Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1850)
- Date
- 1850-04-08
- Page
- Seite 206 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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206 wirklichen Rabbiner von der k. Staatsregierung unter Beziehung auf seine bereits erworbenen Verdienste um Kirche und Schule förmlich bestätigt worden. Derselbe hat eine neue Synagogenordnung entworfen, die von Ostern an vorläufig eingeführt werden wird, und hat hiefür großentheils das Formativ der im Königreich Württemberg bestehenden zum Vorbild genommen. Wir werden die von Dr. Schlenker verfaßte Synagogenordnung seiner Zeit öffentlich in diesen Blättern vorlegen. Um für die würdevolle Feier des Gottesdienstes Nichts zu versäumen, hat die Gemeinde Herrn Lauterbacher von Pappenheim zum Vorsänger gewonnen, einen Mann von musikalischer Bildung und mit guter Gesangstimme begabt, sonach eine treffliche Akquisition. Endlich darf schließlich nicht unbemerkt bleiben, denn es ist in dieser Zeit von Gewicht, daß die Israeliten Regensburgs im freundlichsten Einvernehmen mit ihren Mitbürgern aller christlichen Konfessionen leben und sich deren Beachtung in gottesdienstlicher Beziehung erfreuen. Ein Artikel im Münchner Eilboten No. 35, der zwei Kultushandlungen in der Synagoge bespricht, bezeugt dies unwiderleglich und schließt mit den bezeichnenden Worten: „Doch wir wollen mit dem Wunsche schließen, daß alle Bekenner positiver Religionen, ob Katholiken oder Protestanten, ob Christen oder Nichtchristen, mit wahrhafter Ueberzeugung und inniger Freudigkeit ihrem Glauben treu anhängen, unter einander aber in brüderlicher echter Nächstenliebe leben möchten; dies aber wird erst möglich sein, wenn Allen die gleiche Gerechtigkeit geworden und Niemand mehr um seines Glaubens willen zu entbehren und zu dulden braucht. Wären alle Konfessionen einig in werkthätiger Liebe, dann würde es der Vorsehung leicht sein, Alle einig zu machen in der Erkenntniß der ewigen Wahrheit, die nur Eine sein kann, wie es nur Einen Gott und Vater Aller giebl, und dies ist die echte Messiaslehre auch Israels. Möchten diese Zeilen ein weiterer Beitrag sein zur Verständigung, zur Versöhnung, zur Lichtung. Gott geb's!" Frankreich. Paris, 26. März. Es ist immer bemerkenswerth, was wir hier notiren wollen, nicht wegen seines Inhalts, als wegen des Mundes, aus dem die Aeußerung gekommen. Der, bei der Debatte über das neue Unterrichtsgesetz bekannt gewordene Bischof von Langres, Parisis, hat eben eine Schrift herausgegeben, in der er am Schluffe erklärt: „das Prinzip der Freiheit und Gleichheit der Kulte, wenn auch in der Theorie bestreitbar, sei so tief in die Gesetzgebung und die Sitten der Zeit eingedrungen, daß es eine thörichte Chimäre wäre, dasselbe antasten zu wollen. —. Die Lücken, welche das Unterrichtsgesetz bezüglich der Gleichberechtigung der Israeliten hatte, sind durch die Vota der Nationalversammlung noch herausgekommen. Nicht blos daß in der Oberschulbehörde ein Mitglied des israelitischen Zentralkonsistorium sitzt, sondern Art. 10 läßt, auf das angenommene Amendement Crömieux', einen Delegirten des Konsistoriums in jedem Departement, wo ein Solches existirt, in die „akademischen Räthe" zu. —. Die Ausgaben des israelitischen Kultus für 1850 siguriren im Bericht über das Budget mit 128,300 Frcs. (34,213V- Thlr.). Die Regierung hat diese Summe verlangt und die Kommission genehmigt. (Univ. isr.) Italien. Piemont, 8. Marz. (vniv. isr.) Es ist unnütz, Ihnen die wunderbare Veränderung in der politischen und sozialen Stellung der Israeliten dieses Landes zu beschreiben. Wir genießen eine wahre Freiheit, wir sind vollständig den Christen gleichgestellt, und nur die eine Verschiedenheit findet noch statt, daß die Rabbinen nicht durch den Staat salarirt werden. Jndeß muß man es sehr gern sehen, daß unsere Hirten durch ihre eigenen Glaubensgenossen unterhalten werden, denn dadurch haben die Israeliten ein besonderes Budget, und so Gelegenheit sich öfter zu vereinigen und für die religiöse Sache zu interessiren. Bis jetzt nehmen die picmonlesischen Israeliten noch keine hohen Stellen und öffentlichen Aemter ein, weil es uns leider an befähigten Männern fehlt; aber wir haben einen Glaubensgenossen in der Deputirtenkammer, und eine große Anzahl in den Stadträthen.