Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1850)
- Date
- 1850-03-11
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
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143 angegebenen Bedingungen zu erfüllen, ob wir im Stande sind, von einer Besprechung über das gegenseitige Verhältniß unserer Religionen jeden falschen Eifer auszuschließen, also den Empfindungen des Dankes und dcr Verehrung, welche die unumgängliche Voraussetzung für eine fördernde Besprechung des Gegenstandes bilden, doch keinen Einstuß auf die Untersuchung desselben zu gestatten? das ist eine Frage, auf welche offenbar allein der Versuch selbst, den wir machen würden, Antwort geben könnte. Nur eine Bemerkung mögen Sie mir gestatten. Sie soll keine Versicherung enthalten, daß ich den guten Willen habe, das was Sie zu sagen hatten, unbefangen und vorurtheitsfrei aufzunehmm. Ich habe nicht die geringste Veranlassung vorauszusetzen, daß dieser gute Wille denjenigen gefehlt, die früher über diesen Gegenstand verhandelt haben. Von größerem Gewicht als jene Versicherung ist vielleicht die Bemerkung, daß das Interesse, welches auch bei Untersuchungen über die Wahrheit so oft den guten Willen im Schach zu halten pflegt, bei mir in diesem Falle nicht gefährlich werden kann, weil es überhaupt nicht vorhanden ist — nämlich das Interesse, Recht zu behalten. Der Aufsatz Ihres Mitarbeiters über das Judenthum und die freien Gemeinden soll diejenigen Israeliten warnen, welche den Standpunkt ihrer Religion und der freien Gemeinden für denselben halten und aus irgend welchen Gründen geneigt sind, sich einer freien Gemeinde auch äußerlich anzuschließen. Ich habe im Allgemeinen den lebhaften Wunsch, daß diese Warnung ihren Zweck erreiche. Ich sehe dabei natürlich von den Fällen ab, in denen einzelne Menschen zu der Ueberzeugung kommen, daß die kirchliche Gemeinschaft, der sie durch die Geburt angehören, der geeignete Boden für ihre geistige und gemüthliche Entwickelung nicht ist. Diese Fälle setzen ja gerade wesentliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Religionen und Kirchengemeinschaften voraus, während Ihr Mitarbeiter es mit der Behauptung zu thun hat, daß der Standpunkt der in der evangelischen Kirche entstandenen freien Gemeinden sich von dem des Judenthums nicht unterscheidet. Fände diese Behauptung in größeren Kreisen Eingang, so würde die Folge sein, daß Israeliten in Masse in die freien Gemeinden eintreten, und diese Erscheinung scheint mir ebenso wenig wünschenswerth, als Ihrem Mitarbeiter. Daß er und ich aus verschiedenen Gründen in derselben Warnung übereinstimmen, ist hier gleichgiltig; unsere Uebereinstimmung in dem Resultate beweist Ihnen, daß meine Anfrage bei Ihnen, ob Sie sich nicht mit mir verbinden möchten, um das Verhältniß des Christenthums und Judenthums zum Gegenstände einer öffentlichen, gemeinsamen Verhandlung zu machen, sicher nicht den Neigun-" gen eines Missionärs ihren Ursprung verdankt. Ich bin stets der Ansicht gewesen, daß die Zeit durchaus verschwendet ist, welche die Menschen darauf verwenden, Anderen zu beweisen daß sie Recht haben. Sich eine Ueberzeugung bilden und zur Rechenschaft über dieselbe gegen Jedermann bereit sein, ist ohne Zweifel die Sache eines denkenden und aufrichtigen Mannes und das Laster überall angreifen, wo man es findet, und bis in die geheimsten Schlupfwinkel der Sophistik verfolgen ist sicher die Pflicht des Bürgers und des Menschen auf gleiche Weise; aber was haben diese Dinge mit jenem dogmatischen Bekehrungseiser zu thun, der nur mit einem engen Herzen und einem beschränkten Verstände verträglich ist! Auch auf ihn paßt jenes Worr: man merkt die Absicht und man ist verstimmt. Ec will anziehen und gewinnen und er muß überall abschrecken und zurückstoßen. Es wäre zu wünschen, daß dieser Bekehrungseifer sich überall mit dem Jrrthum verbände, um die Menschen vor dem Widerwillen, mit dem er erfüllt, eine Zufluchtsstätte bei der Wahrheit suchen zu lassen. Meine Bitte, das Verhältniß der jüdischen und christlichen Religion zum Gegenstände eines öffentlichen Briefwechsels zwischen uns zu machen, hat also, wie Sie sehen, mit der altmodischen Rechthaberei einer alleinseligmachenden Kirche Nichts zu thun, sie wird von einem Bewegungsgrunde eingegeben; den Sie mit mir (heilen. So gedankenlos und erfolglos das Streben ist. Andere zu unserer Meinung herüberzuziehen; so wohlbegründet und fruchtbar ist das Bemühen, sich darüber klar zu werden, welche Ansichten es eigentlich sind, die uns von denjenigen trennen, deren Religion einen andern Namen als die Unsere trägt. Juden und Christen unterscheiden sich doch nicht nur durch den Namen und andere Aeußerlichkeiten; im Gegentheil man hat allen Grund vorauszusetzen, daß sie sich durch Ueberzeugungen, Grundsätze und die dadurch bestimmte eigenthümliche Handlungsweise unterscheiden. Aber wie unterscheiden sie sich in diesen Beziehungen? Ist diese Frage erledigt? im Gegentheil, es scheinen die ersten verständigen Vorbereitungen zur Beantwortung derselben, welche bessere Zeiten als die Unsere gemacht, wieder in" Vergessenheit gerathen zu sein. Doch zu einer einfachen Anfrage ist der Brief eigent-