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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-08 · Heft 15 (8.4.1850) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 15 (8.4.1850)
Date
1850-04-08
Page
Seite 202 (sequence 6)
Language
German
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202 „Jeglicher wohnet unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum, und Niemand schrecket" (Micha 4, 4.); wo -m« -m* 'n s-pst» alle Welt erkennet den einigen Gott und anbetet den einigen Gott! Amen. Kum zweiten Tage. Andächtige Zuhörer! Wir sind in unsrer gestrigen Betrachtung in der Mitte unsers Weges stehen geblieben. Wir sahen die Erscheinung des Mannes mit dem gezückten Schwerte vor Joschua, als das Zeichen des großen Kampfes, der durch die Menschheit und ihre Zeiten geht; wir erfuhren die Frage Joschua's „gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?" als das ewige Losungswort der beiden Parteien, in welche die Menschheit zerrissen ist und sich bekämpfet; wir hörten die Antwort auf diese Frage: „Nein!" zu Beiden gehör' ich nicht, 'rr «22 *0« rs, „sondern ein Heeresfürst des Ewigen bin ich": über den menschlichen Parteien, die immer nur der Wahrheit und des Rechtes einen Theil bergen, waltet die göttliche Führung, welche mitten durch alle Kampfe der Parteien und vermittelst derselben die Menschheit weiterführet und durch die Jahrtausende ihrem höchsten, letzten Gedanken näher. Vernehmen wir nun das Weitere. Als Joschua diese Worte gehört: innttPi inin« "PDD b« bspi „da siel er auf sein Antlitz und beugte sich" (Josch. 5, 14.) Er beugte sich vor dem Höchsten, das er als Solches anerkennt, und sprach: b« ‘-QTß m« NN „was redet mein Herr zu seinem Diener?" Echt menschlich, denn das ist der Wahn, der des Menschenbrust nie verlaßt, als ob auf die Fragen, die sein Herz erfüllen, sofort bestimmte Antwort erfolgen werde und könne, und ihm all die Räthftl gelöst, und die. Entscheidung auf immer in seine Hand gegeben. Aber die Antwort lautet in Nichts als: ^bV2 biü «in UNP v»b* -MV!-in« -M« tnpöii '2 ^b^ bV2 „Ziehe deinen Schuh von deinem Fuße, denn der Ort, darauf du stehest, heilig ist er." p Vwii-p wV-'i „Und Jehoschua that also." Wohl, m. Fr., so lasset auch uns heute also thun; auf dem heiligen Boden, darauf wir stehen, lasset uns verbleiben; lasset uns darauf stehen unmittelbar mit den Füßen unsers Geistes, nichts Trennendes sei zwischen ihm und uns. I. Auf heiligem Boden stehen wir. Was ist das für ein heiliger Boden? Wenn wir das Wort „heilig" hören, sind wir zweifelhaft, was es bezeichne? Sind es die Bedürfnisse des Leibes, die wir befriedigen? Nein. Sind es die äußeren Güter, die wir erwerben? Fürwahr nein! Sind es die Ehren der Menschen, die uns zu Theil werden? Auch das nicht. Oder die Stellung, der Einfluß, die Macht bei den Menschen, die wir erlangen? Gewiß nicht. Aber wenn du deine Eltern ehrst, wenn du deinen Geschwistern ein Opfer bringst, wenn du von ganzer Seele gen deinen Gatten, deine Gattin Treue übst, von ganzem Herzen deiner Kinder Heil beschickst — das Alles ist doch ein Heiliges? Oder wenn du Liebe übest gegen deine Menschenbrüder, am Tage wirkest für ihr Wohl, in den Nachten sinnest auf ihr Bestes — das ist doch ein Heiliges? Und wenn du einher wandelst bescheiden, besonnen, mäßig, genügsam, wohlwollend, weise, wenn du daran denkest stets, daß dein Herz wachse an Tugend und Reinheit, und dein Geist an Erkenntniß; und wenn sich deine Seele erhebet, lauternd erhebet, anbetend und verherrlichend zum Urquell des Lebens und des Lichtes, zu Gott — das ist doch Heiliges. Und wenn du nun alles, alles dies, was so geübt und so empfunden heilig ist, mit Einem Worte benennest, wie anders als Religion, Religion! . .. Religion? Was ist, was enthält, was bedeutet dieses große, viel vernommene, viel verkannte, viel mißbrauchte, und doch ewig herrliche Wort Religion? Nichts anders als das Verhaltniß des Menschen über sein Ich hinaus. Wo das Ich ein Verhältniß anknüpft, sei es selbst mit ten Geschöpfen unter uns, sei es mit den Jchs in Menschengestalt in kleinen und großen Kreisen, sei es daß der Geist sich aufwärts lenket, und den Urquell alles Daseins sucht und findet, und nach dessen Willen fragt und ihn erkennet — überall ist da Religion. Aber wie ist da überall die Religion? Entweder du trittst da überall aus diesem Ich heraus, und sagst, dieses ist nicht um deinetwillen, sondern du um seinetwillen, darum darfst du nicht thun, was dir gefällt, sondern was ihm gefällt, nicht was dir wohlthut, sondern was ihm wohlthut, darum deinen Eltern Ehrfurcht, deinen Geschwistern, deiner Gattin, deinen Kindern Treue, darum deinen Mitmenschen Liebe, den Geschöpfen unter dir Barmherzigkeit, darum Gotte Anbetung und Läuterung-oder du verbleibst in deinem

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