greisen Dirigenten der Anstalt, der nie moralische oder materielle Mittel (chonte, der stets, wie Keiner, bereit war und es noch ist, zum Wohle seiner Glaubensgenossen zu wirken, billigen Anforderun-

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