Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-08 · Heft 15 (8.4.1850) · p. Seite 204

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 15 (8.4.1850)
Date
1850-04-08
Page
Seite 204 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225676--10914-3240989
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

204 trauet, und die Euren Spuren folgen, daß Ihr. wählet für die ungeborenen Geschlechter, die noch nicht sind, aber Euch entspringen werden, wählet, aber mahnet Euch.... III. Aber wir wissen es ja. So oft diese selbe Wahl Israel vorgelegt worden, es hat niemals gezögert, die rechte Wahl zu treffen. Mögen auch immerhin Einzelne vom Wege abirren. Einzelne dem großen Werke Israels ungetreu werden — niemals stand das ganze Israel an, zu tragen wnwn und seiner Gotteslehre treu anzuhangen. So stand es zu Joschua's, so zu Joschija's Zeit, so in Babel, so den Griechen gegenüber, so im römischen Reiche, so Ln Spanien — auch der altklassischen, auch der arabischen Wissenschaft gegenüber, und Ln sie versenket — niemals zögerte es. Aber, m. Fr., niemals ist es mit dem bloßen Willen genug. In den Zeiten der Krise und des Kampfes, da gilt es eine größere Krastanstrengung. Auf dem heiligen Boden, auf dem wir stehen, "jb^ b^a ‘jbsa bw „ziehe den Schuh ab von deinem Fuße." Das ist der Aufruf an uns. 1) Wenn der Wanderer einen weiten Weg zurückgelegt hat, wenn auf Gewand und Schuh der Sand der Wüste, der Staub der Landstraße, die Spuren der Sümpfe, durch die er sich zu arbeiten gehabt, sich gelegt, und er betritt den heiligen Boden seiner Heimath, so tönet ihm entgegen der Ruf: ziehe deinen Schuh von deinem Fuße, reinige dich, entkleide dich alles dessen, was dich entstellt und befleckt. Und dies haben wir zu thun, Israeliten, innerhalb unserer Religion. O, Israel ist ein alter Pilger, wie sollten die Zeiten und die Lander ihre Spuren und Flecken ihm nicht aufgelegt haben. Hinweg damit! Immer reiner, immer lautrer die Lehre unsers Gottes hingestellt und seine Verehrung alles Heidnischen, alles Ueberflüssigen, alles Entstellenden entkleidet — dann fürwahr! werden unsere kommenden Geschlechter niemals schwanken, welchen Weg sie einzuschlagen haben, dann wird das Heidenthum nicht unter der Maske das zu bekämpfen, was die Religion entstellt, niemals über sie Herr werden. Dann wird die reine Flamme der Anbetung auf den Altären unserer Herzen brennen, dann wird der blaue Himmel eines ewigen Frühlings, einer ewigen Jugend über die Flur unserer Religion sich wölben. 2) Und dann: du stehest auf heiligem Boden, ziehe die Schuhe ab, damit du ganz und unmittelbar darauf stehest, nichts Fremdes zwischen ihm und dir sei. Nein! niemals war die Lehre allein Israels,'sondern Lehre und Leben geeint, Wort und That, Gedanke und Werk. So tritt sie Euch in Moses entgegen, so in den Propheten, so rufen Euere Weisen Euch zu: nicht die Erklärung, sondern die That ist die Hauptsache, die Grundlage, der Kern. Wollet Ihr die Bekenner der Lehre sein, welche das Ich aufgiebt vor dem Andern, nun so müsset Ihr die Selbstsucht in Euch vernichten, dann muß all Euer Werk Gerechtigkeit sein gegen Alle, Liebe gegen Alte, Brüderlichkeit gegen Alle, Bescheidenheit gegen Alle, besonnen, mäßig, genügsam, weise, dann müsset Ihr nach Erkenntniß streben und nach Tugend ringen. Sonst aber seied Ihr Heiden im Leben, wenn Ihr tausendmal in der Lehre und im Worte zum einigen Gotte Euch bekennet; dann hinket Ihr auf zween Seiten, bis Ihr strauchelt und fallet. Nein! die That muß in Israel kommen, hinweg mit den staubbedeckten Schuhen, mit den fleckenreichen Gewändern. Nicht Worte, sondern Werke. Auflebe der Geist der Brüderlichkeit in Euch mit neuem Feuer, und der Geist der Gerechtigkeit festige sich in Euch mit neuer Kraft und der Geist der Wahrheit beherrsche Euch, Wahrheit ist aber niemals, wo die That nicht dem Worte, wo das Leben nicht der Lehre entspricht. So ziehet die Schuhe ab von Eueren Füßen, und stehet auf dem heiligen Boden, darauf Ihr gestellet worden, zu Euerm Segen und zu Gottes Verherrlichung! Amen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 24. März. Die Köln. Zeit, läßt sich von hier aus schreiben: „Eine auffallende Erscheinung an unserer Börse ist seit Kurzem die zunehmende Entwerthung einzelner baierischen Effektengattungen. Wie man vernimmt, rührt dieselbe von massenhaften Verkäufen für Rechnung baierischer Israeliten her, die in Folge der verweigerten Emanzipation ihrem Geburtslande den Rücken kehren wollen. Auch die Grundablösungsscheine sind seit Kurzem von 90 auf 80 pCt. herabgegangen, was besonders den Herren Reichsräthen empfindlich sein mag." Berlin, 26. März. (V. Z.) Bei einer in diesen Lagen vor dem hiesigen Stadtgericht auf Requisition des Kreisgerichtes zu Prenzlow stattgehabten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.