Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1850)
- Date
- 1850-03-18
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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157 scheinen, als Rekrutirungsflüchtige werden behandelt und bestraft werden. —. In Böhmen ist die Auswandcrungslust nach Amerika noch immer im Steigen, und außer vielen Israeliten meldet sich auch eine große Anzahl von Handwerkern auf dem Lande um Auswanderungspässe. —. Di« Einhcbung der Schleiertare bei Verehelichung der Israeliten, welche in Niederöstcrreich bereits aufgehoben ist, soll, wie man hört, auch in den übrigen Kronländern, wo dieselbe noch besteht, eingestellt werden. Italien. Florenz. (Arch. isr. de Fr.) Hier besteht eine, durch einen Christen gegründete Stiftung für zwei arme Studierende. Vor der letzten Revolution konnte sich kein Israelit darum bewerben. In jüngster Zeit wurde es entschieden, daß auch Israeliten darum konkurriren dürften, und siehe da zwei Israeliten haben diesmal den Preis davon getragen. Venedig. Dem „Lloyd" wird von hier geschrieben: Unsere Stadt hat einen ganz eigenthümlichen Wegweiser erhalten. Alle Gassen, welche von der Eisenbahnstation bis herein zum Markusplatz führen, wurden an den Seiten mit einer schmalen, mit weißen Steinen gepflasterten Linie versehen, welche sich durch ihre Farbe vom andern Pflaster so sehr unterscheidet, daß jeder Fremde, ohne Jemanden fragen zu müssen, den kürzesten und bequemsten Weg vom Bahnhofe und zurück von selber findet. Der verdienstvolle Mann, welcher auf diesen genialen Gedanken gcrieth, ein Israelit, hatte sich ungemein viel Mühe gegeben, um diese Idee durchzuführen, und auch eine namhafte Geldsumme darauf verwendet. Nach seinem Tode fand man in seinem Testamente außerdem noch einen großen Betrag zur Erhaltung dieses Wegweisers angewiesen. Frankreich. Paris, im Marz. Das Ministerium hat die angebotene Demission der Herren Cerfberr, Franck, Anspach, Halphen, Halevy und Furtado als Mitglieder des Zentralkonsistoriums, nicht angenommen. —. Das israelitische Konsistorium zu Konstantine in Algerien ist jüngst installirt worden. Der Generalsekretär der Präfektur D eloche hielt als Vertreter der höchsten Zivilbehörde dabei eine Rede, in der er unter Anderm sagte: „Ich spreche im Namen des Präfekten der israelitischen Nation den Dank für den guten Geist aus, den sie fortwährend gezeigt hat, und für die bereite und thätige Hilfe welche die Administration stets in ihr gefunden." „Die Organisation des israelitischen Kultus wird Ordnung und Fortschritt in dieses so intelligente, den Unterweisungen der Vernunft und der Zivilisation so zugängliche Volk bringen." „Vereinigt unter der väterlichen Leitung ihres Rabbinen, gelehrig seinen Rathschlägen, werden die Israeliten fortfahren zu sein, was ihre Brüder in allen Zeitaltern der Geschichte und in allen Gegenden der Welt gewesen: das Bindemittel der Vorsehung (le ciment providenliel), bestimm t, alle Völker zu verbinden, und insvnders die thätigen und intelligenten Mithelfer am Werke der Zivilisation, welches Frankreich in Algerien vollbringt." —. In Durmenach(Oberrhein) haben die Israeliten dem dortigen Pfarrer einen Becher mit der Inschrift: „Dem Herrn Pfarrer die dankbaren Israeliten von Durmenach überreicht, weil er sie bei dem Einbruch von Bauernhorden, um die Juden zu mißhandeln, nach dem Februar 1848, beschützt hatte. Belgien. Brüssel, im Februar. (Arch. isr. de Fr.) Am 3. Februar hielt das israelitische Konsistorium seine öffentliche Jahressitzung. Da die Regierung und Kommune sehr sparsam mit ihren Unterstützungen geblieben, so eröffnet! das Konsistorium, eine Subskription zu Gunsten der israelitischen Schule und der Gesellschaft zur Förderung der israelitischen Arbeiter und Handwerker, die sehr reichlich aussiel. Die Rechnungen und das Budget für 1850 wurden genehmigt. Großbritanien. London, 5. März. Gegen die Wahl Rothschilds zum Mitgliede des Unterhauses für die City ist bei Letzterm eine Petition eingereicht worden. Jetzt ist sie zurückgezogen worden, doch will Lord John Ruffel Gelegenheit nehmen, seine Emanzipationsbill