Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1850)
- Date
- 1850-03-18
- Page
- Seite 161 (sequence 9)
- Language
- German
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161 und von Statthaltern gesichert. Erst unter Artaxerxes Memnon legte der Feldherr des Königs, Bagoas, den Juden eine außerordentliche Opfersteuer auf, weil der Hohepriester Jochanon seinen Bruder Josua im Tempel getödtet hatte. Doch nur sieben Jahre zahlten sie die Abgabe (Josephus, Alterth. XI. 7). Als aber die Perser von Alexander dem Großen besiegt und nach dessen Tode das mazedonische Reich unter die Feldherren Alexanders getheilt worden war, bildete Judäa eine Provinz Egyptens und später Syriens. Die griechischen Herrscher dieser Länder betrachteten sich als die Eroberer und ihre Völker als die Besiegten, und so standen Herrscher und Volk in einem feindlichen Verhältnisse gegenüber. Wenn die milde persische Herrschaft mehr eine patriarchalische gewesen war, so bildete die griechische Gewalt mehr eine kriegerische Okkupation; daher wurden die Völker gedrückt und ausgesogen und alle Volkseigenthümlichkeiten erstickt. Die Verschwendung der Könige und die Furcht vor der beleidigten Nationalität der Völker trieben die Gewalthaber zu immer neuen und größeren Erpressungen; der Luxus an den Hosen dieser griechischen Despoten verlangte immer bedeutendere Opfer von den Völkern, und die Söldlinge, die der König zum Schutze gegen fremde Feinde und gegen seine eigenen Unterthanen halten mußte, erschöpften endlich einen noch so gefüllten Schatz. Es war daher natürlich, daß das Geld den mächtigsten Einfluß übte, und hier mußte zum ersten Male erkannt werden, daß der Reichthum eine Macht sei, vor der sich selbst Könige und Fürsten beugen. Mit Geld konnte man Sicherheit, Ansehen und Gerechtigkeit von den Machthabern erkaufen; ohne Geld war man verachtet, den Gewalttätigkeiten der Könige und ihrer Diener preisgegeben. Die Juden, die ein Land bewohnten, das nur durch den sorgfältigsten Anbau seine zahlreichen Bewohner ernähren konnte, die weder durch Handel, noch durch Gewerbsteiß sich die anderen Völker tributbar zu machen verstanden, mußten ihrer Dürftigkeit wegen von Anderen verachtet und ihrer politischen Ohnmacht wegen vor Allen den Anmaßungen und ungerechten Forderungen der Mächtigen ausgesetzt sein. Daher finden wir auch in der That zur Zeit der Ptolemäer und Seleuciden die Juden in der traurigsten Lage, die Beute bald des einen, bald des andern mächtigen Nachbars, gleich einem Schiffe, wie Josephus sagt (Alterth. XII. 3, 3), das im Sturme von den Wellen hin- und Hergetrieben wird. In dieser Zeit der Noth trat unter den Juden ein Mann auf, der, die Umstände klug benutzend, sich Schätze sammelte, wie sie früher kein Privatmann in Judäa besessen, und durch sie ein Wohlthater seines Volkes wurde. Joseph, Sohn des Tobias, ist es, der die Reihe jüdischer Geldfürsten eröffnet, der den mächtigen Einfluß, den ihm seine Reichthümer verschafften, zum Schutze seines Volkes anwandte, der, wie Josephus von ihm rühmt (Alterth. XII. 4, 10), das jüdische Volk aus der Dürftigkeit und Ohnmacht herausriß und in eine glänzendere Lage versetzte. Aber das Uebel, an dem die Juden litten, konnte durch Josephs Geld und Einfluß nur gemildert, nicht geheilt werden; vielmehr äußerte sich bald die schädliche Wirkung des vermehrten Geldbesttzes auf das Volk. Die Großen und Reichen, meist Kinder und Verwandte Josephs, entfremdeten sich durch Schwelgerei und jämmerliche Nachäfferei griechischer Bildung und Sitte dem Glauben und den Tugenden der Vater immer mehr, demoralisirten durch ihr böses Beispiel die Volksmasse, die sie endlich ihrer Selbstsucht opferten, sich mit ihren Feinden verbindend zur Unterdrückung jüdischen Glaubens und jüdischer Nationalität. Unmöglich konnte auch das Heil von diesen Zwitterwesen kommen, die zwischen Griechentum und Judenthum ohne Halt und Würde hin- und herschwankten. Aus dem gesunden Kern des Volkes erstanden endlich den Juden die wahren Retter in der Heldensamilie der Makkabäer. Auch auf sie hatte die griechische Zeitbildung ihren Einfluß geübt, aber nicht entnervend und schwächend, sondern ermuthigend und kräftigend; denn die Großthalen der Makkabäer sind nicht blos aus der religiösen Begeisterung, sondern auch aus dem anregenden Beispiele griechischer Freiheitöhelden hervorgegangen. und die, gleichgittig, ob wahre oder erdichtete, Freundschaft und der darauf sich beziehende Briefwechsel zwischen den Spartanern und Juden (Josephus, Alterth. XII. 4, 10; XIII. 5, 8; 1. Makkab. 12, 2 — 23) sollte Nichts, als das Bekenntniß sein, daß sich Beide als Geistesbrüder fühlten. Und was in Wort und Schrift geleistet worden, was zur Vermittelung griechischer Wissenschaft und jüdischen Glaubens geschehen, ist nicht von jenen griechelnden Juden ausgegangen, die Großes gethan zu haben glaubten, wenn sie griechische Ringschulen anlegten, griechische Feste feierten und griechischen Götzen Opfer schickten, sondern von Solchendenen der Glaube ihrer Vater eine Wahrheit war, die, nicht fremden Prunk, sondern fremden Geist achtend, es mit Hellem Blick erkannt hatten, wie griechisches Leben und griechischer Götterdienst bei allem äußern Glanze hohl und in sich zerfallen sei und einem gewissen Tode entgegeneile, wah- 12*