Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-03-18 · Heft 12 (18.3.1850) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 12 (18.3.1850)
Date
1850-03-18
Page
Seite 162 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225673--10869-3240941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

162 rend bat verachtete Judenthum die Unsterblichkeit Ln sich trage. Es dürfte demnach, hoffe ich, für den Leser nicht uninteressant sein, das Leben und die Schicksale des ersten aller großartigen jüdischen Geschaftsmanner kennen zu lernen, wie sie uns der Geschichtschreiber Flavius Josephus in seinen jüdischen Alterthümern (XII. 4) erzählt. Die Geschichte Josephs und seiner Familie bietet auch sonst noch so viele interessante Einzelheiten über damaliges Leben und Sitten, daß ich es nicht für unangemessen halte, die ganze Stelle aus dem Josephus in einer treuen Uebecsetzung mitzutheilen: „....Hieraus schloß Antiochus Freundschaft und Bündniß mit Ptolemäus und gab ihm seine Tochter Kleopatra zur Frau, und als Mitgift verlieh ec ihr Cölesyrien, Samarien, Judäa und Phönizien. Die Steuern theilten beide Könige unter sich; in jedem Lande nämlich pachtete Einer von den Angeseheneren die Steuer und zahlte an die Könige die ausgeschriebene Summe. Um diese Zeit war der Hohepriester Eleasar gestorben, und ihm folgte in der Hohenpnesterwürde sein Oheim Manasse, und nach dessen Tode erhielt das Amt Onias, ein Sohn Simons, den man den Gerechten genannt hatte. Dieser Onias war ein Mann von schmutzigem Charakter und sehr geldgierig: deshalb zahlte er die Steuern für das Volk nicht, die seine Vorfahren aus ihren eigenen Mitteln zu entrichten gepflegt hatten, nämlich zwanzig Talente Silber. Dies erregte den Zorn des Königs Ptolemäus Euergetes, des Vaters des Philopator. Daher schickte er eine Gesandtschaft nach Jerusalem, beschuldigte den Onias, daß er die Steuer nicht zahlte, und drohte, er würde, wenn sie nicht zahlten, ihr Gebiet vertheilen und eine Kriegerkolonie dahin senden. Darüber war das Volk in Angst; aber des Onias Geldgeiz ging so weit, daß er sich daraus gar Nichts machte. Damals lebte ein gewisser Joseph, ein noch junger Mann, wegen seiner Frömmigkeit, Klugheit und Gecechtigkeitsliebe in Jerusalem geachtet. Er war det Sohn eines gewissen Tobias und einer Schwester des Hohenpriesters Onias. Als er von seiner Mutter die Ankunft der Gesandtschaft erfahren hatte, — denn er hielt sich damals in einem Dorfe mit Namen Phichola auf, wo eigentlich seine Heimath war, — begab er sich in die Stadt und beschwor den Onias, er möchte doch auf das Wohl seiner Mitbürger bedacht sein und das Volk nicht in Gefahr stürzen, indem er das Geld verweigere, durch das dem Volke die eigene Verwaltung und ihm die Hohepriesterwürde zu Theil geworden wäre. Sei er Ln dem Grade geldsüchtig, daß er lieber sein Vaterland in Gefahr und seine Mitbürger alle mögliche Unbill erleiden sehen wolle, so müsse er ihm rathen, sich zum Könige zu begeben und ihn zu bitten, ihm entweder die ganze Summe oder wenigstens einen Theil zu erlassen. Onias antwortete hierauf: ihm liege an dem Fürstentitel gar Nichts, und er sei bereit, wenn es sein müßte, die Hohepriesterwürde niedeczulegen; aber zum Könige werde er in keinem Falle gehen und sich um die ganze Sache nicht kümmern. Da fragte ihn Joseph, ob er ihm erlaube, eine öffentliche Gesandtschaft für das Volk an den König Ptolemäus zu schicken? Als jener seine Zustimmung gegeben hatte, begab sich Joseph sogleich in den Tempel, berief das Volk zu einer Versammlung und ermahnte es, sich zu beruhigen und deshalb nicht in Furcht zu sein, daß sein Oheim Onias sich um sie gar nicht kümmere; vielmehr sollten sie, bat er, jede Besorgniß entfernen, denn er verspreche ihnen, selbst zum Könige zu gehen und ihn zu überzeugen, daß sie durchaus keine Schuld hätten. Als dies die Volksmenge hörte, dankte sie dem Joseph, und dieser begab sich herab vom Tempel, nahm den Gesandten des Ptolemäus gastfceundschaftlich in sein Haus, machte ihm kostbare Geschenke und veranstaltete ihm zu Ehren viele Tage hindurch Gastmähler und bat ihn dann, zum Könige vorauszugehen, mit dem Versprechen, ihm bald zu folgen. Denn ec verlangte um so mehr nach einer Zusammenkunft mit dem Könige, da der Gesandte ihm Muth und Vertrauen eingeflößt und ihn zur Reise nach Egypten aufgefordert hatte, mit der Versicherung, er solle schon Alles, was er vom Ptolemäus erbitten würde, erlangen; denn ihn hatte Josephs Freigebigkeit und würdiges Benehmen außerordentlich für ihn eingenommen. Wie nun der Gesandte nach Egypten zurückkam, schilderte er dem Könige des Onias schmutzigen Geiz und rühmte Josephs treffliche Eigenschaften und fügte hinzu, er würde zu ihm, als dem Herrn des Volkes, kommen, um die Schuld vom Volke abzuwalzen. Er hatte keine Worte gespart, den jungen Mann in ein solches Licht zu stellen, daß er ihm j schon vor seiner Ankunft das Wohlwollen des Königs l uno seiner Gemahlin Kleopatra erwarb. — Joseph schickte | nach Samarien und lieh sich von seinen Freunden Geld und schaffte Alles an, was zur Reise nöthig war: Kleider, Geschirre, Zugvieh, im Werthe von 20,000 Drachmen, und reiste dann nach Alexandrien. „Gerade um diese Zeit begaben sich auch aus den Städten Syriens und Phöniziens mehrere vornehme und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.