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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-08 · Heft 15 (8.4.1850) · p. Seite 205

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 15 (8.4.1850)
Date
1850-04-08
Page
Seite 205 (sequence 9)
Language
German
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205 gerichtlichen Vernehmung der Handlungsinhaber Jakobson und Rieß war auch der Stadtrath Dr. Jakobson als Theilhaber erschienen. Am Schluffe der Verhandlung zur Ableistung des Eides aufgefordert, gab derselbe folgende Erklärung zu Protokoll: „Diese meine Aussage enthält die reine Wahrheit, und kann ich sie mit gutem Gewissen beschwören. Den Schwur in der jetzt üblichen Eidesformel für jüdische Glaubensgenossen kann und werde ich jedoch nicht leisten, da ich nur „bei Gott" und „so wahr mir Gott helfe" mit Aufhebung der Hand, ohne weitere Zeremonien, meiner Ueberzeugung nach schwören kann; ich stelle anheim, mir in dieser Form den Eid abzunehmen." Der Gerichtsdeputirte, Obergerichtsassessor Preß, welcher den Termin abhielt, erklärte, daß dem requirirenden Gerichte das Weitere anheim zu stellen sei, und er seinerseits sich darauf beschränken müsse, den Stadtrath Jakobson mit den betreffenden Paragraphen über Eidesverweigerung aus der Gerichtsordnung bekannt zu machen. Nachdem dies geschehen war, wiederholte Herr Jakobson, daß er bei seiner abgegebenen Erklärung unverändert beharre. Eine nähere Begründung dieses Verhaltens wird man in der Mittheilung finden, daß unlängst der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde ein sehr gründlich und ausführlich motivirtes Gesuch beim Staatsministerium eingereicht hat, worin dargethan wird, daß die bisherige Eidessorm für jüdische Glaubensgenossen ebenso wenig den Grundsätzen der jüdischen Religion, wie den Anforderungen der Zeit entspricht, und daß zur eidlichen Bekräftigung die Anrufung Gottes, unter Aufhebung der Hand vollkommen genüge, alle weiteren Zercmonieen aber durchaus überflüssig, die übliche Verwarnung sogar gehässig und gefühlverletzend sei. Diesem Gesuch sollen sich bereits mehrere auswärtige größere Gemeinden angeschloffen haben. —. In diesen Tagen starb der bekannte Wilhelm Beer, Bankier, Astronom, spezifisch preußisches Mitglied der ersten Kammer, Bruder von Michel und Meyerbeer. Dr. Herzberg, dirigirender Arzt am jüdischen Hospital, feierte sein 25jähriges Jubiläum. Hamburg, 27. März. sPrivatmitth. *)] Einen Bericht von hier aus könnte ich Ihnen jetzt nicht *) Nicht von unserm gewöhnlichen Korrespondenten. Redakt. geben, denn es giebt hier gar nichts Neues; es geht so seinen alten Schlendrian Alles fort. Ob wir jemals einen Rabbiner bekommen, weiß ich nicht; man ist zu indifferent, und die orthodoxe Partei doch nur gering an Einfluß. Die Wittwe des sel. Bernays hat 1500 Thlr. Pr. Krt. Pension, sicher anständig. Der Tempel ist an den Festtagen voll, sonst ist er leer. Das Interesse eben nur das alte. Man lebt in Hamburg nur für Eines, Geld zu verdienen. — Rießer ist in Erfurt: die Demokratie verketzert ihn. Freilich, wenn man auf die frühere Zeit zurückblickt, so versteht man ihn nicht mehr, aber an seiner Aufrichtigkeit ist sicher nicht zu zweifeln. Er hat sich in ein politisches Netz verstricken lassen, woraus er nicht mehr kömmt. Bon politischem System kann man da freilich nicht reden. Regensburg, 27. März. sPrivatmitth.) Gewiß ist es von Interesse, von Zeit zu Zeit die Blicke dem Leben und Weben einer israelitischen Kultusgemeinde zuzuwenden, da sich in Vielem das Zeitwesen belehrend abspiegelt, und aus den Erscheinungen Aneiserungen oder Warnungen Anderen oder dem Ganzen zugute kommen. Diese Blätter haben im Jahre 1841 No. 31 einen Bericht über die Kultusgemeinde Regensburgs gebracht. Die darin besprochenen Verhältnisse hatten ihre Fortdauer bis in die Jüngstzeit und änderten sich erst in personeller Hinsicht mit dem Tode des Rabbinatsverwesers Emanuel Sonnentheil, dessen talmudische Kenntnisse und religiöser Wandel damals schon ihre öffentliche Anerkennung fanden. Dreiundsünfzig Jahre hatte er in gleicher Weise seinem Gott und der Gemeinde gedient, als er im Juni v. I. zu den Vätern versammelt wurde. Obschon der ältern Schule und Bildung angehörend wirkte er doch stets im freundlichster Eintracht mit seinem Kollegen, Di-. Schlenker, und trat nie den verständigen und zeitgemäßen Verbesserungen des Gottesdienstes entgegen, die dieser beantragte und die Gemeinde wünschte. Die Gemeinde selbst aber unter sich und mit ihren Religionsdienern in schönster Harmonie, leistete mit Freude und Liebe Alles, was für Kultus und Schule erforderlich, sie macht hiefür einen jährlichen Aufwand von 1400 fi., der gewiß von einer Gemeinde, die nur etliche zwanzig Mitglieder zählt, große Opfer erheischt. Seit dem 28. Dezember v. I. ist der von der Gemeinde gewählte Dr. Schlenker zum 15*

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