Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1850)
- Date
- 1850-03-11
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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144 lich schon zu lang; um so mehr, da es der Befürwortung meiner Bitte nicht bedarf und wenn es derselben bedürfte, ich zu diesem Zwecke Nichts zu sagen wüßte, das treffender wäre, als die in derselben Nummer Ihrer Zeitung angeführte Stelle (Jer. Br. 37, 2.) „alles Reden ist schlimm, aber das Reden vom Gesetz ist gut; alles Schweigen ist gut, aber das Schweigen vom Gesetz ist schlimm." Julius Ru pp." Es erfolgte hierauf folgende Antwort: An Herrn Dr. I. Rupp in Königsberg. Magdeburg, den 4. Macz 1850. Verehrter Herr! Nehmen Sie vor Allem den herzlichsten Dank für alles das entgegen, was Sie in Ihrem offenen Sendschreiben an mich ausgesprochen haben. Es ist darin Alles so einfach, so klar und in so ruhiger, selbstbewußter Haltung gesagt, daß ich Nichts hinzuzusügerr habe, und statt alter überflüssigen Einleitung auf die Sache selbst eingehe. Sie wünschen, das Verhältniß des Judenthums und Christenthums wieder einmal öffentlich besprochen zu sehen. Ich hege denselben Wunsch.; denn wenn auch Mancher achselzuckend fragen wird: was kann dabei erreicht werden? so ist doch Nichts sichrer, als daß bei Erörterung der großen Fragen, welche in der Menschheit leben, stets der Erfolg in dieser Erörterung selbst liegt, und daß gerade unsre Zeit immer wieder aus die von Ihnen beregte Frage hingewiesen wird. Denn das Judenthum ist seit einem halben Jahrhundert allmalig wieder in den Kreis der allgemeinen Erscheinungen so nachdrücklich eingetreten, daß es sich mit bloßem Jgnoriren nicht mehr abweisen laßt; Beide, Judenthum und Christenthum, stoßen daher überall aufeinander, und Beide stehen in der Krise der Entwickelung auf einem Punkte, wo sie zum eignen Bestände sich gegenseitig erkennen müsien. Sie wünschen, daß wir Beide an diese öffentliche Besprechung gehen, in wahrhafter Liebe zu dem, was wir bekennen, aber auch in aufrichtiger Liebe zum ruhigen Erforschen und zum Streben nach Eckenntniß. Ich habe nur das Eine Bedenken. Judenthum und Christenthum stellen sich in so mannigfaltiger Gestaltung sowol auf ihrer geschichtlichen Bahn, als in der Gegenwart dar, daß schon die unumgängliche Vorfrage: was ist uns Judenthum und was Christenthum? einer so umfänglichen Erörterung bedarf, daß sie, ohne eine gegebene Basis, in einem, frei begonnenen Schriftwechsel kaum zu Ende gebracht werden zu können scheint. Gestatten Sie daher, verehrter Herr, daß ich Ihnen folgenden Weg Vorschläge. Gerade das Verhältniß des Christenthums und Judenthums war Gegenstand von Vorlesungen, die ich in den Winterhalbjahren 1846/1847 und 1847/1848 allhier öffentlich vor Zuhörern beider Religionsparteien gehalten. Beide Zyklen von Vorlesungen sind im Druck erschienen *). Sie haben das Schicksal gehabt, namentlich die Letzteren, daß einen Mond nach ihrer Vollendung Vieles zur stürmischen Tagesfrage wurde, was in ihnen eben berührt worden. Der zweite Band erschien im Februar 1848. Ich überreiche Ihnen anbei ein Exemplar, und glaube, daß, wenn, nach geneigter Durchlesung, Sie darin eine Basis weiterer Verhandlung finden sollten, diese in Form einer Kritik — nicht, des Buches, sondern der in ihm ausgesprochenen Ansichten — ihren Anknüpfungspunkt haben könnte. vr. Ludwig Philipp son. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 22. Februar. Die Israeliten der Residenzstadt werden nächster Tage in Betreff der Emanzipationsangelegenheit eine mit sehr zahlreichen Unterschriften versehene Dankadresse an die Kammer der Abgeordneten einreichen. Aus verschiedenen Provinzen des Landes vernimmt man, daß in Folge der Verwerfung der Emanzipation durch die,Reichsrathskammer viele Zsraeliten Baiern verlassen werden, um sich in anderen deutschen Staaten, in welchen jede Rechtsungleichheit zwischen den Bewohnern eines und desselben Staates beseitigt ist — was dermalen bekanntlich außer Baiern in allen deutschen Ländern der Fall — niederzulaffen. Da dies natürlich nur die Bermöglicheren thun können, so werden hierdurch dem Lande viele Kapitalien entzogen werden, während die ärmeren Israeliten dem Lande verbleiben. In Folge *) Die Entwickelung der religiösen Idee im Judenchume, Christenrhume und Islam. Zwölf Vorlesungen. Leipzig, Bauingartner's Buchhandlung, 1847. — Die Religion der Gesellschaft und die Entwickelung der Menschheit zu ihr, dargestellt in zehn Vorlesungen. Leipzig, Baumgärtner's Buchhandlung, 1848.