Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1850)
- Date
- 1850-04-08
- Page
- Seite 203 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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203 Ich, und trittst nicht heraus, sondern überträgst dein Ich überall hin, daß du es überall hast und thuest, du bist dir der Gott, wie Alles seines Daseins Ursache, dir opferst du Alles, was dir widersteht, und nur was dir schmeichelt, gefällt dir, denn dein Ich ist dir der Herr alles dessen, was es erreichen kann, denn die Macht, als der Ausfluß deines Wesens, ist das Gesetz, ist die Nothwendigkeit der Natur. Sehet, m. Fr., da habe ich Euch gezeichnet die beiden Anschauungen, die nun einander bekämpfen, so lange sie neben einander bestehen. Die Religion, das Hinaustreten aus dem Zch, dessen Hingebung an das All, an Gott, an die Menschen, an die Wesen, das ist die religiöse Idee, die Gotteslehre, die mit Israel in die Welt getreten, aus Israel in die Welt gedrungen, kämpfend und ringend mit jener andern, mit dem Heidenthume, mit dem Ich, das sich in sich versenkt, und sich überall setzt, statt Gottes, statt der Wesen, statt der Menschenbrüder, Ich, und nur Ich. Jenes der heilige Boden, auf dem wir stehen, seit vier Jahrtausenden, o wenn auch oft in beschmutztem Gewände, in unreiner Fußbekleidung, aber sie standen doch darauf unsre Vater, und noch sind auch wir nicht von dannen gewichen. II. Wir sehen also, m. Fr., was in verengen Brust des Menschen, in der stillen Kammer seines Herzens stets vor sich geht, dieser Kampf des Jchs mit sich selbst, um sich in seinem ganzen Wesen geltend zu machen, oder dem außer ihm unterzuordnen, das hat sich auch als großes Ganzes in der Menschenwett hingestellt, als-die Gotteslehre und als die Jchlehre, jenes die Religion, die von Israel ausgegangen, von Israel getragen, von Israel vertheidigt, dieses das Heidenthum, das theils immer wieder in die Kirchen, ja auch in das Judenthum eindrang, und da theilweise Platz griff, dann aber auch als selbstständige Lehre immer wieder erstand. Dieser Kampf bestand von je, dieser Kampf besteht noch jetzt, ja erneuet sich wieder mit größerer Heftigkeit. Und sehet, weil das Heidenthum in allen Kirchen und auch im Judenthume theilweise Platz gegriffen, weil gewisse Formen und Lehren der Kirche und auch des Judenthums heidnisch geblieben — darum hat das Heidenthum selbst ein leichteres Spiel gegen dieselben, denn zuerst bekämpft es die Religionen wegen dessen, was in ihnen heidnisch ist, unj (ergrabt sie dadurch und macht sie schwankend, um dann i selbst in seiner Ganzheit aufzutreten, und die Bekenner der Religionen triumphirend in seine Hallen zu führen. Das ist das große Geheimniß dieses Kampfes, aber wenn wir es. also erkannt haben, so wissen wir auch, wie wir uns zu verhalten. So lange der Kampf nur der Vernichtung dessen gilt, was Heidnisches sich in Form und Lehre der Religion eingedrängt, so lange er gilt, die Gotleslehre in ihrer Reinheit innerhalb der Religion herzustellen, so lange ist es ein Kampf üusb, crpninb N21V1 im Namen des Herrn, und er bestehet. Dann aber, wenn er die Vernichtung der Religion selbst, die Untergrabung der Gotteslehre, den Triumph des ganzen Heidenthums, der Jchlehre bezweckt, dann müssen wir uns schaaren wider ihn, und das höchste Kleinod der Menschheit und des Menschen vertheidigen mit höchster Kraft und jeglichem Opfer. Und sehet, m. Fr., auf diesem Punkte sind wir in der Gegenwart angelangt. Hört Ihr den Ruf: Israel solle sich austösen, Israel brauche keine Gemeinde mehr zu bilden? Das ist der Ruf des Heidenthums, das sich an die Stelle der Gotteslehre setzen will; das ist der Ruf der sich selbst überschätzenden Aufgeklärten, die zu wenig aufgeklärt sind, um zu sehen, daß wie sie sich heute Israel entziehen, morgen dem Heidenthume haltungslos in die Arme sinken. Wie? sollte darum Israel vier Jahrtausende gewesen sein, damit .nur so und so viele Menschen die Formen der Kirche verleugnen, und, wenn dies geschehen, sich all der Ungewißheit, all der Unbestimmtheit hingebe, welche doch nur am Ende der Raub des Heidenthums werden kann? Oder ist es darum geworden, gewesen und ist, um die Gotteslehre für immer zu tragen, und ihr zum Siege zu verhelfen, nicht durch äußere Mittel, sondern von innen heraus und in der Freiheit zum Siege über die ganze Menschheit? — Wohl, Israel selbst ist auf den Punkt der höchsten Freiheit angelangt: der Staat hat sich aller Einwirkung auf die Gemeinde Israels begeben; die Juden als Solche sind keinen Ausnahmegesetzen mehr unterworfen; jeder Jude steht frei da, sich selbst bestimmend über die Formen des Judenthums, kein Bann, kein Zwang, nicht ein Wort der Ausschließung findet statt, er mag erfüllen welche Form des Judenthums es sei, oder nicht-nun, weiter könnet Ihr nicht gehen, jetzt steht Ihr an dem äußersten Punkte des Scheideweges: wollet Ihr den sonnenbeschienenen Weg der Gotj teslehre gehen, wollet Ihr auf dem heiligen Boden der i Gotteslehre verbleiben, oder wollet Ihr in die grauen Nebel des Heidenthums Euch verlieren? Wählet. Wisset aber, daß Ihr nicht blos wählet für Euch, sondern auch für Eure unmündigen Kinder, die Euch der Herr anver-