Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1850)
- Date
- 1850-03-18
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
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155 bedauert diese im falschen Interesse der Sache gestellten Anträge. Man dürfe im Interesse Einzelner den Gemeinden keine unerschwingbaren Lasten auflegen. Die Regierung habe die israelitischen Gemeinden genöthigt, Schulen anzulegen, aber gerade dieser Zustand setze die Israeliten außer Stand, mit ihren christlichen Mitbürgern gleichen Schritt zu halten. Es sei dieses das mit Haffenpflug leider wieder eingekehrte System gewesen, an allen Ecken und Enden habe man israelitische Schulen errichtet und Kommissare geschickt, welche offen ihre Absicht ausgesprochen, die Israeliten wieder abzuliefern, wie sie Solche erhalten. Man müsse auch diesen Theil der Bevölkerung an dem allgemeinen Fortschritt Theil nehmen lassen, damit nicht solche Zeiten wiederkehren, wo, wie von Herrn Weinzierl im Jahre 1849, Anträge auf Beseitigung des Schachers und Hausirhandels gestellt werden. Das warme Interesse der Volksvertreter für die israelitischen Schullehrer sei dankenswerth, aber warum nehme man nicht auch Rücksicht auf die Gemeinden, welche seit 29 Jahren vergebens petitionirt haben. Er betrachtet den gegenwärtigen Zustand als ein Provisorium, das man nicht noch feststellen dürfe. Der Umstand, daß einzelne Lehrer keinen Gehalt bezogen, habe nicht Mangel am Einkommen zum Grund; die Gemeinden wollten den Lehrern gern ihre Gehalte lebenslänglich belassen, wenn nur die Schulen aufgehoben würden.— Der Landtagskommissar vcrtheidigte das Verfahren der Regierung und bestritt den israelitischen Schulen den Charakter von Volksschulen. — Herr Hildebrand: Es handle sich hier nicht um rin Prinzip, sondern nur darum, ob man den israelitischen Lehrern eine Unterstützung gewähren wolle; es werde dadurch für die Zukunft nichts Maßgebendes festgcstcllt. Es handle sich um eine Erleichterung, nicht um eine Belastung der Gemeinden. — Herr Gräfe: Es sei ein desperates Mittel, die israelitischen Schulen durch Aushungerung der Lehrer zu beseitigen. Herr Hahndorf würde dasselbe nicht vorgeschlagen haben, wenn er seinen frühern Vorsatz, selbst Lehrer zu werden, ausgcführt hätte. — Herr Weinzierl billigt die Intention des Herrn Hahndorf; derselbe befolge aber den Grundsatz: „der Zweck heiligt die Mittel." — Herr Oetker: Es handle sich hier nur darum, ob eine Bewilligung zu bestimmten Zwecken verwendet worden sei, und die Regierung dieselbe richtig aufgefaßt habe, und daß das geschehen, lasse sich nicht bestreiten, wenn man zugebe, daß die israelitischen Lehrer keine Volksschullehrcr seien. — Herr Hahndorf will nicht in Abrede stellen, daß sein Verfahren etwas jesuitisch sei, allein wenn man 19 Jahre vergeblich petitionirt habe, dann greife man auch einmal zum Aeußersten. Gerade weil er fest überzeugt gewesen sei, daß er die Leute unglücklich machen würde, habe er sich diesem Stande entzogen. — Herr Bayrhoffer vereinigt sich mit dem Gräfeschen Anträge. — Sämmtliche Anträge wurden jedoch verworfen und der des Ausschusses mit größer Majorität angenommen. —. So weit der Bericht. Wenn Sie einerseits mit Vergnügen daraus entnehmen, daß gerade die wackersten, geistvollsten Männer, die Herren Bayrhoffer, Weinzierl, Gräfe u. s. w. sich mit aller Wärme für den israelitischen Lehrerstand Kurhessens interessirten und dessen völlige Gleichstellung beantragten, so werden Sie andererseits mit gerechter Indignation die verleumderischen Aeußerungen des Herrn Hahndorf, die allen und jeden Grundes entbehrenden Behauptungen dieses Mannes lesen. H. scheint von einem solchen Hasse gegen den israelitischen Schullehrerstand durchdrungen zu sein, daß er, nach seinem eigenen Geständniß, jesuitische Kniffe zu dessen Niederdrückung nicht verschmäht. Es bedarf nur einer oberflächlichen Prüfung seiner Worte, und deren Nichtigkeit, Gehässigkeit und Unwahrheit liegt klar vor Augen. „Herr Hahndorf bedauert diese (zu Gunsten der israelitischen j Lehrer) im falschen Interesse der Sache gestellten Anträge." Also, Herr Literat, Sie bedauern, daß es edle Männer giebt, welche sich des armen israelitischen Lehrers annehmen und ihm einen Zuschuß aus der , Staatskasse bewirken wollen. Welch ein herz- und! gemüthloscr Mensch müssen Sie sein, wenn Sie dem | armen Lehrer, welcher seinem ebenso heiligen als schwiei rigen Berufe Kraft und Zeit widmet, die Paar Noth-! Pfennige nicht gönnen, welche seine gedrückte Lage um Etwas erleichtern würden! — „Man dürfe," so behaupten Sie weiter, „im Interesse Einzelner den Gemeinden keine unerschwingbaren Lasten auflegen." Es scheint in Ihrem literarischen Kopfe nicht ganz richtig zu sein, Herr Literat, sonst könnten Sie unmöglich so einfältig sprechen. Sollen denn den Gemeinden neue : Lasten aufcrlegt werden? ist nicht vielmehr gerade von einer Erleichterung der Gemeinde vermittelst der Staatskasse die Rede? Oder haben Sie Ihre logischen Kenntnisse zu dem Schluffe geführt: der Staat unterstützt