Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1850)
- Date
- 1850-03-18
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225673--10863-3240935- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
156 die israelitischen Lehrer, folglich werden die Lasten der Gemeinde vergrößert! — Weiter behaupten Sie, „die Regierung habe die israelitischen Gemeinden genöthigt, Schulen anzulegen." Wieder eine Lüge. Vielmehr stehen in unserm Staate den schulpflichtigen israelitischen Kindern die sämmtlichen öffentlichen Schulen offen; aber die israelitischen Gemeinden bedurften und bedürfen der Religionslehrer, und finden es, wenn Letztere den Gesammtunterricht ertheilen können, in ihrem und ihrer Kinder Interesse, die israelitische Schule vorzuziehen. Und was meinen Sie mit Ihrer Behauptung: „kurfürstliche Kommissare habe man gegeschickt, welche offen ihre Ansicht ausgesprochen, die Israeliten (aus der Schule) wieder abzuliefern, wie sie Solche erhalten." Bei diesem Satze sind wir nicht im Stande, Ihre tiefen litcrärischen Kenntnisse, Herr Literat, zu begreifen. Oder sollten Sie, könnten Sie etwa meinen: der israelitische Lehrer solle seine Schulkinder als Israeliten erhalten und als Nichtisraeliten, oder als Israeliten Ihres Schlages wieder abliesern. O, der Schande! — Doch, wozu bedarf es einer weitern Widerlegung Ihrer rein aus der Luft gegriffenen Behauptungen; dem denkenden Leser entgeht das doch nicht. Aber eine Wahrheit haben Sie gesagt, darin sind wir vollkommen mit Ihnen einverstanden. Diese ist Ihre feste Ueberzeugung, daß Sie diejenige Gemeinde, welche Sie als Lehrer erhalten hätte, unglücklich gemacht haben würden. — Uns Lehrern fiel bei dem Lesen Ihres Rasonnements, Herr Literat, der Speichellecker Doeg ein, welcher durch seine Verleumdungen den Mord der unglücklichen Priesterstadt Nob zur Folge hatte, und wir fühlten die tiefe Wahrheit des 52sten Psalms, welchen der König David in Folge jenes Ereignisses dichtete: orn br> Vn non nyin bVfinn rin Was rühmst du, Held, dich deines Frevels? sie währt doch immer, Gottes Güte! piL ‘■ota *ipia ,aiaa :n rans Du liebst das Böse mehr, als Gutes; die Lüge mehr, als Wahrheit reden. Ob der übrige Inhalt jenes Psalms an Ihnen auch in Erfüllung gehen werde, ob auch Sie bnua "jncn aus dem Saale der kurhessischen Ständeversammlung bald verstoßen werden, das wollen wir der Zukunft überlassen, aber, das offene Geständniß legen wir Ihnen hiermit ab, wir hoffen, wir wünschen es. Oesterreichischer Kaiferstaat. Peflh, 4. März. Der „Lloyd" berichtet von hier Folgendes: „Es ist noch ungewiß, ob für die israelitischen Normal- und Volksschulen ein besonderer Schulrath von derselben Konfession eingesetzt werden wird, oder ob die israelitischen mit den christlichen Volksschulen sich überhaupt zu verschmelzen haben. Aus guter Quelle wird mir erzählt, daß der hiesige Ortsoberrabbiner, ein Mitglied der vor einigen Wochen niedergesetzten Schulkommission, sein Votum für die letztere Einrichtung abgegeben hat." (Wenn dies Schwab wirklich votirt hat, so mag er seine Gründe haben — wir halten es für die ungarischen Juden noch für ein gefährliches Experiment. Denn einerseits kennt man den Zustand der Volksschule in Ungarn, andererseits wird es schwer halten, einen großen Theil der ungarischen Juden dazu zu bekommen, ihre Kinder die christliche Volksschule besuchen zu lassen, endlich: ist denn bei den ungarischen Juden bereits für genügende Religionsschule gesorgt? Wir halten es aber überall für eine bewußte Zerstörung der Religion, wo ohne angemessene jüdische Religionsschule die jüdische Elementarschule beseitigt wird. Die Redaktion d. A. Z. d. I.) Wien, 4. Marz. Die teschener israelitische Gemeinde beabsichtigt eine Schule zu gründen und bei Sr. Majestät das Ansuchen zu stellen, daß dieselbe den Namen „Franz Joseph" führen dürfe. —. Der Tempel der türkischen Israeliten in der Leopoldstadt ist durch Räubcrhände geschändet worden. Die Diebe schlichen mittelst Nachschlüsseln in das Heiligthum, erbrachen mit einem Stemmeisen die heilige Bundeslade und entwendeten nicht nur die Rolle mit den 10 Geboten und silberne Becken und Kannen, sondern auch kostbare Drapperien mit Stickereien und dergleichen, ohne daß man die mindeste Spur der Thäter hat, welche mit der Lokalität sehr vertraut zu sein scheinen. Wien, 10. März. In Folge eines Auftrages des Ministeriums des Innern ist den Israeliten in Galizien ein peremtorischer Termin von 20 Tagen festgesetzt worden, binnen welchen sie, vom 28. Februar an gerechnet, sich der Mililärstellung zu unterziehen haben, indem sonst diejenigen, welche nicht er-