Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1850)
- Date
- 1850-03-11
- Page
- Seite 148 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Diesem abzuhelfen hat der Vorstand des Lesevereins von der Studiendirektion die Erlaubniß bewirkt, eine Sabbat- und Sonntagsschule anlegen zu dürfen, wo besonders Religionslehre, Bibel und alle Elementarfacher vorgetragen werden sollen. Die Mitglieder des Vereins haben sich sogleich verpflichtet, jeder nach Vermögen einen monatlichen Beitrag zu geben, außerdem noch für die Anlegung eines kleinen Schulfonds zu trachten. Die Sammlungen zu diesem Zwecke werden nächste Woche beginnen und die Schule selbst in jedem Falle nach dem Ueberschreitungsfeste im Sommerkurse eröffnet. Nächstens Ausführlicheres darüber. /. 6. Italien. Venedig, 14. Februar. (Lloyd.) Neulich fand : in einem der hiesigen israelitischen Tempel eine erhe-? bende Feier statt. Die Gelegenheit dazu bot die Einj weihung einer von Herrn Ritter von Treves diesem! Gotteshause gewidmete kostbare Gesctzrolle (Tora).! Der Chor, um welchen sich der bekannte Kompositcur Herr Levy Verdienste erworben hat, trug mit der größten Präzision das Gebet für das Kaiserhaus in italienischer Sprache, und mehrere andere hebräische Gesänge vor, deren schöne vom Herrn v. Trevcs selbst komponirte Melodieen die Andacht nur noch steigerten. j Turin, 14. Februar. Auch in die sardinische Deputirtenkammer ist ein Israelit eingctreten, der Bankier Avigdor. Ueber seinen Eintritt in der gestrigen Sitzung schreibt der Lloyd: Gegen die Wahl des Herrn Avigdor fanden einige frommgläubige Männer allerlei einzuwendcn; sie waren zwar nicht so unzart, seine vertraute Bekanntschaft mit Moses und den Propheten zu rügen, dagegen waren allerlei andere Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten, die mit großer Ostentativ« geltend gemacht wurden. Mit vieler Geschicklichkeit wurden alle diese Einwürfe widerlegt, und das Staatsbürgerrecht des neuen Deputirten so sehr in Evidenz gestellt, daß seine Wahl genehmigt wurde.! i Frankreich. Paris, im Februar. Das Univ. isr. giebt fol- 1 gende Liste jüdischer Professoren in Frankreich: . Franck, Mitglied des Instituts, Prof, der Philosophie i in Paris; Manuel, Prof, in Tours; Hemardinquar, zu Paris; Moritz Mayer, Prof, an derFakultat der Wissenschaften in Poitiers; Weill, Prof, der Mathematik in Nancy; desgleichen Hauser in Lyon; Salomon, Prof, in Metz; J.Weill, Prof, der Mathematik in Haguenau; Heu mann, Prof, der fremden Sprachen in Möcon. —. Der oberste Schulrath Frankreichs wird ein, durch seine Kollegen erwähltes Mitglied des israelitischen Zentralkonsistoriums in seinem Schoße haben. Das Univ. isr. macht hierzu folgende Bemerkung: „Wir bedauern lebhaft, daß kein, unserm Glauben angehöriger Deputirter ein Amendement vorgeschlagen hat, welches den Großrabbinen des Zentralkonsrstoriums speziell als dieses Mitglied bezeichnet hätte. Mit der jetzigen Fassung kann es kommen, daß die israelitische Religion trotz der Bestimmung des Gesetzes, kein Organ innerhalb der Unterrichtsbehörde hat. Die Katholiken werden durch die Bischöfe, die Protestanten durch die Pastoren, und wir zwar durch ehrenwerthe Männer, aber die keinen geistlichen Charakter, noch die geringste Kompetenz in Betreff des religiösen Unterrichts haben, vertreten werden. Es ist sonderbar, daß das französische Rabbinat keinen Schritt gethan in dieser ernsten Angelegenheit, die wahrlich der Mühe werth war." —. In den akademischen Schulräthen (d. i. den Departementsschulräthcn) wird kein Jude Mitglied sein — und somit ist im Besonder» die israelitische Glaubensgenoffenschaft doch unvertreten, und die ganze Schulfrage in die Hände der christlichen Geistlichen gelegt, die, wie die jüngste Zeit gelehrt, durchaus nicht geneigt sind, Gerechtigkeit zu üben. —. Das Univ. isr. macht folgende Bemerkung: „Mit dem Jahre 1848 haben die Israeliten Deutschlands Platz genommen in den deutschen Kammern; aber wer sind diese Israeliten? Dort ein ausgezeichneter Rabbine; da ein großer Redner der Synagoge; Gelehrte, bekannt durch bemerkenswerthe Werke auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und Theologie; ei» durch seine Kämpfe für seine Glaubensgenossen und durch sein Journal betitelt „der Jude" berühmter Schriftsteller! Aber bei uns, wer ist noch zu den Würden des Staates gelangt? Mit geringer Ausnahme, Kapitalisten, Bankiers, Gewerbtreibende, geehrt durch ihre Arbeit und ihre Privattugenden, oder mächtig durch ihr Geld. So haben unsere Glaubens-