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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-01 · Heft 14 (1.4.1850) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 14 (1.4.1850)
Date
1850-04-01
Page
Seite 195 (sequence 15)
Language
German
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195 denn von den tausend Talenten, die er sich hatte aus- I zahlen Lassen, waren vierhundert Talente auf die Geschenke verausgabt worden; es blieben ihm also zum eigenen Gebrauch noch sechshundert Talente von 214,200 Lhlr. Von dem Könige aufgefordert, ein Gegengeschenk zu verlangen, wünscht er Etwas, was den König selbst Nichts kostet, ihm selbst aber mehr werth sein mußte, als das Kostbarste aus dem königlichen Schatze, einen Schutzbrief gegen seine Feinde in Judäa, und mit diesem versehen, konnte er dreist seinen Widersachern im Vaterlande entgegentreten. Die Brüder, deren Haß die Liebe des Vaters zum Stiefbruder immer noch zurückgehalten hatte, erhielten jetzt an dem Vater selbst einen Bundesgenossen, da er dem Sohne den listigen Streich, der ihn um tausend Talente gebracht, nicht verzeihen konnte. Sie wagen es, offen gegen ihn aufzutreten, indeß der Vater, um nicht auch die Gunst des Königs zu verscherzen, den Zorn verbirgt. Hyrkan tragt den Sieg davon und tödtet zwei seiner Brüder. Aber hiermit war der Streit noch nicht geendet; vielmehr machen die übermülhigen Reichen ihren Familienzwist zur Votkssache, und die Juden theilen sich in zwei Parteien. Die Brüder haben die Mehrzahl der Angesehenen, selbst den Hohenpriester, auf ihrer Seite, und Hyrkan muß seiner Sicherheit wegen jenseits des Jordans eine Zuflucht suchen. Wie er sich in Egypten als schlauen Spekulanten gezeigt, so tritt er hier als kühner Freibeuter auf. Er bekriegt mit vielem Glück die benachbarten Stämme der Araber und sichert sich gegen seine Feinde durch Anlegung einer festen Felsenburg, die er mit vieler Pracht, aber, wie es scheint, mit rohem Geschmack, aufführt. Er endet, wie ein Tragödienheld, mit einem Selbstmorde, um nicht der Strafe des Syrerkönigs anheimzufallen. In dem Kriege zwischen Egypten und Syrien, 203, halt Joseph und sein Anhang treu an Egypten, aber das Volk unterwirft sich' Antiochus dem Großen von Syrien, der ihm Unverletzlichkeit des Tempels verspricht. Unter Antiochus' Nachfolger, Seleukus IV. Philopator oder Soter, 187 —176, genoß das Land von außen Ruhe; aber innere Bewegungen bereiteten damals die folgende Katastrophe vor. Joseph starb um diese Zeit, seine Familie aber scheint mit seinen Schätzen seinen Einfluß geerbt zu haben. Die Großen und Reichen hatten griechischen Luxus und griechische Sitten liebgewonnen, und da das väterliche Gesetz ihnen unbequem sein mochte, so mußte es um jeden Preis beseitigt werden, sollte auch das Volk, das noch dem Glauben der Väter treu blieb. darüber zu Grunde gehen. Mit den Großen verbanden sich bald ehrgeizige und eigennützige Priester, selbst aus der Familie des Hohenpriesters, die dem Treiben Jener durch ihr Ansehen eine gewichtige Sanktion geben sollten. Nach des Hohenpriesters Simon Tode folgte ihm sein Sohn Onias II., ein dem Gesetz ergebener, frommer Mann, der im Interesse des Glaubens und des Volkes zu handeln meinte, wenn er die Neuerungssüchtigen und Unruhestifter aus dem Lande wiese, und so geschah es, daß auch die Söhne und Enkel des Tobias verbannt wurden (Josephus, jüd. Krieg I. 1). Durch Jntriguen gelang es ihnen, den Hohenpriester zu stürzen und dessen Bruder Josua oder Jason, der mehr mit ihnen sympathisirte, an seine Stelle zu setzen. Dieser zahlte dem Könige Anriochus Epiphanes von Syrien einen bedeutenden Tribut und erkaufte sich die Erlaubniß, Ringschulen in Jerusalem anznlegen und die Jugend nach griechischer Weise zu erziehen; ja, er sandte selbst dem Herkulestempel zu Antiochien bedeutende Opfer. Ihm wurde, was er an seinem ältern Bruder gethan, von Onias oder Menetaus vergolten, der,von ihm als Gesandter nach Antiochien geschickt, durch das Versprechen eines größern Tributs sich die Hohepriesterwürde erkaufte. So kam es zum Kampfe zwischen den beiden Hohenpriestern. Zur Partei des Menelaus gehörte die Familie des Tobias. Sie unterlag, rief aber die Hilfe des Königs Antiochus an, mit dem Versprechen, nun ohne Scheu den griechischen Götterkultus einzuführen. Menelaus wurde durch fremde Gewalt in sein Amt eingesetzt. Die Beschneidung und die Feier des Sabbats tvurden abgeschafft und die heiligen Schriften überall, wo man sie fand, vernichtet. Jetzt begannen die schrecklichsten Greuel des syrischen Machthabers, um mit Gewalt dem Griechenthume den Sieg zu verschaffen, und die Großen boten dem Tyrannen nicht blos die Hand, sondern reizten ihn noch mehr, über ihre unglücklichen Brüder das Härteste zu verhängen (Josephus, Atterth. XII., 5, 1.; 1. Makk. 1, 45. ff.; 2. Makk. 4). Aber das von seinen Führern und Großen verlassene und verrathene Volk half sich selbst. Die Hetdenfamilie der Makkabäer rettete das Volk mit dem Eisen ihres Schwertes und dem Muthe, den ihnen ihrer Vater unverfälschter Glaube einflößte, aus dem Verderben, in das er das Gold schlauer Spekulanten und die Herrschsucht herzloser Priester gestürzt hatte. Ihr Ruhm lebt ewig fort, indeß die Namen jener Griechenaffen längst verklungen und vergessen sind. E. M.

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