Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1850)
- Date
- 1850-04-01
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
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192 annäherungsweise eine ungefähre Schätzung vornehmen. Den Geldberechnungen der Alten liegt das Talent zu Grunde, eine Rechnungsmünze, die in verschiedenen Ländern und Zeiten einen verschiedenen Werth hatte. Am Gewöhnlichsten wird von den Schriftstellern unter Talent, wenn sich keine besondere Bestimmung dabei findet, das sogenannte neuere attische gemeint, das nach unserm Gelbe 1428 Thlr. preuß. werth war. Da aber in unserer Stelle von egyptischen Verhältnissen die Rede ist, so mag wol Josephus nur das egyptische kleine Talent gemeint haben, das sogenannte ptolemäische, das ein Viertel des attischen betrug, also nach unserm Gelbe 357 Thlr. Legen wir also dieses egyptische Talent unserer Berechnung zu Grunde, so betrug die Steuer von zwanzig Talenten, die der gei-- zige Hohepriester Onias nicht zahlen wollte, 7140 Thlr., in der That eine geringe Summe, für die nur der schmutzigste Geiz ein ganzes Volk zu opfern bereit sein konnte. Das Pachtquantum der syrischen und phönizischen Steuern, das Joseph zahlte, betrug das Doppelte des Gebots von 8000 Talenten, das die übrigen Lizitanten gethan, also nach unserm Gelde 5,712.000 Thlr. Dazu kamen noch 1000 Talente (357,000 Thlr.) konsiszirtes Gut von den Askaloniten und eine andere nicht namhaft gemachte Summe gleicher Gelder von den Skythopolitanern, so daß das Gesammtquantum im ersten Jahre der Steuerpacht, das er an den König zahlte, nahe an sieden Millionen Thlr. preuß. sich belieft gewiß keine Kleinigkeit für den ersten Versuch eines angehenden Geschäftsmannes. Nehmen wir an, die Pachtsumme wäre immer gleich geblieben, nämlich sieben Million Thaler, so zahlte er in 22 Jahren zusammen 154 Millionen Thlr. Hatte er sich nach Abzug aller Kosten, mit dem mäßigen Gewinn von 10 pCt. begnügt, so mußte Joseph nach dieser Zeit, die Zinsen ungerechnet, das ungeheure Vermögen von 15,400,000 Thlrn., besitzen; wahrscheinlich aber überstieg es diese Summe noch bedeutend. Vergleichen wir damit, daß der Werth des Tempelschatzes mit Einschluß aller kostbaren Gerathe und Gewänder, den Antiochus Epiphanes raubte, nach 2. Makkab. 5, 21. auf 1800 Talente (642,600 Thlr.) veranschlagt wurde, so muß der Reichthum Josephs in der That für die damalige Zeit ein enormer gewesen sein. Man bedenke, daß er selbst, als ec seine großartigen Spekulationen begann, über keine Kapitalien zu gebieten hatte, daß er, ehe er die Reise nach Egypten antrat, gezwungen war, das zur Reise nöthige Geld erst bei seinen Freunden in Samaria zu borgen, und daß Alles, was er auf die Reisekosten und die erforderlichen Geschenke verwenden konnte, nur 2000 Drachmen oder 4760 Thlr. betrug. Kein Wunder, daß die reichen Steuerpächter aus Syrien über den ärmlichen Aufzug des Juden lachten. Nicht wenig mögen sie sich daher geärgert haben, als dieser armselige Jude ihr Gebot um das Doppelte überstieg und als Sieger aus der Zitation herausging. Ja, er hatte ihnen nicht blos für diesmal, sondern für immer das Geschäft verdorben, indem er sie, geichgiltig, ob wahr oder nicht, in den Augen des Königs als schlechte Unterthanen dargestellt, die sich mit einander verabredet hätten, zum Schaden des Königs das möglichst kleinste Gebot zu thun. Noch mochten sie jedoch die heimliche Hoffnung hegen, daß aus Mangel an Kaution von Skiten Josephs die Lizitation annullirt und eine neue Versteigerung stattfinden würde, in der ihnen doch endlich der Zuschlag werden mußte. Und in der That wäre für jeden Andern als unfern Joseph dieser Punkt ein unübersteigliches Hinderniß gewesen. Wer sollte oder wer mochte für den unbekannten Juden, der notorisch nicht in den glänzendsten Verhältnissen war, Bürgschaft leisten oder eine Kaution stellen? Bewundern wir hier mit unserm Berichterstatter Josephus die Gewandtheit und Feinheit unsers Helden. Er verspricht, vom Könige um die Bürgen befragt, die sichersten und besten, und als er sie angeben soll, nennt er den König und seine Gemahlin. Hierin lag das offene Geständniß, daß er keine sicheren Bürgen stellen könne, und zugleich die Bitte um des Königs unbedingtes Vertrauen zu seiner Persönlichkeit, das er sich zu verdienen bestreben wolle. Der König dachte edel genug, ihm, dem unbekannten Fremden, das Vertrauen, um das er ihn auf eine so feine Weise angesprochen hatte, nicht zu verweigern, und schlug ihm daher ohne Kaution die Pacht zu. Freilich wußte Joseph, daß der König im Voraus schon günstig für ihn durch den Hofbeamten Athenion, der ihn vielleicht schon in Jerusalem zu dem Unternehmen veranlaßt hatte und jetzt mit allem seinen Einfluß ihn unterstützte, gestimmt worden sei, und er konnte um so sichrer eine solche Bitte wagen. Aber auch hierin müssen wir die Menschenkenntniß dieses ersten aller jüdischen Geschaftsmanner bewundern, der nach dem richtigen Grundsätze handelte: wer nach der Gunst des Herrn strebt, zeige sich freigebig gegen seine Diener. Die Pacht war hiermit Joseph zugeschtagen, die Konkurrenten hatten beschämt abziehen müssen; nun sollten die Steuern beigetrieben werden; aber es fehlte ihm an