Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1850)
- Date
- 1850-04-08
- Page
- Seite 200 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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200 nen sich dir unsere Reihen, unsere Arme, unsere Schätze; gehörst du zu unseren Feinden, dann Tod dir und Verderben, keine Schonung, keine Barmherzigkeit, sei's im Lichte der Sonne oder im Dunkel der Nacht, sei es im offenen Kampfe oder durch heimlich schleichende List, wir vernichten dich! Dies ist der Kamps zwischen den Menschensöhnen. Und nun, m. Fr., dieses Losungswort der Parteien „gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?" dieses Zeichen, daß zwei erbitterte, auf Tod und Leben kampfende Parteien einander gegenüberstehen, ist es nicht gerade in unseren Tagen ein stets und überall vernommenes? Auf welches menschliche Gebiet können wir blicken, ohne dasselbige zu gewahren? Sehen wir auf die Politik, die Verfassung der Staaten, welch ein Riß geht durch die ganze Menschenwelt von Osten bis zum fernen Westen. Hier die Einen, welche die Gesammtheit des Volkes zur Herrscherin des Volkes machen, dort die Anderen, welche die Machtvollkommenheit der fürstlichen Herrschaft erhalten wollen, die Einen^ welche die Führung der bürgerlichen Gesellschaft Allen, die Anderen, welche fie nur Einigen überweisen wollen. Es ist ein ungeheurer Kampf, der bereits sechzig Jahre die Welt erschüttert, und bis heute noch zu keiner Entscheidung gebracht worden. Bald siegt die eine Partei hier, bald die andere dort, keine noch dauernd, und der Ausgang zweifelhaft. Doch das merke Dir: jede rufet, „gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?" und will eine Antwort, zermalmend was in der Mitte stehen zu bleiben gedenket. Und blicken wir tiefer, gehen wir in die inneren Zustande der Gesellschaft ein: welch' ein Kampfplatz erscheinet uns da. Was ist das Neue, das sich hier gebären will? Die ganze alte Ordnung der Gesellschaft ist da in Frage gestellt. Was bis jetzt nur der Kampfpreis der Einzelnen war, der Erwerb, der Besitz, der Eine reich, der Andre arm, heute reich, morgen arm, das wird zur Streitfrage der Gesammtheit gemacht. Alle sollen Alles, und Alle Nichts haben. Das Einzelwesen soll aushören, und Jeder nur ein Glied des großen Ganzen sein. Ein Zweck, ein Ziel, ein Erfolg soll Alle fesseln, Alle beherrschen!!! Da wird die ganze menschliche Gesellschaft in zwei erbitterte Parteien geworfen, „zu wem gehörst du?" wird Jeder gefragt. Das ist ein weit ausschender Kampf für Jahrhunderte, und er hat erst begonnen. Und sehen wir von diesem Allgemeinem zum Naherliegenden, blicken wir auf das gewerbliche Leben, haben wir nicht auch hier dieselbe Erscheinung? Die eine Partei will volle Freiheit zu treiben, was Jeder will. Niemand soll in seinem Erwerbe, im Erringen von Hab und Gut, in der Anwendung seiner Kräfte irgend beengt sein; die andere will Bedingung, Regel, Sonderung, und glaubet dadurch Besserung der menschlichen Zustande, wenn auch nicht Heilung zu erlangen. Aber sind es blos diese Verhältnisse der Gesellschaft, die gewürfelt sind in gegenüberstehende Parteien? Das innerlichste, das geistigste Gut des Menschen, das, was ihm Erd und Himmel verbindet, das, wodurch er sich über das Leibliche erhebt, das Religiöse, die Religion, ist fie nicht ebenfalls längst der Gegenstand heißer Kampfe? Aber wer tiefer sieht, weiß, daß der größte Kampf ihr erst noch bevorstehet. Es gilt jetzt nicht mehr, ob diese oder jene einzelne Form der Religion veraltet sei oder noch Leben habe, ob diese oder jene Form noch Verpflichtung habe für die Bekenner oder nicht — es handelt sich um die ganze Existenz der Religion, um immer weiter schreitende Auflösung oder nicht, und damit od die religiöse Idee, die Gotteslehce und ihre Folgen in der Menschheit walten soll, oder jenes Heidenthum, welches schon so oft besiegt, immer wieder ersteht, weil es in der Selbstsucht, in der Selbstvergötterung des Menschen seine Quelle hat. Auch hier wird es bald heißen: „gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?" Auf der einen Seite werden sich schaaren alle die ihre Kraft und die Weihe des Lebens und die Erhebung und das einzig Tröstende im Glauben und Hangen an dem Gott, der der Urquell alles Seins istfinden — auf der andern die, welche in der Trostlosigkeit über die Verhältnisse der Menschheit, oder in dem alleinigen Streben nach dem, was die Erde bietet, sich selbst als Gott erkennen. Dies, m. Fr., ist der Blick in die Menschheit, so gleichet Alles belagernden und belagerten Heerestagern. Wie Joschua sinnen wir, wie Joschua sehen wir ein gezücktes Schwert über die ganze Menschheit gestreckt, und wie Joschua müssen auch wir in jedem einzelnen Falle fragen: „gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?" Aber, m. Fr., was ist denn die Antwort des Mannes, zu dem Joschua trat und ihn also fragte? ab „Nein!" Nein? Wem gilt diese Verneinung? „Gehörst du zu uns?" „Nein." Also „zu den Gegnern?" „Nein." Also zu Beiden nicht. Nun, so will ec mitten inne stehen, will vermitteln, will Frieden stiften zwi-