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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-04-01 · Heft 14 (1.4.1850) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 14 (1.4.1850)
Date
1850-04-01
Page
Seite 188 (sequence 8)
Language
German
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188 dienst an diesem Tage um 7 Uhr begonnen, und dies in den berliner Blättern bekannt gemacht!) Nordhausen, 10. März. Die Allgemeine Zeitung des Judenthums hat es sich stets zur Pflicht gemacht, über Leben, Wirken und Schicksale berühmter Zeitgenoffen israelitischen Glaubens getreulich Bericht zu erstatten, und so erfüllen wir denn durch dies weitverbreitete Organ auch von hier aus die schmerzliche Pflicht, den Tod eines Mannes anzuzcigen, dessen Hinscheiden in engeren und weiteren Kreisen mit Recht als ein großer, unersetzlicher Verlust tief empfunden wird. Am 7. d. M. starb nämlich nach längerm Leiden der hiesige königlich preußische Scinitäksrath, herzoglich nassauische geheime Hofrath und praktische Arzt Dr. med. Moritz August Wessely, Großneffeunsersberühmten Hartwig Wessely (bnii '"0 im noch nicht vollendeten 50sten Lebensjahre. Er war am 15. Oktober 1800 zu Bleicherode geboren, woselbst sein Vater als ein verständiger, geschickter Arzt in hoher Achtung stand und sich einer ausgebreitctcn Praxis erfreuete. Unter seiner Aufsicht und unter der Leitung einer edeln, tugendhaften Mutter verstrichen unserm Wessely die ersten Jahre seiner Kindheit und seines Knabenalters, und schon früh entwickelte sich in seinem Geiste und seinem Herzen der Sinn für alles Gute und Schöne, so wie jenes innige, menschenfreundliche Gemüth, das er bis zum letzten Lebenshauche nicht verleugnete. Die Vorbereitung zu seinen Studien empfing er auf dem Gymnasium hiesiger Stadt, wo ihm im Hause seines Oheims, des Herrn Hofagcnten S. Schönfeld, die liebevollste Pflege zu Theil wurde, und er sich durch regen Fleiß und Wohlvcrhalten die Zufriedenheit seiner Lehrer zu erwerben wußte. Nach redlich vollendeter Schulzeit bestimmte er sich für den Beruf seines Vaters und bezog die Universität Göttingen, wo er unter Leitung des berühmten Himly den Grund zu seiner nachmaligen Tüchtigkeit im Gebiete der Augenheilkunde legte. Zur Vervollständigung seiner Studien, und um sich schon in seinen Jugendjahren einen höher» Grad praktischer Erfahrung anzueignen, ging er, durch die Munisizenz seiner Oheime, der Herren Gebrüder Benedicks in Stockholm, mit den erforderlichen Mitteln versehen, nach Paris, wo er während eines Aufenthaltes von fünf Jahren in dem Umgänge mit den hervorragendsten Aerzten und in den großartigen öffentlichen Heilanstalten der berühmten Weltstadt zur Erweiterung seines medizinischen Wissens und Könnens die günstigste Gelegenheit fand. Ganz besonders aber war es der in der medizinischen Welt hochbcrühmte Baron Dupuytren, Direktor des Hötcl Dieu in Paris und erster Chirurg Frankreichs, dessen vertrauter Schüler und Freund unser Wessely wurde, und durch dessen Lehre und Vorbild er sichzu einem anerkannt tüchtigen und' geschickten Operateur ausbildete. Die schmeichelhaftesten Lobeserhebungen, welche Dupuytren in seinen Briefen an Wessely's Eltern aussprach und die Glückwünsche, die er ihnen zu dem Besitze eines so talentvollen Sohnes zurief, waren ganz geeignet, das Herz der treuen Eltern mit gerechter Freude und frohen Hoffnungen zu erfüllen. Und sie wurden nicht getäuscht diese Hoffnungen. Ausgestattet mit einem reichen Schatze wissenschaftlicher und praktischer Erfahrungen kehrte Wessely in seinen Geburtsort zurück, wo er sich an der Seite seines Vaters durch glücklich ausgeführte Kuren Ächtung und Vertrauen in der ganzen Umgegend erwarb. Nachdem er auch den vorschriftsmäßigen medizinischen Kursus in Berlin durchgemacht und glänzend überstanden hatte, vermählte er sich mit Fräulein Adelheid Franck aus Breslau, einer Dame von hoher Bildung, mit welcher er bis zu seinem Tode in einer durch gegenseitige Achtung, Liebe und Treue beglückten Ehe lebte. Nach seiner Verheirathung nahm er seinen Wohnsitz hier in Nordhausen. Hier erwarb er sich in einer Reihe von 16 Jahren durch seine ausgezeichnete praktische Befähigung am Krankenbette, durch die mit wahrer Humanität verbundene Entschiedenheit und Vertrauen erweckende Sicherheit, mit welcher er seine Patienten behandelte, durch seinen emsigen Fleiß, mit welchem er dm Fortschritten und neuen Entdeckungen auf dem Gebiete seiner Wissenschaft folgte*), durch seine rastlose, unermüdliche Thätigkeit in seinem Berufe, noch mehr aber durch sein edles, wohlthätiges Herz und seinen biedern Charakter die allgemeinste Anerkennung undwohlverdiente Auszeichnung sowol in den Palästen der Hochgestellten *) Seine 4 bis 5000 Bande starke Bibliothek, in welcher die vorzüglichsten medizinischen und chirurgischen Werke älterer und neuerer Zeit nicht fehlen und zu deren Vervollständigung er kein Opfer scheuet«, ist eine kostbare Hinterlassenschaft. Nekrolog

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