Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1850)
- Date
- 1850-03-11
- Page
- Seite 147 (sequence 7)
- Language
- German
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147 den ist, hat neben dem geistlichen Amte auch die Verpflichtung übernommen: täglich zwei Stunden an der öffentlichen Elementarschule in der Religion und den Realien zu unterrichten. Da der Rabbiner Jadesohn schon früher ein pädagogisches Examen abgelegt hatte, so ist derselbe von der Regierung zu Wromberg in dieser Eigenschaft bestätigt und vorige Woche von dem dortigen evangelischen Geistlichen in sein Amt als Lehrer eingeführt worden. Es ist dies in der Provinz das erste Mal, wo der Lehrer und Rabbiner in einer Person vereinigt ist. Dem Rabbiner Jadesohn ist somit ein großer Wirkungskreis geöffnet, und da es ihm weder an einem guten Vortrage noch an Redefluß wie an gediegenen Talmudkenntniffen fehlt, so kann derselbe vom Katheder und von der Kanztl viel Gutes entfalten. Mögen doch bald recht viele Gemeinden unserer Provinz diesem Beispiele folgen und mögen unsere Rabbinen doch keine Vergebung ihrer Stellung in der Bereinigung dieser Aemter erblicken, da sie doch auch früher die mehrste Zeit an den Unterricht der tr^rm verwendeten. — In Witkowo soll eine neue Synagoge nach dem neuesten Stile erbauet werden; bis dahin wird wahrscheinlich das Rabbinat unbesetzt bleiben. — In Schroda ist die Rabbinatsstelle vakant. I. Oesterreichischer Kaiserstaat. Preßburg, 20. Februar. (Privatmitth.) Es besteht seit ungefähr zwei Jahren hier ein israelitischer Leseverein, dessen Tendenz es gleich vom Anbeginn war, Licht, Kultur und Humanität sowol innerhalb als außerhalb desselben zu verbreiten. Dies zu bewirken wurde in demselben alsbald die weise Eintheilung getroffen, die Mitglieder dessen in zahlende und nichtzahlende (Ehrenmitglieder) zu theilen, und indem die Ersteren durch ihre Geldbeiträge den Vereinskörper erhalten, Bücher kaufen, Zeitungen halten und andere nöthige Ausgaben bestreiten; sollten die Letzteren durch ihre geistigen Beiträge, für dessen Seele, für's innere Leben des Vereins bedacht sein. Sie sollten nämlich durch abwechselnd jeden Sabbat zu haltende Vorträge, die sowol religiösen als literärischen als auch realwiffenschaftlichen Inhaltes sein könnten, Lust und Liebe zum Guten, Wahren und Schönen erwecken. Wvl haben nicht alle Ehrenmitglieder diesem edeln Berufe sich unterzogen (oder nicht unterziehen können); doch haben einige (wir nennen absichtlich keine Namen, damit man uns nicht der Lobhudelei eines Einzelnen beschuldige) mit Kraft und Ausdauer rühmlichst gewirkt) und sieh da! die mit Mühe ausgestreueten Saatkörner schießen auf, schießen auf zu vollen schweren Halmen. Denn nicht nur, daß der Verein immer mehr an Zahl gewinnt, so daß er beinahe 90 zahlende und 30 Ehrenmitglieder zählt; sondern er gewinnt noch immer mehr intensiv an Festigkeit und innerer Kraft. Die Mitglieder sind nicht mehr, wie vorher, größtentheils junge Leute, deren Herz ohnehin für Bildung leichter empfänglich ist, aber anderseits durch ihre Jugend der lichtscheuen Partei verächtlich schienen; sondern auch Viele vom reifem Alter, die dazu noch ehedem im feindlichen Lager gestanden, haben sich, überzeugt vom Bessern, demselben angeschlossen. Besondern Beifalls erfreuen sich die religiösen, wöchentlichen Vorträge, die man hier zu hören noch nicht gewohnt ist und die theils durch den Reiz der Neuheit, theils aber auch durch die Ueberzeugung vom Bessern, besonders aber durch den Vergleich mit den unverständlichen, unerquicklichen Vorträgen des hiesigen Rabbi, immer mehr Zuhörer herbeiziehen. Und es läßt sich hoffen, daß mit der Zeit der Verein den Ton in der Gemeinde angeben werde, und zwar einen Hellen, vollen Ton. Dies liegt wol noch fern, und das stille Wirken des Vereins dürfte vielleicht manchem Leser nicht des Lesens würdig dünken, so wie das stille, langsame Reifen in der Natur nicht für ein Wunder, sondern für etwas ganz Alltägliches gilt. Die Welt liebt mehr Treibhauspflanzen; etwas Außerordentliches und Außergewöhnliches. Allein der denkende Beobachter wird sich schon damit begnügen und zufrieden geben, wenn man besonders bedenkt, daß vor zwei Jahren hier eine regelrechte Rede in schöner Sprache noch als Ketzerei verpönt war, wo die Bachurim sich wunderten, daß der Rabbi in seiner Drasch« zehn deutsche Wörter gebraucht habe. Ueberdies beginnt der Verein auch außerhalb seiner Raume segensreich zu wirken. Und das beweist folgende Thatsache. Es sind nämlich allhier eine Menge Handels- und Handwcrkslehrlinge, die theils ohne allen Unterricht aufgewachsen, theils zu früh demselben entrissen worden, theils wol einen vollkommenen Unterricht genossen haben, aber in ihrer Lehrzeit alles früher Erlernte vergessen müssen, aus Mangel an Gelegenheit es wiederholen zu können.