Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1850)
- Date
- 1850-04-08
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
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199 sind, sind wir es nur aus langst und jüngst vergangener Zeit heraus. Darum stärke uns zu solcher Feier, darum festige uns zu solcher Einsicht — denn Du allein bist der Fels des schwachen Sterblichen, und sein Hort und seine Säule und sein Grundstein — Amen! Andächtige Zuhörer! Für die beiden Stunden, die wir andächtiger Betrachtung heute und morgen, an diesem abermals erschienenen Feste, zu widmen gedenken, habe ich eine tiefe, schwerverständliche Stelle der Schrift, den Schluß der heutigen Haphtora, Joschua 5, 13—15., gewählt, den Ihr mir zu verlesen gestattet. „Und es geschah, als Joschua um Jericho war, da erhob er seine Augen und schauete, und siehe, ein Mann stand vor ihm und sein Schwert gezückt in seiner Hand. Und Joschua ging auf ihn zu und sagte ihm: Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden? Und er sprach: Nein! sondern ich bin ein Heeresfürst des Ewigen, jetzt bin ich gekommen. Da siel Joschua auf sein Antlitz zur Erde und beugte sich und sprach zu ihm: Was redet mein Herr zu seinem Knechte? Und der Heeresfürst des Ewigen sprach zu Joschua: Ziehe deinen Schuh von deinem Fuße ab, denn der Ort, auf welchem du stehst, ist heilig. Und Joschua that also." Ihr wisset es, m. Fr., mit wenigen Ausnahmen fließet die heilige Schrift in lauteren, durchsichtigen Wellen hin, labend das Herz und erhellend den Verstand, also sich unterscheidend von den alten Büchern anderer Urnationen, die in das Dunkel des Geheimnißvollen sich verhüllen. Um so wichtiger ist es, da das Verständniß zu erschließen, wo dieses dem oberflächlichen Blicke sich entziehet. Es muß da ein tieferer Sinn versenkt liegen, und diesen Schatz wünschen wir zu heben. Und wie erscheinet uns da gerade die verlesene Stelle voll Schwierigkeiten? Doch nein! wir wollen die vielfachen Meinungen der Erklärer nicht aufführen, wir wollen auch unsere Stelle in ihrem Zusammenhang mit ihren Umgebungen nicht betrachten, obgleich es leicht einzusehen ist, daß sie eben nur die symbolische Einführung der im folgenden Kapitel gegebenen Eröffnung an Joschua, wie das belagerte Jericho eingenommen werden solle, ist, wie wir solcher symbolischen Einführungen viele in der Schrift haben, da wo ein unmittelbares Eingreifen Gottes in den Gang der Begebenheiten in die sichtliche Erscheinung treten soll — sondern lastet uns die Schriststelle ganz allgemein auffaffen, und die vielen und großen Erkenntniste suchen, welche in ihre Tiefe hineingelegt find. Mit langsam schwellenden, die Aufmerksamkeit weckenden Worten hebt das Schriftstück an: «*vn tw »tövi wpa Vwir-p rvpi-n wi „Und es geschah, als Jehoschua war um Jericho, da erhob er seine Augen und schauete." Um das eng eingeschlossene Jericho lagerte das Heer Jisraels, an seiner Spitze Jehoschua. Es war die erste Stadt Kanaans, auf die sie gestoßen, es war der erste Schritt, von dessen Erfolg es abhängen mußte, ob Jisrael aus vierzigjährigem Wüstenleben in das gesegnete Land der Verheißung siegreich eindringen, oder zurück in die trostlose Steppe weichen müßte. Es war einer jener seltenen Augenblicke, die nur in Jahrhunderten wiederkehren, die eine Entscheidung auf Jahrhunderte zum Inhalte haben. Das war für den Feldherrn eine Stunde des Sinnens, eine Stunde des innern Versenkens, des Erwagens, des Schauens. WZ SlDlblö Wm TlJlA "WV ttPK N2N1 „und siehe, ein Mann stand vor ihm und sein Schwert gezückt in seiner Hand." Dies war die Erscheinung in ihrer Aeußerlichkeit. Ein Mann, das Schwert gezückt in seiner Hand. Wie? was soll dies bedeuten? Wenn Ihr einen Mann sehet mit gezücktem Schwerte vor Euch, was will er, was bedeutet er? Das ist das Zeichen des Kampfes, davor Euch ist. Ihr zweifelt nicht. Wenn das Schwert geborgen ist in seiner Scheide, dann ist der Kampf möglich, aber er ist noch nicht da, es ist Friede, Friede, gerüstet zum Kriege, wenn er kommen sollte, aber es ist Friede. Aber wenn die Faust greift zum Schwert-, und es rasselt in der Scheide, und sie ziehet das Schwert, und sie zücket das Schwert: dann ist Kampf, blutiger, vernichtender Kampf, Niemand weiß, wann das Schwert zurückfallen wird in die Scheide. Aber das Zeichen des Kampfes wird schon zur Wirklichkeit des Kampfes: ■watb nna A pba snmirp „Und Jehoschua ging auf ihn zu und sagte zu ihm: gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?" Da habet Ihr ja den Kampf ganz und gar. In dieser Frage spricht er sich aus. „Gehörst du zu uns oder zu unseren Gegnern?" also da stehen sich schon zwei Parteien gegenüber im Kampfe; die Spaltung, der Bruch ist schon zum Kampfe geworden; und wen Du triffst, fragst Du: „gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden;" gehörst du zu uns, dann sei willkommen, es öff-