Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1850)
- Date
- 1850-04-01
- Page
- Seite 194 (sequence 14)
- Language
- German
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194 eines solchen Vaters würdig zeigte; die übrigen waren, trotz des besten Unterrichts, den ihnen der Vater hatte ertheilen Lassen, roh und unwissend geblieben, weit sie, wahrscheinlich im Bewußtsein, einen reichen Vater zu haben, jede Anstrengung, etwas Tüchtiges zu lernen, gescheut hatten; ein Unglück, das auch heute noch so manchen reichen Vater trifft. Dafür hatte Joseph die Entschädigung, daß sein jüngster Sohn Hyrkan so trefflich die Lehre und das Beispiel seines Vaters benutzte, daß er, an Schlauheit noch dem Vater überlegen, selbst diesen überlistete und einen Theil des väterlichen Vermögens darauf verwendete, sein eigenes Glück, unabhängig von Vater und Geschwistern, zu gründen. Originell ist die Prüfung, welcher der Vater den dreizehnjährigen Knaben unterwirft. Er besteht sie über Erwarten des Vaters gut, indem er zeigt, daß er es wohl verstände, wie aus Anderer Haut, zumal wenn sie Ochsen sind, gut Riemen schneiden sei. Joseph war alt geworden, und das gewöhnliche Uebel reicher Greise hatte sich auch bei ihm eingestellt, der Geiz. Ihm war durch lange Gewohnheit das Geld lieb geworden und gleichsam so mit seinem eigenen Wesen verwachsen, daß es ihm über Familie, Ehre und Fürstengunst ging. Dem König Ptolemäus war ein Sohn geboren worden, und die Pflicht erforderte es, dem Könige bei dieser Gelegenheit Glückwünsche, begleitet von reichen Geschenken, abzustatten. Joseph selbst kann die Reise nicht mehr unternehmen, und keines seiner Söhne, außer Hyrkan, war geeignet, des Vaters Stelle zu vertreten. Gern überlassen die Brüder dem Hyrkan diese Ehre, weil ihnen seine Reise eine Gelegenheit darzubieten schien, durch ihre Freunde in Egypten sich dieses Stiefbruders, der ihnen im Wege war, zu entledigen. Hyrkan weiß, wessen er sich von seinen Brüdern zu versehen habe, und ihm soll die Reise nach Egypten gerade die Mittel verschaffen, ihren Jntriguen zu widerstehen. Er erfreut den Vater mit der Aeußerung, daß er mit nicht mehr als 10,000 Drachmen oder 2380 Thalern die Reisekosten bestreiten würde, das ist also gerade die Hälfte von dem, was der Vater bei seiner ersten Reise gebraucht hatte; und der Vater kann nur den Vorschlag des Sohnes billigen, die Geschenke für den König in Alexandrien und nicht in Jerusalem, wo sie nur theurer und minder gut zu erhalten waren, einzukaufen; und wie leicht konnten sie nicht unterwegs geraubt oder beschädigt werden. Der sparsame Sohn brauchte erst nicht besonders ermahnt zu werden, ja nicht zu viel auf die Geschenke auszugeben, und unbedenklich konnte ihm der Vater einen unbeschränkten Kreditbrief an seinen Geschäftsfrüher Arion in Alexandrien mitgeben. Arion nannte sich der Mann, wahrscheinlich aber hieß er eigentlich Aaron und hatte seinen Namen in den griechischen umgewandelt, daß man ihn nicht für einen Juden, sondern für einen Griechen halte. Diese Namensumwandlung fängt gerade in dieser Zeit, wo Judenthum und Griechenthum in Konflikt kamen, sehr häufig zu werden an, und man verfuhr hierbei auf ähnliche Weise, wie bei uns, daß man dem hebräischen Namen einen ähnlich klingenden fremden unterschob. So hieß der Bruder Josephs wahrscheinlich Salomon, änderte aber seinen Namen in Solymius um; der Hohepriester Josua nannte sich Jason, Onias Menelaus, Jojakim Alkimos, und der Name bietet von der Zeit an ein ziemlich sicheres Merkmal dar, die gräzisirenden und später romanisirenden Juden von den altgläubigen zu unterscheiden. Arion hatte damals, als Hyrkan nach Egypten kam, 3000 Talente oder 1,071,000 Thlr. in Kassa liegen. Hyrkan fordert 1000 Talente, und der bestürzte Arion verweigert sie ihm, weil er es nicht zugeben könne, daß der Sohn das vom Vater mühsam erworbene Geld verschwende; Hyrkan indeß weiß sich durch eine energische Maßregel in den Besitz der ihm nöthigen Summe zu setzen. Er erlangt die Gunst des Königs, entgeht aber nicht der Verachtung und dem Spotte der Hofleute. Selbst an der Tafel des Königs können sie es nicht unterlassen, den verhaßten Juden, dem sie es nicht verzeihen können, daß sein Vater durch die Pacht der syrischen Zölle reich geworden war, dem Gelächter preiszugeben. Aber Hyrkan ecwiedect ihren Spott durch einen echt jüdischen Witz, wodurch er zuletzt die Lacher auf seiner Seite hat. Mit vieler Schlauheit spielt er den Demüthigen und Dürftigen, seine Feinde irre zu leiten und sie dann mit einem Schlage zu vernichten. Er verfehlte nicht, den Großen Visite zu machen, erkundigte sich gelegentlich bei der Dienerschaft nach den Geschenken, die ihre Herren reichen würden, und äußerte sein Bedauern, daß er zu solchem Aufwands zu arm sei. Die Diener erzählen es ihren Herren, und diese sehen schon den Juden in Ungnade beim Könige. Wir können uns ihre unangenehme Ueberraschung wol denken, als Hyrkan mit triumphirender Miene seine hundert Knaben und hundert Mädchen, jedes noch ein Talent überreichend, dem Könige und der Königin zuführen sahen, ein Geschenk, das das reichste der Anderen um das Zwanzigfache übertraf. Dabei hatte er selbst den besten Vortheil;