Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1850)
- Date
- 1850-03-18
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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159 ihrer Stelle zu bezahlen. Man giebt ihnen kaum so viel Brod, um ihre unglückliche Existenz zu fristen. Während des Aufenthalts dieses Korrespondenten zu Karandus im August v. I. sah er einen Israeliten aus dem Hause des Gouverneurs kommen, niedergebeugt unter dem Gewicht großer Ketten, die man ihm an Hals, Hände und Füße befestigt, und außerdem mit vier Krügen belastet, welche er an einem benachbarten Brunnen mit Wasser füllen sollte. Ein kurdischer Offizier, mit einem Stocke bewaffnet, beeilte seinen Schritt durch verdoppelte Schläge. Der Korrespondent frug den Offizier, welches Verbrechen der Unglückliche begangen hätte? Es ist ein Dieb. Was hat er gestohlen, um eine so strenge Strafe zu verdienen? Wallah! es ist ein Dieb, ein Jude. . . . Aber sagt mir, was hat er gestohlen, und ist sein Verbrechen erwiesen? Noch nicht. Da das mohamedanische Gesetz verlangt, daß jede Anklage durch Zeugen erwiesen sei, frug der Korrespondent den Offizier, warum die Sache nicht einer regelmäßigen Untersuchung unterzogen worden, und bemerkte ihm, daß es leicht gewesen wäre, Zeugen zu finden. Der Offizier begnügte sich ihm zu antworten: Die Sache ist eine Kleinigkeit und ist der Mühe nicht werth die Gerichtskosten darauf zu verwenden. Der Korrespondent that beim Gouverneur einige Schritte, und dem armen Juden wurde die Freiheit wieder gegeben. Von Ravandus begab er sich nach dem Dorfe Dorgaly, wo ungefähr 30 jüdische Familien wohnen. Er bemerkte daselbst dieselben Leiden, denselben Druck. Die Synagoge ist eine elende Hütte, wo das Licht nur durch kleine Löcher in den Wänden hineindringt. Auf seine Frage, warum sie keine Fenster hätten, antwortete man ihm, daß die Kurden es ihnen nicht zugebm. Die Synagoge hat ungefähr 14 Fuß Länge und 12 Fuß Breite, in der Mitte befindet sich eine Erhöhung von 3 Fuß und ebenso viel im Quadrat, um hier das Gesetz vorzulesen. Gegen Abend sah der Korrespondent mehrere israelitische Frauen aus dem Walde zurückkommen, den Rücken mit Holz, welches sie gesammelt, beladen. Die Kurden beeilten sich sie ihrer Last zu entledigen, indem sie ihnen ohne Umstände das Holz nahmen, was ihnen gefiel. 'Die unglücklichen Frauen hüteten sich wohl irgend eine Klage verlauten zu lassen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Grammatikalisches. So reichen Gewinn der, durch gründliche Studien der orientalischen Sprachen überhaupt, wohlangebaute Boden der hebräischen Grammatik für selbstständige rationale Auslegung der heiligen Schrift geliefert hat, so findet doch immer noch der unverdrossene Beobachter Gelegenheit zur Aehrenlefe, oder zum Sammeln einzelner Körner *), die der große Grundbesitzer unbemerkt oder als des Aufhebens unwerth liegen gelassen. Dahin gehört der Unterschied zwischen ~r\tx und najt/ worüber meines Wissens noch keine Grammatik und kein Wörterbuch genügenden Aufschluß gegeben hat. Indem ich nun denselben zu exponiren mir erlaube, muß ich einige Worte über die Akzente der hebräischen Sprache vorausschicken. So wie besonders dem Hebräer ein und dasselbe Wort zum Ausdrucke verschiedener, bisweilen lose zusammenhängender Begriffe dient, so dienen in noch ausgedehnterem Maße die Akzente zu mehrerlei Zwecken, treten bald in den Dienst der Poesie, bald in dm der Deklamatorik, ihres musikalischen Charakters im Ritual nicht zu gedenken, entrücken nie ihrer Hauptbestimmung und gleichen jedenfalls den Mangel an besonderen Lesezeichen, sofern diese zum genauen Verständniß und wohlklingenden Vortrage erforderlich sind, vollkommen aus, wenn wir auch, wegen geringerer Beachtung dieses Theits der Grammatik, über das Wie nicht überall recht im Klaren sind. Dies eingeräumt und nicht rücksichtslos vom Gebiete der Grammatik verwiesen, was nicht althergebrachte Heimalhsrechte produziren kann, wird man meine Meinung über —und aN vorerst wenigstens in genaue Erwägung ziehen, wenn ich mich dahin erkläre, „daß der Unterschied zwischen diesen Partikeln eine, von *) So vermißt man z. B. in den Grammatiken auch die Zweckangabe und die folgerichtige Bezeichnung des angehängten N in 1. Pers. tut. und imper. (mit Kal). Man nennt es allgemein schlechtweg N paragog., während es, erkennt und berücksichtigt man seinen Zweck, eher den Namen N atteetivum haben sollte. D. Eins.