Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1850)
- Date
- 1850-04-01
- Page
- Seite 189 (sequence 9)
- Language
- German
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189 und Reichen, als auch in den Hütten der Armen, denen er nicht nur als ärztlicher Beistand, sondern oft auch als Helfer in materieller Noth erschien. Auch an hohen und höchsten Stellen blieben seine Leistungen auf dem Gebiete der praktischen Heilkunde nicht ohne Anerkennung. So wurde er von des Königs von Preußen Majestät zum Sanitätsrath und von Sr. Hoheit dem Herzoge von Nassau zum geheimen Hofrath ernannt. Seit vorigem Jahre war er auch Begründer ünd Hauptredakteur der hier erscheinenden „Neuen Zeitung für Medizin und Medizinalreform." So im fortwährenden, rastlosen Wirken für Wissenschaft und Menschenheil ereilte ihn der Tod zwar nach längerm 'Leiden, aber ' doch nach menschlicher Berechnung viel zu früh für feine Gattin und seine drei unmündigen Kinder, viel zu früh für seine zahlreichen Freunde und Verehrer, viel zu früh für die hiesige israelische Gemeinde, welcher er eine Zierde war, für unsere Stadt und Umgegend, wie überhaupt für die leidende Menschheit. Er starb am 7. d. M. Abends 9 Uhr in Folge einer Gehirnlähmung. Die Liebe und hohe Achtung, welche sich der Dahingeschiedene zu erfreuen hatte, zeigte sich in erhebender Weise bei seiner heute in früher Morgenstunde stattgehabten ehrenvollen Beerdigung. Ein überaus langer Zug, bestehend aus den Mitgliedern der israelitischen Gemeinde, und aus den angesehensten christlichen Einwohnern, worunter sich viele Gelehrte, Aerzte, Gerichtspersonen und mehrere evangelische Geistliche im Ornat befanden, folgte der irdischen Hülle des theuern Entschlafenen bis zum israelitischen Friedhofe, wo der Prediger Cohn mit tief empfundenen Worten den großen Verlust beklagte, welchen die Gattin, Kinder und Angehörige, die Wissenschaft und die leidende Menschheit, durch den Tod dieses hochverdienten Mannes erlitten haben; wobei er zugleich tröstend hervorhob, wie ja das ganze Leben des Verstorbenen dem Dienste der Menschheit gewidmet, also im wahren Sinne des Worts ein immerwährender Gottesdienst gewesen sei, und daß nach einem so segensreichen Wirken der verklärte Geist gewiß die Palme des ewigen, seligen Friedens errungen habe. Wir schließen dieses Referat mit den Worten des Nachrufes, welchen ihm sein Mitarbeiter, Hr. vr. Bloedau in No. 20 seiner medizinischen Zeitung gewidmet hat: „Ein liebevoller Familienvater, ein treuer, zu jeder Aufopferung fähiger und bereiter Freund, ein menschenfreundlicher, uneigennütziger, unermüdlicher Arzt, wird unser Wessely schmerzlich genug vermißt werden. Er war ebenso durch seine praktische Thäligkeit, zumal auch in operativer Hinsicht ausgezeichnet, wie durch seine gründliche und wissenschaftliche Bildung, die er rastlos weiter zu führen bemüht war. Wer unfern Verstorbenen näher gekannt hat, wird mit uns sein Andenken hoch und heilig halten." Aus dem Großherzogthum Posen, 22. März. (Privatmittheil.) In der Gemeinde Bomst bestand seit einer Reihe von Jahren eine jüdische Elementarschule gleich den Uebrigen in der Provinz. Seit einigen Jahren wurden viele Gemeindemitglieder unvermögend, man betrachtete die Schule als eine Last, die Stellung des Lehrers wurde unleidlich, er verließ dieselbe und nun trat ein sehr oster Lehrerwechsel ein, bis daß sich kein Lehrer verstehen konnte, diese Stelle anzunehmen. Die Jugend wurde auf eine gräuerliche Weise vernachlässigt, denn sie lief ohne alle Belehrung herum. Eine pietistische Partei in der Gemeinde arbeitete der Anstellung eines Elementarlehrers entgegen, da ihr alle geprüften jüdischen Lehrer zu freisinnig sind und ihrer Ansicht nach, die Jugend dem Christenthum zuführen. Durch dieses jesuitische Treiben wurde bewirkt, daß die Missionsgesellschaft, eine Gesellschaft, deren offenkundige Tendenz es ist, die Juden zum Christenthum zu bekehren, für die jüdische Jugend der Gemeinde Bomst, eine christliche Missionsschuleerrichtet, und an derselben einen christlichenMissionslehrer angestellt. Diegesammte Jugend einer jüdischen Gemeinde wird also in einer Missionsanstalt von einem Missionslehrer belehrt!!! Dies ist der Gemeinde recht, denn Lesen, Schreiben, Rechnen u. s. w. lernen die Kinder auch hier recht gut und zwar umsonst. Die Gemeide zahlt keinen Heller Schulgeld, die Missionsgeschaft versorgt sogar die Schüler aus ihrer Kasse mit Unterrichtsmitteln und erhalten dieselben noch außerdem Taschengelder. O! der Verblendung einer ganzen Gemeinde! Wehe, wehe über das Festhalten am Gelbe. Des Geldersparnisses wegen wird das Seelenheil einer ganzen Jugend preisgegeben. Was soll, was 14*