Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1850)
- Date
- 1850-03-25
- Page
- Seite 175 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Auswechslung dieser Deklaration aus dem Lande entfernt haben. 5) Die Verjährung gilt jedoch nicht für Juden, welche vor ihrer Entfernung in's Ausland sich eines Vergehens oder Verbrechens schuldig gemacht haben; Solche werden auf die erste Aufforderung, die von Seitr der russischen Behörde erging, ohne Rücksicht auf die Dauer ihres jenseitigen Aufenthaltes ausgeliefert. —. Nach der im Jahre 1847 vorgenommenen Konskription giebt es in Rußland (außer Polen) 864 israelitische Gemeinden mit einer Bevölkerung von 510,133 männlichen und 531,230' weiblichen Geschlechts, zusammen 1,041,363 Seelen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Zoseph, Sohn des Tobias, und seine Söhne, die ersten jüdischen Geschäftsmäinier. (AuS dem Magazin für Literatur des Auslandes.) (Fortsetzung.) „Als nun Joseph viel Geld gesammelt und einen großen Gewinn aus der Pacht der Steuern gezogen hatte, verwandte er die Reichthümer zur Befestigung der Machte die er erlangt hatte, indem er klug und verständig zu handeln glaubte, wenn ec mit Hilfe dessen, was er erworben, sich die Gelegenheit und Quelle des gegenwärtigen Glückes erhielte. Denn er schickte unter der Hand dem Könige, der Kleopatra und ihren Freunden und Allen, die im königlichen Palaste irgend Einfluß hatten, viele Geschenke und erkaufte sich auf diese Weise ihre Gunst. „Zwemndzwanzig Jahre genoß so Joseph ununterbrochen sein Glück. Er hatte von einer Frau sieben Söhne und einen Knaben mit Namen Hyrkan von einer Tochter seines Bruders Solymius. Diese hatte er aus folgender Veranlassung geheirathet. Er war einmal mit seinem Bruder nach Alexandrien gereist, und dieser hatte seine mannbare Tochter mitgenommen, um sie da mit einem vornehmen Juden zu vermahlen. Joseph speiste beim Könige und verliebte sich in eine Tänzerin von ausgezeichneter Schönheit, die beim Gastmahte gegenwärtig war. Er vertraute dies dem Bruder und bat und beschwor ihn, da es doch den Juden von ihrem Gesetze verboten sek, mit einer Fremden eine Verbindung einzugehen, die Sünde verheimlichen und ihm seine treuen Dienste leihen zu wollen, es möglich zu machen, daß ihm seines Herzens Wunsch erfüllt würde. Der Bruder übernahm bereitwillig die Vermittelung, führte aber in der Nacht sein? eigene Tochter, als Tänzerin verkleidet, in das Gemach seines Bruders, und dieser, der in der Trunkenheit die Verwechselung nicht bemerkte, hielt sich für den Glücklichsten, und je mehr er dieses vermeintlichen Glückes theilhaft wurde, desto heftiger ward seine Liebe zu ihr. Endlich gestand er dem Bruder, daß wegen der Liebe zur Tänzerin sein Leben in Gefahr sek, wenn der König sie ihm nicht abtreten wollte. Der Bruder aber hieß ihn unbesorgt sein und jeden Kummer zu entfernen; Nichts hindere ihn, das Mädchen ferner zu lieben und sie sogar zu seiner Gemahlin zu erheben. Er entdeckte ihm hierauf seine List und fügte hinzu: er habe lieber seine Tochter einer Schmach aussetzen, als zugeben wollen, daß er Etwas begehe, was ihm zur Unehre gereichen könnte. Joseph lobte ihn wegen seiner Bruderliebe und nahm seine Tochter zur Frau. Sie gedar ihm einen Sohn, den er, wie oben erwähnt, Hyrkan nannte. Dieser jüngste von seinen Söhnen zeigte schon zu dreizehn Jahren eine solche Festigkeit des Charakters und so vortreffliche Geistesanlagen, daß er dadurch die Eifersucht der Brüder in hohem Grade erregte. Seine Vorzüge waren auch in der That von der Art, daß sie beneidet werden konnten. Denn da Joseph selbst sich überzeugen wollte, wer von seinen Söhnen von der Natur zu etwas Tüchtigem bestimmt sei, so schickte er einen Jeden zu denen, die damals für die besten Lehrer galten. Alle aber außer Hyrkan kehrten, weil sie zu trage waren und die Mühe scheuten, roh und ungebildet wieder nach Hause zurück. Nach diesen aber sandte er seinen jüngsten Sohn Hyr-an mit dreihundert Gespann Ochsen zwei Tagereisen weit in die Wüste, das Land urbar zu machen, nahm aber heimlich die Jochriemen weg. Als Hyrkan nun an den Ort gekommen war und keine Jochriemen hatte, hörte er nicht auf die Meinung der Ochsentreiber, die ihm riethen, einige Leute zum Vater zu schicken, ihm die Riemen zu holen; denn er glaubte die Zeit nicht verlieren zu dürfen, während er die erwartete, die er entsenden müßte, sondern er erdachte einen klugen Rath, nicht wie ein Kind, sondern wie ein erwachsener Mann. Er schlachtete nämlich zehn Gespann, vertheilte das Fleisch unter die Arbeiter, schnitt die Felle in Riemen und band mit diesen die Ochsen an die Joche. Und da er auf diese Weise das Land besäet hatte, wie es ihm der Vater aufgetragen.