Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1850)
- Date
- 1850-04-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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183 seit dem 7. November 1848 in's Leben getreten ist, hat sie in Erreichung ihres Zweckes erfreuliche Fortschritte gemacht. Es sind 9 Schüler ausgenommen, welche in 2 Abtheilungen und 39 wöchentlichen Stunden den Unterricht in den Lehrgegenständen erhalten haben, welche im Plan der Anstalt verzeichnet sind. Wir können im Ganzen mit dem Erfolg des Unterrichts nur zufrieden sein — wie denn binnen Kurzem zwei Zöglinge die Anstalt verlassen können, um ihren Beruf als Lehrer anzutreten. — Auch hoffen wir, daß es der Anstalt an Zöglingen nicht fehlen werde, da schon jetzt mehrfache neue Anmeldungen eingelaufen und andere demnächst noch zu erwarten sind. Kann also in dieser Beziehung das Resultat nur als ein erfreuliches bezeichnet werden — so müssen wir leider! im Hinblick auf die Geldverhältniffe begründete Klagen aussprechen. Die Anstalt ward, bei durchaus ungenügenden Mitteln und unter den ungünstigsten Zeitverhältnissen, nur in der festen Zuversicht vorläufig eröffnet, daß ein Werk, dessen Nothwendigkeit und Nutzen zumal für die jüdischen Landgemeinden so offenkundig ist, wenn es einmal in's Leben getreten, lebendigere, thätigere Theilnahme finden werde — daß Manche, welche im Zweifel über das Zustandekommen ihre Beiträge zurückgehalten, freudig beitragen würden, wenn ihre Zweifel durch das fertige Werk gelöst worden. Leider! ist diese Hoffnung bis jetzt nicht in Erfüllung gegangen, vielmehr sind seit jener Zeit fast gar keine Beiträge mehr eingegangen, und ohne eine außerordentliche Unterstützung, welche uns durch die Munifizenz des hohen königlichen Ministern des Innern zugestossen ist, hätten wir schon jetzt uns genöthigt gesehen, das Kapital anzugreifen. Unsere Einnahme an Zinsen beträgt nämlich circa 400 Thaler, unsere jährliche Ausgabe mindestens 900 Thaler; und dabei haben wir der Ersparung willen nicht nur die Lehrmittel, sondern auch die Unterrichtsgegenstände auf das Nothdürftigste beschränken und Manches für jetzt ausschließen müssen, was für das Gedeihen der Anstalt und die Ausbildung der Schüler sehr wünschenswerth wäre. Bei dieser Sachlage sind wir genöthigt, uns wiederum an alle Förderer des Guten mit der dringenden Bitte zu wenden: die junge Anstalt durch fernere Beiträge stützen, befestigen und vervollkommnen zu wollen. Die jüdischen Gemeinden des Königreichs zumal, denen jetzt so viele drückende Lasten abgenommen sind, denen auch die letzte, die Stolgcbührcn, demnächst abgenommen werden wird: wie könnten sie ihre Freude und ihren Dank gegen die Vorsehung besser bcthätigen, als durch Verwendung der dadurch gewonnenen Mittel für den Zweck der Bildung ihrer Jugend! Es sind nicht große Opfer, welche gefordert werden; wenn jede der 136 Synagogengemeinden des Königreichs durchschnittlich jährlich nur 4 Thaler beisteuert, so ist der Bestand der Anstalt gesichert. Wir wünschen zwar sehnlichst, daß Einzelne auch ferner durch kleinere und größere Summen zur Vermehrung des Grundkapitals der Anstalt beitragen und daß Schenkungen und Vermächtnisse ihr zufließen mögen — aber zunächst bitten wir die Herren Vorsteher, Lehrer und sonstige einflußreiche Mitglieder der Gemeinden, dahin wirken zu wollen, daß jede Synagogengemeindc einen Beitrag für das Seminar, nach Verhältniß ihrer Mittel, auf ihr Budget als stehende Ausgabe, und wäre cs auch zunächst nur auf 5 Jahre, übernehme. Die Ausgabe für den Einzelnen ist unbedeutend und doch erspart sie der Gesammtheit die Schmach, daß eine von ihr gegründete, heilsame Anstalt unter dem Drucke des Mangels nur kümmerlich sortvegetire, oder endlich gar im Laufe der Zeiten durch Auszehrung ihres Kapitals sich auflöse! Doch nicht nur die Bedürfnisse der Anstalt — auch die der meistens unbemittelten Zöglinge müssen befriedigt werden. Mit anerkennenswerther Bereitwilligkeit hat die hiesige jüdische Gemeinde den Zöglingen der Anstalt durch Freitische und andere Unterstützungen den Aufenthalt in hiesiger Stadt erleichtert — aber diese Mittel reichen nicht aus für die wachsende Schülerzahl und für die mannigfachen Ausgaben, welche bei der größten Sparsamkeit erforderlich sind. Wie wir daher das Beispiel mehrerer Synagogengemeinden zur Nachahmung empfehlen müssen, welche die Zöglinge aus ihrer Mitte durch Stipendien aus der Gemeindekasse oder von Privaten unterstützen, so möchten wir vorzüglich den kürzlich durch eine Schenkung von circa 500 Thaler gestifteten Stipendienfonds für dürftige Schüler der Anstalt der Theilnahme aller Wohlthäter empfehlen. Wir sind bereit, alle Schenkungen und Vermächtnisse für die Anstalt, oder zu Zwecken, welche mit derselben in Verbindung stehen, unter den von den Gebern selbst hinzugefügten Bedingungen anzunehmen, und sie zum