Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1850)
- Date
- 1850-04-01
- Page
- Seite 193 (sequence 13)
- Language
- German
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193 den nothkgeir Geldern zu den erforderlichen Auslagen, mit einem Worte, an einem Betriebskapitals. Da er selbst Nichts besaß, mußte wieder geborgt werden; aber diesmal lieh er nicht von seinen Freunden in Samaria, sondern machte bei den Freunden des Königs eine Anleihe von fünfhundert Talenten oder 187,500 Thlrn. Gewiß sehr verständig, daß ec diese zu seinen Gläubigern machte und, wie sich wol denken laßt, unter Bedingungen, die für sie gewiß die vorteilhaftesten waren; denn nun lag es in ihrem Interesse, ihren Einfluß beim Könige zu seinem Vortheile zu verwenden, und zugleich war ihm dadurch eine Gelegenheit geboten, den gewiffenhaften und zartfühlenden Beamten, wenn es nämlich Solche am Hofe des Königs Ptolemaus gegeben haben sollte, unter dem Namen von Zinsen und Dividenden bedeutende Geldgeschenke zu machen, die sie sonst als gegen ihre Amtspflicht mit Bedauern hatten zurückweisen müssen. Denn dieses ewig giltige Prinzip: wer Geld verdienen will, darf Geld nicht sparen, hatte Joseph schon als wahr erkannt, und nach ihm handelte er auch; „denn er verwendete", wie Josephus sagt, „die Reichthümec zur Befestigung der Macht, die er erlangt hatte, indem er klug und verständig zu handeln glaubte, wenn er mit Hilfe dessen, was er erworben, sich die Gelegenheit und Quelle des gegenwärtigen Glückes erhielte; denn er schickte unter der Hand dem König, der Kleopatra und ihren Freunden und Allen, die im königlichen Palaste irgend Einfluß hatten, viele Geschenke und erkaufte sich auf diese Weise ihre Gunst." — Auf uoch einen Umstand muß ich den Leser aufmerksam machen, woraus er ebenfalls den Mann von Genie erkennen wird. Früher war es gebräuchlich, die Steuer mit Einschluß der konsiszirten Güter derer, die sich gegen den König vergangen hatten, in Bausch und Bogen zu verpachten; Joseph aber bietet für die Steuerpacht 16,000 Talente und verspricht außerdem noch das konsiszirte Vermögen an den königlichen Schatz einzuliefern, scheinbar gegen seinen eigenen Vortheit. Betrachten wir aber die Sache näher, so können wir seine Klugheit hierbei nicht genug bewundern. Gerade dieser Umstand mit dem konsiszirten Gute mußte den Königen oft den erwünschten Vorwand darbieten, Steuerpachter, wenn sie sich recht vollgesogen hatten, wieder auszupressen, indem man sie beschuldigte, sie hätten unrechtmäßiger Weise unter dem Namen von Konfiskation Personen beraubt, und sie zur Wiedererstattung anhielt, wobei sie nicht selten in Gefahr kamen, Alles, was sie zusammengescharrt hatten, wieder herausgeben zu müssen. Diesem beugte Joseph dadurch vor, daß er das konsiszirte Gut an den König adlieferte, der daher jede Klage über ungerechtes Verfahren um so eher zurückweisen mußte, da der Schatz sonst die Entschädigung hatte leisten müssen, und so war dadurch Joseph fast unumschränkte Macht gegen seine Feinde, an denen es ihm in der That nicht fehlen konnte, gegeben, wenn er nur ihr konsi'szirtes Gut an den König adlieferte. Unter welcher Kontrole Joseph bei der Abschätzung und Einziehung der verfallenen Güter gestanden haben mag, weiß ich nicht; es laßt sich jedoch denken, daß er auch hierbei kein schlechtes Geschäft gemacht haben wird. Ein Umstand hatte, trotz aller Klugheit Josephs, das ganze Unternehmen scheitern machen, ja, sogar Josephs Leben selbst in Gefahr bringen können, wenn er nicht in kluger Vorsicht auch dagegen das passendste Mittel gefunden hatte. Es ließ sich nämlich leicht voraussehen, daß die syrischen Städte, vielleicht von ihren Reichen, die die Pacht nicht erhalten hatten, aufgereizt, die Steuern verweigern würden, was um so wahrscheinlicher war, als man dem Juden nicht so viel Energie zutrauen mochte, mit Gewalt durchzugreifen. Joseph bat sich daher vom Könige zweitausend Reiter aus und verfehlte nicht, bald in Askalon, wo man sich ihm zuerst widersetzte, ein warnendes Exempel zu statuiren, wozu, Gott Lob, unsere Finanzmänner nicht genöthigt sind. Daß Joseph durch solche zweiundzwanzigjahrige Geschäftsoperationen sich ein bedeutendes Vermögen erworben haben müsse, haben wir oben schon nachgewiesen, und Josephus versichert es uns auch ausdrücklich. Der nunmehr reiche Joseph wird, tout comine chez nous, lauer gegen das väterliche Gesetz. Er, der früher in Jerusalem für einen frommen Mann gegolten, speist jetzt ungenirt an der Tafel des Königs, verliebt sich in eine schöne Tänzerin und hatte sie auch geheirathet, wenn nicht der Bruder die Sache, die Joseph bei seinen Landsleuten um allen Kredit der Frömmigkeit hatte bringen können, durch eine List Hintertrieben hatte, indem er die Ehre seiner eigenen Tochter der Ehre seines Bruders zum Opfer brachte. Fürwahr, ein seltenes Beispiel von Bruderliebe, wenn nicht etwa, wie es sich von einem Bruder Josephs nicht unwahrscheinlich vermuthen laßt, das Opfer selbst nur eine kluge Spekulation war, der Tochter einen reichen Mann zu verschaffen. Nicht so glücklich, wie in seinen Geschäften, scheint Joseph mit seinen Kindern gewesen zu sein. Don acht Söhnen, die er hatte, war es nur der jüngste, der sich