Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1850)
- Date
- 1850-03-11
- Page
- Seite 145 (sequence 5)
- Language
- German
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145 der Uebersiedeluug nach anderen Staaten haben daher 1 auch bereits viele Israeliten, wie uns mitgetheilt wird, j ihre im Lande angelegten Kapitalien gekündigt. (N. K.) i Aus Baiern, 25. Februar. (M. Z.) Die Verwerfung der Judencmanzipation durch die Herren! Reichsräthe verursacht noch immer einiges Wetterlcuchlen an unserm politischen Horizont; alle einigermaßen! freisinnigen Journale äußern sich scharf über die Haltung der schon lange obsolet gewordenen Parökammcr ■ und die öffentlich e Meinung bricht über sie, die Alles in's vormärzliche Geleise zu bringen strebt, den Stab. Man weiß, daß der Hospartei alle die Neuerungen verhaßt sind und diese hat kein Mittel unversucht ge-; lasten, um auf die Reichsräthe zu wirken; absichtlich : ließ man die Sache recht lange liegen (der Referent Graf Monteglas soll seinen ersten, günstig lautenden z Bericht wieder zurückgenommen haben auf Andcurunj gen mehrerer Herren Kollegen, die sich auf den eben wehenden Hofwmd besser verstanden); endlich nahm man sie doch vor auf Andringcn des Ministeriums, das mehremale gemeinschaftlich Rath mit dem Prä-! sidenten der Rnchsrathskammer deshalb gepflogen, > aber vergebens für die Judenemanzipation sich bemüht; hat. Die Minister kannten den Stand der Sache erst einige Tage vorher, ehe sie zur Debatte kam, aber lange nicht so genau, wie die dominirende Kamarilla; sie hofften wol auf Modifikationen, und dachten nicht an ein Durchfallen des ganzen Gesetzentwurfs, den sie ja doch nur einbrachten, um ein königliches Wort zu lösen, daS selbst die Prinzen des Hauses (dergrö- I ßern Glaubwürdigkeit halber? denn sonst ist es unj konstitutionell, daß Prinzen ihre Unterschriften unter! die von verantwortlichen Ministern Unterzeichneten Proklamationen fetzen) unterzeichnet haben. Seltsam in der That ist es, daß einige Tage vor der Debatte der Emanzipationsfrage in der Pärskammer die Präsidenten der zweiten Kammer — so erzählt man sich in den Deputirlenklubs als charakteristisches Zeichen der Zeit — eine Audienz, um persönlich die Nothwendigkeit des Nachgebens von Seite der Reichsräthe in dieser Sache darzulegen, nicht erhalten konnten. Die Mehrzahl der Reichsräthe wollte den „christlichen Staat retten, und so groß war der Eifer Einiger, daß sie selbst dabei in's Spiel gcrathende persönliche Jntereffen nicht in Berücksichtigung zogen. Die königlichen Prinzen stimmten sämmlich gegen die Judenemanzipativn und die dieselbe beschränkenden beiden Modifikationen; Herzog Max von Baiern, Oheim des Königs, war abwesend, um seine entgegengesetzte Ansicht nicht darlegen zu müssen. Der Unmuth der Juden über die Vereitelung ihrer Hoffnungen ist groß; gewiß ist, daß mehrere reiche Familien in Franken, die noch jüngst zur raschen Erledigung des 7 Millionenanlchens viel beitrugen, nach Belgien und Preußen übersiedeln werden. Dessau, 25. Februar. (Privatmitth.) Ein unscheinbares Samenkörnlein, von treuer Bruderliebe ausgestreut, pflegt meist gar wundersame Kraft zu entfalten und in recht sichtbarer Weise den Segen Gottes darzuthun. Dafür liefert die hiesige israelitische Franzschule auch einen schlagenden Beweis. Als dieselbe vor 50 Jahren von einer Anzahl junger Männer in der Form einer Armenschule begründet wurde, hat wol Niemand die kühne Erwartung von der Anstalt gehegt, daß sie einst die Bildungsstätte von so vielen mosaischen Glaubensgenossen werden und daß einst aus weitester Ferne, selbst von den Usern des schwarzen Meeres Schüler zu ihr herbeieilen würden. Kümmerlich war das Dasein der Anstalt in den ersten Jahren ihres Bestehens. Die vorhandenen Mittel reichten kaum hin, ein einfaches Zimmer zum Unterrichte zu miethen; sie wechselte ihre Stätte häufig, nahm aber dennoch von Tage zu Tage zu. Endlich bekam sie eine bleibende Stätte in ihrem gegenwärtigen Gebäude und bald strömten auch fremde Zöglinge herbei. Die Lehrer bezogen nur ein höchst dürftiges Einkommen, so daß wahrlich große Aufopferung zu ihrem Werke gehörte; gleichwol wirkten sic mit Eifer und seltenem praktischen Sinne. Es war so Manches an der Schule zu tadeln und wegen der Beschränktheit ihrer Mittel nicht zu ändern; trotzdem zeigten die meisten Schüler beim Eintritte in das Geschästsleben eine so zweckmäßige Borbildung, daß man dieselben gern aufnahm und Viele von ihnen in der Handelswelt ihr Glück gemacht haben. Am 5. November vorigen Jahres feierte die Franzschule ihr Jubelfest und mit ihr der Direktor derselben, vr. David Fränkel. Die rühmliche Anerkennung, welche sich die Anstalt in der ganzen Zeit ihres Bestehens erworben hatte, war der Grund, daß an diesem Festtage zugleich die Verjüngung und zeitgemäße Umgestaltung der Schule gefeiert wurde.