Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1850)
- Date
- 1850-03-25
- Page
- Seite 176 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225674--10884-3240957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
176 kehrte er wieder zu ihm zurück. Als er heimgekehrt war, bewunderte ihn der Bater sehr wegen seines klugen Benehmen und ertheilte ihm das größte Lob über den Scharfsinn, mit dem er den Auftrag vollführt hatte, und liebte ihn immer mehr, als wenn er der einzige leibliche Sohn wäre, zum größten Verdruß der Brüder. „Als dem Joseph um diese Zeit gemeldet wurde, daß dem Ptolomaus ein Sohn geboren worden, und da alle Vornehmen Syriens und der unterworfenen Lander die Geburt des Knaben zu feiern mit großem Aufwande nach Alexandrien zu reisen sich vernahmen, so forschte er, weil er seines hohen Alters wegen die Reise nicht mehr machen konnte, seine Söhne aus, ob Einer von ihnen sich zum Könige begeben wolle. Da die alteren Söhne aber es ausschlugen und meinten, sie hatten zu einer solchen Sendung zu wenig Weltbildung, und ihm riechen, ihren Bruder Hyrkan zu senden, so war ihm dies zu hören sehr lieb, und er ließ Hyrkan rufen und fragte ihn, ob er sich wol getraue, zum Könige zu reisen. Dieser erklärte sich bereit dazu und sagte, daß er auch zur Reife nicht viel Geld nöthig habe, denn er würde sehr mäßig leben und hoffe mit 10,000 Drachmen wol zu reichen. Ueber diese Sparsamkeit des Sohnes freute sich der Bater sehr. Nach einiger Zeit riech der Sohn dem Vater, die Geschenke für den König nicht erst von Hause ihm mitzugeben, sondern ihm eine Summe auf seinen Geschäftsführer in Alexandrien anzuweisen, wofür er, was er Kostbares und Schönes finden würde, kaufen könnte. Der Vater gedachte ungefähr zehn Talente auf die dem Könige zu überreichenden Geschenke zu verwenden, billigte den verständigen Vorschlag des Sohnes und schrieb deshalb an seinen Geschäftsführer Arion, der in Alexandrien die Verwaltung seiner Kapitalien besorgte, die sich auf nicht weniger als 3000 Talente beliefen. Denn Joseph pflegte die Gelder, die aus Syrien einkamen, nach Alexandrien zu schicken, und wenn der festgesetzte Termin bevorstand, an welchem die Steuer dem Könige bezahlt werden mußte, so schrieb er an Arion, der dann die Zahlung leistete. Nachdem Hyrkan das Schreiben an diesen Arion vom Vater erbeten und erhalten hatte, machte er sich eilig auf den Weg nach Alexandrien, und gleich nach seiner Abreise schrieben seine Brüder an alle Freunde des Königs, daß sie ihn aus dem Wege zu räumen suchen sollten. „Als er nach Alexandrien gekommen war, übergab er dem Arion das Schreiben, und als dieser ihn fragte, wie viel Talente er ausgezahlt haben wollte, — er erwartete nämlich, daß jener nur zehn oder etwas darüber verlangen würde, — und Hyrkan sagte: er brauche lausend Talente; so gerieth Arion in Zorn und schalt ihn aus: er wolle wol das Geld in einem lüderlichen Leben durchbringen, und machte ihn darauf aufmerksam, wie sein Vater dieses Vermögen durch Arbeit und Unterdrückung seiner Leidenschaften zusammengebracht hätte, und ermahnte ihn, sich seinen Water zum Muster zu nehmen; er würde ihm übrigens nicht mehr als zehn Talente geben, und auch diese nur zu Geschenken für den König. Dies brachte den Jüngling so auf, daß er den Arion in's Gefangniß werfen ließ. Die Frau des Arion beklagte sich hierüber bei Kteopatra und bat sie, den jungen Mann deshalb zur Rede zu stellen, denn Arion stand in hoher Gunst bei ihr, und Kleopatra machte davon dem Könige Anzeige. Daher schickte Ptolemaus sogleich zu Hyrkan und ließ ihm sagen: er müsse sich sehr wundern, daß er, als Abgesandter vom Vater zu ihm geschickt, noch nicht vor ihm erschienen sei, und daß er überdies seinen Geschäftsführer habe einkerkern lassen; daher befehle er ihm, sogleich zu ihm zu kommen und sich darüber zu rechtfertigen. Darauf soll nun jener dem Boten folgende Antwort an den König gegeben haben: Der König selbst habe ein Gesetz, das sogar seinem eigenen Sohne verbiete, eher an dem Opfermahle theilzunehmen, bis er in den Tempel gekommen und dem Gotte geopfert habe. Ganz auf dieselbe Weise sei er nicht eher zu ihm gekommen, weil er die Zeit abwarte, bis er dem Gönner seines Vaters die Geschenke überreichen könne. Was aber die Strafe seines Untergebenen betreffe, der seinen Befehlen nicht habe Folge leisten wollen, so komme es gar nicht darauf an, ob ein Herr klein oder groß sei. Wenn man Solche nicht bestrafen dürfe, so habe auch der König zu erwarten, daß seine eigenen Unterthanen nicht mehr aus seine Befehle achten werden. Als dies Ptolemaus horte, lachte er und bewunderte die Freimüthigkeit des jungen Mannes. „Wie nun aber Arion erkannte, daß der König so gegen jenen gesinnt sei, und daß er von Niemanden Hilfe zu erwarten habe, zahlte er die tausend Talente und wurde aus dem Gefängniß entlassen. Und drei Tage darauf machte Hyrkan den königlichen Personen seine Aufwartung. Diese sahen ihn gern bei sich und hatten auch die Gnade, ihn aus Achtung gegen feinen Vater zur Tafel zu laden. Hierauf begab sich Hyrkan heimlich zu den Sklavenhändlern und kaufte hundert Knaben, von blühendem Aeußern und in den Wissenschaften wohl